RentenalterJungfreisinnige Frauen wollen länger arbeiten
Liberale Frauen kämpfen auf Tiktok für die Erhöhung des Rentenalters. Dies könnte für reichlich Aufmerksamkeit sorgen. Denn die Reichweite und Wirkung der Plattform werde oft unterschätzt, so ein Politologe.
Darum gehts
Mit Memes, viralen Sounds und jungen Nationalrätinnen tragen Frauen der Jungfreisinnigen auf ihrem Tiktok-Kanal den Abstimmungskampf zur Renteninitiative (siehe Box) aus. «Wir sanieren mit der Renteninitiative die AHV nachhaltig», schreibt das Team auf der schweizweit beliebtesten Social-Media-Plattform.
Leiterin des Tiktok-Kanals ist Melanie Racine, Mitglied der Jungfreisinnigen im Kanton Solothurn sowie Vorstandsmitglied der Renteninitiative. Für sie ist insbesondere die Erhöhung des Rentenalters für Frauen eine Herzensangelegenheit: «Wir Frauen sind nicht schwächer oder schlechter als Männer und können deshalb genauso lange arbeiten.» Das sei auch ein wichtiger Bestandteil der Gleichberechtigung, sagt Racine. «Vielerorts herrscht bereits Gleichberechtigung zwischen Frau und Mann. Gesellschaftlich gesehen haben wir noch Aufholbedarf. Es ist aber nicht zielführend, verschiedene Themen miteinander zu vermischen und gegeneinander auszuspielen. Stattdessen müssen individuelle Lösungen gefunden werden.»
Als Mediamatikerin ist Racine bestens vertraut mit Tiktok. «Es hat extrem viel Potential, junge Leute zu erreichen.» Politische Themen auf eine unkomplizierte und teilweise auch lustige Art zu übermitteln sei nämlich das A und O, um junge Leute in das politische Geschehen zu integrieren, so Racine. «Der Austausch mit ihnen zeigt, was sie beschäftigt und ihnen Sorgen bereitet.» Tiktok sei deshalb auch in Zukunft ein wichtiges Instrument für die Renteninitiative, so Racine.
«Reichweite und Kraft oft unterschätzt»
Der Einfluss von Tiktok und anderen Social-Media-Plattformen auf Abstimmungen sei vernachlässigbar, sagt Lukas Golder, Co-Direktor von gfs.bern und Politologe. «Die Reichweite und Kraft solcher Plattformen wird jedoch oft unterschätzt. Gerade als Trendsetter kommt ihnen eine wichtige Rolle zu, insbesondere wenn der Prozess der Meinungsbildung bereits früh gestartet wird.» Etwa bei Twitter, wenn eine Diskussion über ein Thema entfache und in der Folge ein Hashtag viral gehe. «Diesen Hashtag, also das Thema der Diskussion, nehmen Medien dann auf und tragen so zur Meinungsbildung bei.» Social-Media-Plattformen gewannen dadurch immer mehr an Bedeutung für die politische Meinungsbildung, so Golder. «Das haben viele Jungparteien bereits realisiert und ihre eigenen Kanäle gestartet, auch weil oft junge Leute Trendsetter sind.»
Ähnliches sagt auch Karsten Donnay, Politologe an der Universität Zürich. Die Popularität von Tiktok und weiteren Social-Media-Plattformen unter jungen Wählenden hätten viele Parteien international bereits erkannt, so Donnay. «In Deutschland hat die neue Bundesregierung auch explizit Kampagnen auf Tiktok lanciert und vor allem auch in den USA werden Videos zu politischen Themen immer relevanter.»
Renteninitiative und AHV21
Sollen Frauen gleich lange arbeiten wie Männer?