Selenskis dramatischer Appell - Ukrainischer Präsident ruft vergeblich bei Putin an

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Selenskis dramatischer AppellUkrainischer Präsident ruft vergeblich bei Putin an

Kurz vor dem Befehl von Wladimir Putin, Truppen in die Ukraine zu schicken, hat sich Wolodimir Selenski in einer Ansprache an die Bürger seines Nachbarlandes gewandt.

14. Dezember Blick auf einen neu ausgehobenen Graben für ukrainische Soldaten nahe der weissrussischen Grenze in der Sperrzone von Tschernobyl.
4. Dezember Plakatwände in Sankt Petersburg, auf denen mit «Join yours» für die Vertragsarmee geworben wird.
30. November In Kiew wird die Weihnachtsbeleuchtung montiert.
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14. Dezember Blick auf einen neu ausgehobenen Graben für ukrainische Soldaten nahe der weissrussischen Grenze in der Sperrzone von Tschernobyl.

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Darum gehts

Kurz vor einer erwarteten russischen Invasion in die Ukraine hat sich Präsident Wolodimir Selenski in Kiew in einem dramatischen Appell an die Bürger des Nachbarlandes gewandt. «Dieser Schritt kann der Beginn eines grossen Krieges auf dem europäischen Kontinent werden», warnte er in einer in der Nacht zum Donnerstag veröffentlichten Videobotschaft. «Wollen die Russen Krieg? Die Antwort hängt nur von Ihnen ab, den Bürgern der Russischen Föderation!», sagte der 44-Jährige auf Russisch. Er habe auch versucht, mit Kremlchef Wladimir Putin zu telefonieren: «Das Ergebnis: Schweigen.»

Entlang der über 2000 Kilometer langen Grenze stünden fast 200’000 russische Soldaten mit schwerer Technik zum Einmarsch bereit, sagte Selenski weiter. Er sei bereit zu Verhandlungen mit Russland in jedem beliebigen Format und an jedem Ort, um Fragen der Sicherheit und der Garantie von Frieden zu erörtern. «Die Sicherheit der Ukraine ist verbunden mit der Sicherheit ihrer Nachbarn. Deshalb müssen wir heute über die Sicherheit in ganz Europa sprechen.» Sein Ziel sei der Frieden in der Ukraine und die Sicherheit der Bürger. «Dafür sind wir bereit, mit allen und auch mit ihnen zu reden.»

«Was soll ich bombardieren»

Zudem wies er erneut Moskaus Vorwürfe zurück, dass Kiew einen Angriff auf die Separatistengebiete in der Ostukraine vorbereite. «Was soll ich bombardieren? Donezk, wo ich Dutzende Male war?», fragte Selenski. Die reale Ukraine unterscheide sich komplett von dem in den russischen Nachrichten dargestellten Land. Die Ukrainer würden ihr Land nicht kampflos hergeben: «Wenn Ihr angreift, dann werdet Ihr unsere Gesichter sehen, nicht unsere Rücken!»

Seit 2014 kämpfen in den ostukrainischen Gebieten Luhansk und Donezk Regierungstruppen gegen von Moskau unterstützte Rebellen. Nach der staatlichen Anerkennung der «Volksrepubliken» durch den Kreml ersuchten diese um militärische Hilfe von Russland. Ein Einmarsch russischer Truppen gilt als sehr wahrscheinlich. UNO-Schätzungen zufolge wurden in dem Konflikt bereits über 14’000 Menschen getötet. 

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(DPA/chk)

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