
Zweifel am Aussehen während der Videositzung? Dann bist du vom sogenannten Zoom Face betroffen.
Pexels/Polina ZimmermanBeauty-Docs bestätigenVideocalls sorgen für mehr Schönheitseingriffe
Im Home Office ist der Look egal? Von wegen! Virtuelle Meetings lassen die Nachfrage nach Beauty-Eingriffen in der Schweiz ansteigen. Eine Ärztin und ein Arzt für plastische Chirurgie geben einen Einblick.
Ein Drittel der Erwachsenen haben während der unzähligen Videocalls in der Pandemie Zweifel an ihrem äusseren Erscheinungsbild entwickelt. Das fand eine Studie der Swinburne University in Melbourne heraus. Einer der Gründe dürften die etwa 40 Prozent der Gesprächszeit sein, in denen man das eigene Bild im Screen anschaut, statt das Gegenüber.
Das weiss auch Dr. med. Inja Allemann, Fachärztin für plastische, rekonstruktive und ästhetische Chirurgie, Dermatologie und Venerologie und Inhaberin der Zürcher Praxis Rivr: «Ich sehe müde, ernst oder streng aus. Man sagt mir häufig, dass ich böse aussehe – solche Aussagen haben in meiner Praxis während der Pandemie und im Zeitalter ständiger Videokonferenzen enorm zugenommen.» Die Expertin gibt zu bedenken, dass wir uns noch nie zuvor so lange und häufig angeschaut haben. Plötzlich fallen Dinge auf, über die man vorher nie nachgedacht hat.

Links: Dr. med. Inja Allemann. Rechts: Dr. med. Omar Haroon. Die Expertin und der Experte spüren, dass das Zoom Face auch in der Schweiz angekommen ist.
Rivr/Dr. med. Univ. Omar HaroonDas Zoom Face macht die Runde
Dr. med. Omar Haroon ist Partner in der Zürcher Praxis am Zeltweg und spezialisiert auf Behandlungen im Gesicht. Er macht ähnliche Beobachtungen: «Viele meiner Patientinnen und Patienten berichten, dass ihnen die Zornesfalte, Augenringe oder Schlupflider erst in der Kamera überhaupt aufgefallen sind. Seit dem ersten Lockdown haben ästhetische Eingriffe im Gesicht um rund zehn Prozent zugenommen.» Und natürlich hat dieses neu erworbene, übertriebene Bewusstsein für jeden noch so kleinen vermeintlichen Makel im Gesicht bereits einen Namen: das Zoom Face.

Die Zornesfalte ist vielen Zoom-Face-Geplagten ein Dorn im Auge
Pexels/CottonbroZornesfalte und Lidkorrektur sind die Spitzenreiter
Und jetzt? Soll es nach Möglichkeit bekämpft werden. «Es geht dabei vor allem um Faltenunterspritzungen und, ganz stark nachgefragt, Lidkorrekturen», so Dr. Haroon. Die Zornesfalte ist auch bei Dr. Allemann einer der Nummer eins Kandidaten: «Der böse Blick soll weg, das ist ein häufiger Wunsch. Dazu kommen müde Augen, gegen die man etwas tun möchte: Schlupflider und Tränensäcke stören Männer wie Frauen gleichermassen. Da lassen viele etwas machen.»
Wichtig ist dabei der Wunsch nach natürlichen Ergebnissen. Dr. Inja Allemann sagt: «Wer zu mir kommt, will wach und frisch aussehen, nicht gemacht. Im besten Fall strahlt man, ohne dass andere mit dem Finger darauf zeigen können, warum.» Auch Dr. Haroon verfolgt den möglichst natürlichen Stil: «Ich habe schon potenzielle Patientinnen und Patienten wieder weggeschickt, die auf der Suche nach unnatürlichen Ergebnissen waren.»
Das Klientel wird jünger
Daher muss es auch nicht immer gleich die Botoxspritze oder gar ein Lifting sein. «Jemand, der mit 30 zu uns kommt, lässt sich gern beraten und beginnt vielleicht mit einem Mirconeedling oder einer sanften Laserbehandlung zur Hautverjüngung. Wir schauen gemeinsam, welcher Weg am meisten Sinn macht», so Dr. Inja Allemann. Ein Grund zur Sorge? «Aus meiner Sicht ist die Entwicklung keine schlechte. Man altert ganz anders und kann besser und schonender vorgehen als bei jemandem, der mit 60 zu uns kommt.»
Was es jetzt noch zu bedenken gibt: Ist der frisch entdeckte, vermeintliche Makel wirklich einer, der so stört, dass er weichen muss? Wer sich dafür entscheidet, tut gut daran, sich zunächst professionell beraten und aufklären zu lassen.
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