Verwechslung im AllVermeintlicher Asteroid entpuppt sich als Tesla
17 Stunden dachten Astronominnen und Astronomen einen neuen Asteroiden entdeckt zu haben. Doch dann kam heraus: Es handelt sich um Weltraumschrott made by Elon Musk.
Darum gehts
Anfang Januar glaubten Astronominnen und Astronomen, einen neuen Asteroiden entdeckt zu haben.
Nach 17 Stunden stellte sich heraus: Es ist Musks Tesla Roadster, der seit 2018 durchs All schwebt.
Das Auto wurde damals mit einer Falcon-Heavy-Rakete ins All geschossen.
Solche Verwechslungen passieren immer wieder, weil Weltraumschrott oft für Asteroiden gehalten wird.
Fachleute warnen: Ohne bessere Überwachung könnte dies zu kostspieligen Fehlern führen.
Aus Freude wurde schnell Scham: Anfang Januar hatte das Minor Planet Center (MPC) der Internationalen Astronomischen Union seiner Liste erdnaher Asteroiden ein neues Objekt mit der Bezeichnung 2018 CN41 hinzugefügt. Doch nur 17 Stunden veröffentlichten die Verantwortlichen eine Korrektur: Man habe festgestellt, «dass die Umlaufbahn mit einem künstlichen Objekt übereinstimmt».
Was war der Asteroid in Wahrheit?
Die Umlaufbahn passe zu der von 2018-017A, die als Falcon-Heavy-Oberstufe mit dem Tesla Roadster bekannt ist, heisst es in der Löschungsmitteilung. Der vermeintliche neue Asteroid ist damit nichts anderes als ein altes Auto, ins All geschossen von Tesla-Boss Elon Musk. «Die Bezeichnung 2018 CN41 wird gestrichen», schliesst das MPC.
Musks Tesla schwebt seit sieben Jahren im All
Der rote Tesla Roadster wurde am 6. Februar 2018 als Testnutzlast für den Jungfernstart der Falcon-Heavy-Rakete von SpaceX ins All geschossen. Am Steuer sitzt eine Schaufensterpuppe namens «Starman», die angeblich ununterbrochen den David-Bowie-Song «Space Oddity» hört.
Auf dem Armaturenbrett ist ein Schild angebracht mit der Aufschrift «keine Panik», was eine Anspielung auf die Science-Fiction-Story «Per Anhalter durch die Galaxis» ist. Pläne, das Auto wieder zurück auf die Erde zu holen, gibt es nicht. In welchem Zustand das Auto ist, ist unklar. Auch seine genaue Position war bisher unklar. Einen Tracker gibt es nicht.
Wie kann man einen Asteroiden mit einem Auto verwechseln?
Die Verwechslung geht laut Livescience.com auf namentlich nicht genannte Amateurastronominnen und -astronomen aus der Türkei zurück, die das Objekt «anhand von über mehrere Jahre öffentlich verfügbarer Daten identifiziert haben». Wie genau der Fehler passieren konnte, ist unklar. Es ist aber davon auszugehen, dass der Tesla mittlerweile anders aussehen dürfte als zu Beginn seiner Reise. Schliesslich ist er seit mehreren Jahren intensiven Sonnenstrahlen ausgesetzt und dürfte vom ein oder anderen Weltraumgestein getroffen worden sein.
So begann im Februar 2018 das Weltraumabenteuer des Tesla.
Wie fandest du die PR-Aktion damals?
Ist so etwas schon einmal passiert?
Ja. Das MPC hat in den letzten zwei Jahrzehnten eine Reihe von Raumfahrzeugen vorübergehend als Weltraumgestein eingestuft – darunter die Raumsonde Rosetta der Europäischen Weltraumorganisation ESA, die Nasa-Raumsonde Lucy, die europäisch-japanische Mission Bepicolombo und andere – sowie Raketenbooster und andere Trümmer, wie Astronomy.com berichtet.
«Im schlimmsten Fall gibt man eine Milliarde Dollar aus, um eine Raumsonde zu starten, die einen Asteroiden untersuchen soll, und merkt erst, wenn man vor Ort ist, dass es kein Asteroid ist.»
Was kann man aus den Verwechslungen lernen?
Der Fauxpas macht auf ein wachsendes Problem im All aufmerksam: Immer mehr von Menschenhand geschaffene Objekte enden als Weltraumschrott – auch ausserhalb der Erdumlaufbahn. Daraus resultierende Fehlidentifikationen könnten zu mehr Fehlalarmen führen, was wiederum kostspielige Fehler nach sich ziehen könnte, so Jonathan McDowell, Astronom am Harvard and Smithsonian Center for Astrophysics, zu Astronomy.com. «Im schlimmsten Fall gibt man eine Milliarde Dollar aus, um eine Raumsonde zu starten, die einen Asteroiden untersuchen soll, und merkt erst, wenn man vor Ort ist, dass es kein Asteroid ist.»
Gerade erst kam es infolge von Weltraumschrott zu einem Lichtspektakel am Himmel: Ein Starlink-Satellit verglühte über den USA.
20min/Jan DerrerDerzeit gibt es keine internationalen Vorschriften, die Raumfahrtunternehmen verpflichten, Objekte zu verfolgen, die über die Erdumlaufbahn hinausgehen. Während Satelliten und Raketenstufen um die Erde genau registriert werden, fehlt diese Transparenz im weiteren Weltraum. Eine solche wäre von «wesentlicher Bedeutung, um die Wahrnehmung der Weltraumlage zu verbessern, Störungen zwischen Missionen zu verringern [und] Störungen bei der Beobachtung natürlicher Objekte zu vermeiden», warnten Mitglieder der American Astronomical Society in einer Erklärung aus dem Jahr 2024.
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