Im Basler Grossen RatDiese Frauen wollen die Redezeit von Männern beschränken
Im Basler Grossen Rat sollen sich die Männer kurz halten. Das verlangt ein linker Vorstoss für einen «gendergerechten Redeanteil». Auf Twitter reagieren just einige jener männlichen Ratsmitglieder empört, die davon wohl am stärksten betroffen wären.
«Unsäglicher Chabis», schimpft Joël Thüring. Der Basler SVP-Grossrat gehört bestimmt nicht zu jenen Ratsmitgliedern, die aufs Maul hocken. Auf wie viel Redezeit Thüring im Basler Kantonsparlament kommt, wurde bis jetzt nicht erfasst, ein Platz im vordersten Teil eines noch zu erstellenden Rankings wäre ihm aber gewiss. Geht es nach den Grossrätinnen Michela Seggiani (SP) und Tonja Zürcher (Basta) müsste Thüring künftig öfter aufs Maul hocken.
Sie verlangen in einem Anzug ans Ratsbüro, den sie am Mittwoch einreichten, dass «Massnahmen zur Erreichung geschlechtergerechter Anteile an Wortmeldungen und Redezeit ergriffen werden können». Die Autorinnen begründen das mit der Auszählung der Voten dreier zufällig ausgewählter Sitzungen im laufenden Jahr.
Diese zeigte: Männer reden nicht nur häufiger, als sie ohnehin schon vertreten sind, sondern auch noch viel länger. Bei einer Redezeitmessung während dreier Stunden am 11. November beanspruchten sie 80 Prozent der Redezeit. Sie haben auch eine Erklärung dafür, warum das so ist: «Während Frauen auf ein Votum verzichten, wenn schon alles gesagt wurde, tendieren Männer dazu, sich selber einbringen zu wollen.»
Wenig überraschend fühlen sich einige männliche Ratsmitglieder nun angegriffen. Auf Twitter folgten die empörten Reaktionen prompt.
Es gibt allerdings auch Herren, die den Vorstoss unterstützen, wie der Basler Juso-Präsident Nino Russano.
Noch ist allerdings nichts entschieden. Zunächst solle das Ratsbüro prüfen, ob eine Redezeitstatistik zu jeder Grossratssitzung erstellt werden kann. Ratsbüro-Mitglied Joël Thüring machte bereits seine «Freude» darüber publik, den Anzug nicht entgegennehmen zu wollen.
Egal wie es ausgeht, der gewiefte FDP-Grossrat David Jenny, von Beruf Anwalt, hat bereits ein Schlupfloch gefunden, wie er trotzdem zu unbegrenzter Redezeit kommt. Der Winkeladvokat will sich die falsche Anrede eines Schreibens aus dem Basler Präsidialdepartement zunutze machen. Ob das funktioniert, wird sich dann noch zeigen.