CoronavirusTessiner Corona-Patient fiel zuerst in Ohnmacht
Edoardo Proserpio wurde wegen des Coronavirus auf der Intensivstation beatmet. Lange wusste er nicht, dass er die Krankheit hatte.
Acht Tage lang lag der 65-jährige Edoardo Proserpio auf der Intensivstation in der Klinik Moncucco in Lugano. Mittlerweile ist der Tessiner aus Balerna auf dem Weg der Besserung und wird bald in die Reha verlegt. «Die Ärzte sprechen von einer wundersamen Genesung», sagt er zum «Corriere del Ticino».
Der Schock sitzt beim Corona-Patienten tief. «Es war schrecklich. Ich lag acht Tage intubiert auf der Intensivstation. Und als ich aufwachte, wusste ich nicht, was mit mir passiert war. Ich glaubte, ich sei im Ausland Opfer eines Verkehrsunfalls geworden», erinnert sich Proserpio. Er habe nicht sprechen können. «Ich hatte überall Schmerzen und konnte meine Liebsten nicht sehen. Keine Lust zu sterben hatte ich nur wegen meines einzigen Sohnes. Er ist zweijährig.»
Leichtes Fieber
Lange hatte der Tessiner praktisch keine Symptome. «Ich hatte nur ein paar Tage etwas Fieber, so um die 37 Grad.» Erst nachdem er in Ohnmacht gefallen war, merkte Proserpio, dass mit ihm etwas nicht mehr stimmte. «Ich fiel zu Hause in Ohnmacht. Als ich wieder zu mir kam, war ich voller Blut.» Er sei erschrocken, weil er geglaubt habe, dass das Blut von seiner Lunge gekommen sei. «Dann merkte ich, dass ich durch den Sturz lediglich meine Lippen verletzt hatte.»
Die Untersuchung brachte schnell Klarheit: Proserpio wurde positiv auf das Coronavirus getestet und sofort hospitalisiert. «Die Tatsache, dass ich ohnmächtig geworden war, rettete mir wahrscheinlich das Leben. So wurde mir klar, dass etwas nicht stimmte», so Proserpio. Ansonsten wäre ihm dies wohl nie bewusst geworden.
Einsamkeit sei das Härteste
Laut dem Patienten verglichen die Ärzte seine Ohnmacht mit einem «Sterben im Stehen». Als Proserpio in der Klinik Moncucco ankam, verschlechterte sich sein Zustand rapide. In der Folge musste der Patient sediert und intubiert werden.
Dem Spitalpersonal ist Proserpio sehr dankbar. «Sie waren wunderbar. Das Härteste in der ganzen Situation ist die Einsamkeit. Man kann sich im Stich gelassen fühlen, da einen nicht einmal die Familie besuchen kann.» Die Ärzte und Pflegenden hätten ihm Hoffnung gemacht. Sie hätten ihn verwöhnt und ihm geholfen, zu überleben. «Ich werde sie immer in meinem Herzen tragen und sie mein Leben lang nie vergessen.»
Warnung vor Verharmlosung
Seine Ansteckung mit dem Virus vermutet der Tessiner bei einem Freund. Schliesslich sei dieser eine Woche vor ihm hospitalisiert worden. «Ich unterschätzte das Virus nie, passte immer auf. Aber trotzdem erwischte es mich.»
Mit seiner Geschichte will er allen Menschen Eindruck machen, die nicht zu Hause bleiben oder das Virus verharmlosen. «Ich hatte Glück. Etwa die Hälfte der Patienten auf der Intensivstation schafft es nicht. Ich habe dem Tod ins Gesicht gesehen.»