Schweizer Cold CaseTöteten Wilhelms Mörder zwei weitere Menschen?
Im Jahr 2004 wurde eine 22-Jährige bei ihrer Arbeit in einem Reisebüro in Altendorf erschossen. Nun wurde der Fall bei Aktenzeichen XY ausgestrahlt.
«Ihre Mithilfe ist besonders gefragt. Die Ermittler heute im Studio haben die schwersten Verbrechen aufzuklären.» Mit diesen Worten beginnt Moderator Rudi Cerne die August-Ausgabe von «Aktenzeichen XY … ungelöst».
Einer dieser Fälle spielte sich in der Schweiz ab. Genauer gesagt in einem Reisebüro in Altendorf. Am Freitagnachmittag, 27. Februar 2004, wurde in Altendorf SZ die 22-jährige Patricia Wilhelm bei ihrer Arbeit in einem Reisebüro aus kürzester Distanz erschossen.
Der Fall Wilhelm
Nach nur wenigen Wochen im neuen Job übernimmt Patricia Wilhelm die Leitung des Büros, da sich ihre Chefin in die Ferien verabschiedet hatte. An jenem Freitag ist sie alleine im Büro.
Ermittlungen der Kantonspolizei Schwyz zeigen, dass die junge Frau zwischen 15.45 und 16.15 Uhr ermordet wurde. Nur wenige Minuten später entdeckten Kunden die Blutspur und alarmierten die Polizei. Als die Beamten eintrafen, konnten sie nur noch Wilhelms Tod feststellen.
Keine grosse Geldsumme gestohlen
Nach dem Einspieler kommen der zuständige Kripo-Chef Stephan Grieder und Staatsanwalt Paul Schmidig zu Wort und wenden sich an die Zuschauer. Die Behörden hoffen, mit dem Auftritt auch 15 Jahre nach der Tat noch Hinweise zu erhalten. Paul Schmidig sagt: «Wir glauben, es gibt Mitwisser, die damals nicht mit uns gesprochen haben und nun ihr Schweigen brechen möchten.»
Kripo-Chef Grieder spricht von einem noch immer unklaren Motiv. «Wir hoffen, durch die Zuschauer ausserdem Hinweise zu erhalten, die zu einem Motiv führen.» Anfangs dachte man an einen Raubüberfall, doch der Täter musste davon ausgehen, dass es keine grosse Geldsumme im Büro zu holen gab.
«Könnte sich um ein Beziehungsdelikt gehandelt haben»
Auch die Tatzeit am Freitagnachmittag spricht dagegen. Grieder: «Wir gehen davon aus, dass Patricia Wilhelm gezielt mit zwei Schüssen getötet wurde.» Der Ermittler weiter: «Es könnte sich also um ein Beziehungsdelikt gehandelt haben.»
Ein besonderes Rätsel stellen zwei Telefonate von Wilhelm dar. Grieder: «Wir wissen mit Sicherheit, dass sie ihrer Freundin in Australien und ihrer Chefin etwas mitteilen wollte. Wir gehen davon aus, dass es in ihrem Umfeld gewisse Probleme gab.»
Belohnung von 5000 Franken
Auf den Kleidern des Opfers sowie im Büro wurden DNA-Spuren von zwei unterschiedlichen Männern gefunden, doch alle Vergleiche mit den Männern im Umfeld von Wilhelm brachten kein Ergebnis. Zwei DNA-Spuren bedeuten auch, dass möglicherweise zwei Täter am Tod der 22-Jährigen beteiligt waren.
Bei der Tatwaffe handelt es sich um eine Selbstladepistole - eine Waffe, die in den 60er Jahren produziert wurde. Die Patronen waren über 50 Jahre alt. Die Ermittler erhoffen sich auch wegen des Alters der Waffe und der Patronen Hinweise. Seit 2004 ist eine Belohnung von 5000 Franken auf Hinweise ausgesetzt, die zur Verhaftung der Täterschaft führen. Laut Paul Schmidig ist dieser Beschluss noch immer gültig.
Gegen Ende der Sendung wurde bekannt, dass ein Anrufer mitgeteilt hat, dass sich im Jahr 1998 ein Doppelmord in Deutschland ereignete, bei der die identische Waffe und Munition eingesetzt worden seien. Die Ermittler gehen diesem Hinweis nun nach. «Sieht ganz so aus, als hätte sich der Auftritt der Kollegen aus der Schweiz hier bei uns gelohnt», sagte der Moderator dazu.