Tour de Suisse: Grégory Rast äussert sich zu Gino Mäder

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Sportlicher Leiter Rast«Einer unserer Fahrer war gleich hinter Gino Mäder, als es zum Sturz kam»

Grégory Rast ist Sportlicher Leiter des Teams Trek-Segafredo, das an der Tour de Suisse teilnimmt. Der 43-Jährige wusste beim Interview noch nichts von Gino Mäders Tod. 

An dieser Stelle (Sekunde 4) stürzte Gino Mäder. 

SRF

Darum gehts

  • Gino Mäder stürzte am Donnerstag an der Tour de Suisse schwer, am Freitag starb der Schweizer.

  • Grégory Rast, sportlicher Leiter des Teams Trek-Segafredo, äussert sich zum Unfall. 

  • Im Interview erklärt er, dass die Fahrer mit solchen Nachrichten unterschiedlich umgehen. 

Grégory Rast ist Ex-Radprofi und aktuell sportlicher Leiter des Teams Trek-Segafredo, das an der Tour de Suisse teilnimmt. Der Luzerner war Profi von 2003 bis 2018, von 2012 bis 2018 bei Trek-Segafredo. Im Gespräch mit 20 Minuten gab der 43-Jährige nach dem schweren Sturz Gino Mäders Auskunft über seinen Gemütszustand und denjenigen seiner Fahrer. Zum Zeitpunkt des Interviews lagen noch keine Infos über den Zustand Mäders vor, am Freitagmittag folgte die Meldung, dass der Schweizer Radprofi gestorben ist. 

Grégory Rast, was geht in Ihnen selber vor?

Es ist tragisch und es ist ein Unterschied, wenn man jemanden persönlich kennt, es ist dann noch etwas anderes. Und dann ist da das Ungewisse. Alle wollen wissen, wie es ihm geht. Man hört verschiedene Dinge und niemand weiss genau, wie der Stand ist.

Was geht in den Fahrern vor, die heute wieder ran müssen?

Das nimmt jeder ein wenig anders auf, es gib Fahrer, die können das einfacher wegstecken als andere. Ich habe mit ein paar Fahrern telefoniert und unsere gefragt, dann hört man unterschiedliche Dinge. Den Schweizer Fahrern geht es nahe, und seinem eigenen Team natürlich auch. Für die ist es sicher härter.

Haben Fahrer den Sturz mitbekommen oder den Unfallort gesehen?

Einer unserer Fahrer fuhr gleich hinter ihm, als es passierte.

Gino Mäder musste nach seinem Sturz reanimiert werden. 
Die Unfallstelle wurde von der Polizei gesichert, sie sucht Zeugen.
Im Team Trek-Segafredo, mit dem Sportlichen Leiter Grégory Rast, hat ein Fahrer den Sturz mitbekommen. 
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Gino Mäder musste nach seinem Sturz reanimiert werden. 

KEYSTONE

Haben Sie mit ihm das Gespräch geführt? Bekommt er psychologische Unterstützung?

Er ist sehr ruhig. Wir haben ihn gefragt, ob wir etwas tun können. Ein Arzt ist da, aber der ist normalerweise für körperliche Gebrechen da. Die Polizei hat unseren Fahrer auch befragt, das ist nach einem schweren Unfall so üblich. So viel ich weiss, ist unser Fahrer der einzige, der es gesehen hat.

Wie kann er das ausblenden?

Das wissen wir auch nicht. Wir müssen noch mit unseren Fahrern sprechen. Ob die Etappe heute über die Bühne geht, ist auch noch nicht festgelegt (ob die Etappe nach Mäders Tod stattfindet, ist noch unklar, Red.). Die Fahrergewerkschaft hat ein Wort mitzureden. Und die Fahrer natürlich. Ich habe mit einigen telefoniert, denen geht es gar nicht gut.

Zeugenaufruf der Kapo Graubünden

Einen Tag nach dem schweren Sturz von Gino Mäder sucht die Kantonspolizei Grabünden Zeugen des Unfalls. «Zusammen mit der Staatsanwaltschaft hat die Kantonspolizei Graubünden die Ermittlungen zum Unfallhergang aufgenommen und sucht Zeugen. Insbesondere werden Personen gesucht, die den Unfall beobachten oder sogar filmen konnten», heisst es in einer Mitteilung.

Die Tour de Suisse wird trotz Todesfall fortgeführt, die Etappe am Freitag wird verkürzt geführt, es werden nur die letzten 30 Kilometer bis Oberwil-Lieli gefahren. Es wird eine Trauerfahrt in Gedenken an den Schweizer Radprofi geben. (hua)

Wie haben Sie das früher verarbeitet?

Das ging mir da schon sehr nahe, in meiner Zeit sind drei bis vier Fahrer in Rennen gestorben. Man stand mit ihnen an der Startlinie, bekommt nichts mit und nach dem Rennen hörst du, er ist gestorben. Alles wird dann sehr, sehr relativ. Nach so einem Tag sind die Fahrer auf dem Boden, haben möglicherweise Minuten auf den Sieger verloren, sind aber dafür gesund im Ziel angekommen – nur das zählt. 

Trauerst du oder trauert jemand, den du kennst?

Hier findest du Hilfe:

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirchen

Muslimische Seelsorge, Tel. 043 205 21 29

Jüdische Fürsorge, info@vsjf.ch

Lifewith.ch, für betroffene Geschwister

Verein Regenbogen Schweiz, Hilfe für trauernde Familien

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Pro Senectute, Beratung älterer Menschen in schwierigen Lebenssituationen

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