Brandopfer (18)«Trotz meiner Narben fühle ich mich schön»
Mafalda Da Silva hat seit einem Gasbrand Narben. Bilder von der 18-Jährigen und anderen Kindern mit speziellen Hautmerkmalen sind derzeit im Careum zu sehen.
Sie sind bis zu zwei Meter hoch – die Fotos von Mafalda Da Silva: «Ich bin beeindruckt. Hätte nicht gedacht, dass sie so gross werden.» Die 18-Jährige aus Kloten ZH ist kein Model. Sie liess sich für die Ausstellung «Schaut uns ruhig an» des Kinderspitals Zürich fotografieren. Noch bis am 23. September sind Bilder von ihr und von anderen Kindern mit besonderen Hautmerkmalen im Careum Auditorium in Zürich zu sehen.
Da Silvas Gesicht und ihr ganzer Körper sind von Narben übersät. Sie sind Zeugen eines Gasbrandes vor über zehn Jahren. Die damals 7-Jährige machte mit ihrer Familie Ferien in Portugal, als im Haus Leitungen explodierten. «Mein 8-jähriger Bruder rettete mich vor den Flammen ins Nachbarhaus – ich sah, wie sich die Haut von meinem Körper löste.»
«Die Kinder nannten mich verbranntes Huhn»
Verbrennungen erlitten auch ihr Bruder, ihr Vater und ihre Tante. Am schwersten traf es jedoch sie und ihren zweijährigen Cousin: «Die Ärzte gaben uns wenig Chancen.» Doch alle überlebten nach monatelangen Spital- und Rehaaufenthalten in Portugal und Zürich. Während ihrer ganzen Kindheit sollten viele weitere folgen: «In den Schulferien musste ich immer wieder ins Kinderspital für Hauttransplantationen oder andere Eingriffe.»
Während sie in der Primarschule noch gut von ihren Gspändli akzeptiert wurde, fingen die Probleme im Alter von zwölf Jahren an. «Meine Eltern trennten sich, wir zogen von einem Dorf in die Stadt Zürich.» Dort sei sie während drei Jahren wegen ihres Aussehen stark gemobbt worden: «Die Kinder nannten mich verbranntes Huhn.»
«Immer mehr Selbstvertrauen»
Hinzu kam, dass sie wegen den Medikamenten stark zugenommen hatte: «Ich fühlte mich unendlich hässlich. Ständig heulte ich und hatte Selbstmordgedanken.» Eine Psychologin half ihr aus der Krise: «Mit der Zeit gewann ich immer mehr Selbstvertrauen. Mittlerweile fühle ich mich sehr schön.»
Und sie gewann viele neue Freundinnen: «Wir sind von der Stadt wieder in ein Dorf gezogen. Dort haben sie mich in der Schule so akzeptiert wie ich bin.» Oft kann Da Silva ihren Kolleginnen helfen: «Etwa, wenn sie sich über einen Pickel ärgern.»
«Ich lächle die Leute einfach an»
Deshalb musste sich Da Silva nicht zweimal überlegen, als sie für die Ausstellung im Kispi angefragt wurde. Sie will damit nicht nur Betroffenen, sondern auch Aussenstehenden Mut machen. «Ich finde, dass die Leute uns ruhig ansprechen dürfen.» Da Silva fallen mittlerweile die Blicke auf der Strasse gar nicht mehr auf. «Wenn die Leute allzu sehr starren, dann lächle ich sie einfach an.»
Auch wenn sie heute irgendwo neu hinkommt, erzählt sie sofort ihre Geschichte: «So entsteht kein Geschwätz.» Dazu hatte sie in den letzten Wochen reichlich Gelegenheit, denn sie hat eine Lehre als Assistentin Gesundheit- und Soziales in einer Demenzstation angefangen.
«Menschen zu helfen, macht mich glücklich», sagt die 18-Jährige, die in ihrer Freizeit gerne ins Fitness und in den Ausgang geht. «Nach einer dreijährigen Beziehung geniesse ich mein Single-Leben in vollen Zügen», sagt sie.