Good NewsTobias macht deinen alten Laptop flott für bedürftige Familien
Ein gebrauchter Laptop ist oft nicht einfach nur Schrott – Tobias Schär rüstet alte Geräte auf und gibt sie an armutsbetroffene Menschen weiter.
Darum gehts
- Viele Menschen können sich digitale Hilfsmittel wie Computer kaum leisten.
- Tobias Schär will mit seinem Projekt Wir lernen weiter helfen.
- Er verschenkte bisher über 300 alte Laptops.
- Das Projekt ist auf Spenden angewiesen.
Fernunterricht, Homeoffice, Bewerbungen auf Skype: Mit der Coronavirus-Krise ist der Alltag in Schule und Beruf für viele mit einem Schlag wesentlich digitaler geworden. Das stellt manche Menschen jedoch vor ein Problem: Was, wenn man sich die nötige technische Ausrüstung nicht leisten kann?
Hier will Informatikstudent Tobias Schär (26) mit seinem Projekt Wir lernen weiter (WLW) helfen. Er vermittelt gratis Laptops an von Armut Betroffene – von Familien mit schulpflichtigen Kindern, Jugendlichen in Ausbildung bis zu erwerbstätigen Personen. Tobias rief WLW zum Höhepunkt der Coronavirus-Krise Anfang April ins Leben und hat bisher über 300 Laptops verschenkt.
Gespendete Laptops
«Die Geräte stammen aus Spenden», sagt Tobias zu 20 Minuten. Privatpersonen und Firmen können über seine Website alte Geräte einsenden. Der Student an der Hochschule Luzern, der Teilzeit als Berater im Softwarebereich arbeitet, macht die Laptops dann flott und vermittelt sie an Bedürftige, die sich ebenfalls online bei ihm melden können.
Um sicherzustellen, dass die Personen, die von ihm einen Laptop geschenkt bekommen, auch wirklich von Armut betroffen sind, führt Tobias meist ein ausführliches Telefongespräch mit ihnen: «Da werden Ungereimtheiten schnell aufgedeckt – ich musste leider auch schon absagen.» Er geht aber davon aus, dass mehr als 80 Prozent der Geräte auch wirklich bei Bedürftigen landen.
Er hofft, künftig mehr mit Gemeinden und Hilfswerken zusammenarbeiten zu können, damit generell nur noch qualifizierte Anfragen eintreffen. Bereits jetzt hat WLW eine Partnerschaft mit Caritas Aargau.
Weniger Elektroschrott
Tobias arbeitet laut Eigenangaben rein «ehrenamtlich» für WLW und verdient nichts an dem Projekt. Er sieht in WLW einerseits eine Möglichkeit, Elektroschrott zu reduzieren. Andererseits will er vor allem verhindern, dass digitale Bildung zu einem standort- oder einkommensabhängigen Privileg wird.
Digitale Hilfsmittel sind in der Bildung unentbehrlich, wie Thomas Minder, Präsident des Schulleiterverbands, auf Anfrage sagt: «Man geht heute davon aus, dass der Zugang zum Internet wichtig ist für die Bildung.» Zudem werde Distance-Learning nach der Pandemie nicht einfach verschwinden: «Das wird von jetzt an immer ein Thema sein.» Darum findet Minder WLW ein unterstützenswertes Projekt.
Pandemie
Unterstützung der Helvetia-Stiftung
Die Stiftung Helvetia Patria Jeunesse fördert neben anderen Kinder- und Jugendprojekten auch WLW von Tobias Schär. Das Projekt ist eines von vier, die aufgrund der Coronavirus-Krise für spezielle Unterstützung ausgewählt wurden. Die Patria-Genossenschaft konnte unter anderem wegen der Krise Kosten sparen, da die Delegiertenversammlung ohne Anwesenheit der Delegierten stattfand. Dieses Geld soll folgenden Institutionen zugutekommen:
- Petite Suisse Kinderhilfe
- Wir lernen weiter
- Kinder-Beratung 147
- Caritas-Markt
Wegen des bevorstehenden Schul- und Lehrbeginns macht sich Tobias jedoch Sorgen. Bereits jetzt überwiegen die Anfragen für Laptops bei weitem die Anzahl der verfügbaren Geräte. Er erwartet in den kommenden Wochen einen weiteren Anstieg bei den Hilferufen.