Social Egg Freezing: kommt der US-Trend auch in die Schweiz?

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Social Egg FreezingUS-Trend erreicht Schweiz – Firma zahlt Gabriela (34) das Einfrieren der Eizellen

Gabriela (34) wünscht sich später ein Kind, die Firma zahlt für die medizinischen Kosten 10’000 Franken. In den USA beteiligt sich jede fünfte grosse Firma.

Gabriela erzählt, wieso sie Eizellen hat einfrieren lassen.

20 Minuten

Social Egg Freezing: darum gehts

  • 10’000 Franken fürs Einfrieren der Eizellen.

  • Das zahlt eine Firma ihrer Angestellten.

  • Laut einer Studie kommt das nicht überall gut an.

Gabriela (34) hat sich ihre Eizellen einfrieren lassen – nicht aus medizinischen Gründen, sondern weil sie noch etwas Zeit brauche. So könne sie auch später noch ein Kind kriegen, sagt Gabriela zu 20 Minuten.

Die Krankenkasse zahlte nicht fürs Social Egg Freezing (siehe Box). Dafür beteiligte sich Gabrielas Arbeitgeber Salesforce mit rund 10’000 Franken. Laut der IT-Firma aus den USA gehört die finanzielle Unterstützung zu den Angeboten, um die Mitarbeitenden zu fördern und sich bestmöglich bei der Arbeit entfalten zu können.

Eizellen einfrieren lassen aus nicht medizinischen Gründen ist ein Trend aus den USA, der auch am Unispital Zürich gefragt ist.
Auch Gabriela (34) liess sich ihre Eizellen einfrieren, weil sie noch etwas Zeit brauche fürs Kind.
Ihr Arbeitgeber Salesforce bezahlt die Kosten dafür.
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Eizellen einfrieren lassen aus nicht medizinischen Gründen ist ein Trend aus den USA, der auch am Unispital Zürich gefragt ist.

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Das ist Egg Freezing

Das Einfrieren der Eizellen verlängert die Fruchtbarkeit der Frau und ermöglicht eine Schwangerschaft im hohen Alter. Mittels einer Hormontherapie findet eine Stimulationsphase statt, in der die Eizellproduktion unter Einsatz spezifischer Medikamente angeregt wird. Das Ziel der Stimulationsphase ist die Gewinnung möglichst vieler Eizellen für die Einfrierung und Konservierung. Innert zehn Jahren kann die Eizelle aufgetaut, künstlich befruchtet und der Frau wieder implantiert werden.

Das Ziel der Firma sei es, Programme zu schaffen, die es den Mitarbeitenden ermöglichen, sich bei der Arbeit bestmöglich zu entfalten. Wenn sich die Mitarbeitenden in jeder Lebenssituation verstanden und unterstützt fühlen, sei es am Ende auch gut für das Unternehmen, heisst es auf Anfrage.

Ein Fünftel der grossen US-Firmen beteiligt sich

Entnahme der Eizellen, Hormonbehandlung, Lagerung und künstliche Befruchtung: Alles zusammen kostet in den USA bis zu 25’000 US-Dollar. In der Schweiz kostet Social Egg Freezing bis zu 10’000 Franken plus jährlich mehrere Hundert Franken für die Lagerung. Etwa ein Fünftel der grossen US-Firmen beteiligt sich im Kampf um Talente an diesen Kosten oder übernimmt sie ganz, wie «Forbes» schreibt.

Laut einer Studie kommt das aber nicht überall gut an. Manche Angestellte befürchten, dass die Firma von ihnen erwartet, das Privatleben für die Arbeit zu opfern. Schliesslich seien sie dazu ermutigt, ihre Eizellen einzufrieren und so länger arbeiten zu können, ohne durch Schwangerschaft und Kindererziehung belastet zu sein.

In der Schweiz steigt die Nachfrage für eine Eizellreserve aus nicht medizinischen Gründen auch am Universitätsspital Zürich, wie es im «Swiss Medical Forum» heisst. Doch hierzulande sind Firmen wie Salesforce noch die Ausnahme. Google und Facebook beispielsweise beteiligen sich in der Schweiz nicht an den Kosten.

Verständnis für Kinderwunsch

Mischa Schneider, zuständiger Arzt bei Kinderwunsch Baden, ist kein solcher Fall bekannt. «Von den Patientinnen, die bisher bei mir waren, hat noch keine Firma die Kosten übernommen, auch nicht bei Frauen, die bei amerikanischen Firmen in der Schweiz arbeiten», so Schneider.

Eine anonyme Umfrage habe auch gezeigt, dass Geld nicht das Problem sei. «Nur etwa fünf Prozent der Frauen erwarten, dass sie es nicht selber bezahlen müssen. Die meisten wünschen sich nur Verständnis vom Arbeitgeber, dass sie während Beratungen und Behandlungen abwesend sein könnten. Ausserdem möchten sie ungehemmt über den Kinderwunsch sprechen können, ohne Angst, dass sie der Arbeitgeber dann loswerden will», sagt Schneider.

Elisabeth Ehrensperger, Ethikerin und Geschäftsführerin von TA-SWISS, Stiftung für Technologiefolgen-Abschätzung, findet es ethisch schwierig, wenn Firmen Gefallen daran finden, Einfluss auf die Fortpflanzung zu nehmen, wie sie zu 20 Minuten sagt. Junge Frauen verzichteten so auf ihre Schwangerschaft im geburtsfähigen Alter, um beruflich Karriere zu machen.

Ehrensperger sagt: «Es ist verlogen von Firmen, jungen Müttern ein Social Egg Freezing zu bezahlen, anstatt ihnen die Möglichkeit zu bieten, Karriere und Familienplanung miteinander zu vereinen.»

Eine solche Unterstützung des Arbeitgebers finde ich …

Der US-Trend werde in der Schweiz wohl nicht so gross, sagt auch Michael Hermann, Consultant und Co-Owner von Great Place To Work, zu 20 Minuten. Ausser Salesforce sei ihm keine Firma in der Schweiz bekannt, die eine solche Unterstützung anbiete.

«Frauen zu ermöglichen, den Kinderwunsch auch später noch zu erfüllen, ist zwar gut gemeint, doch in Europa geht es eher darum, dass sich Kind und Karriere nicht ausschliessen», so Hermann. Deshalb sei etwa Schweden ein Vorbild, wo man auch mit 80-Prozent-Pensum Karriere machen kann und es im Arbeitsleben völlig normal sei, dass auch ein Mann für kranke Kinder ein Meeting absagt.

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