«Der Magier von Hiva Oa»Wäre René Benko besser auf eine exotische Insel geflüchtet?
In Matthias Ackerets Roman «Der Magier von Hiva Oa» stellt sich der gefallene Immobilien-Tycoon Remo Blanko den Trümmern seines einstigen Imperiums. Inspiration dazu gab René Benko, dessen Läuterung noch auf sich warten lässt.
Benko: Darum gehts
René Benko, der gefallene österreichische Immobilien-Milliardär, befindet sich zurzeit in Untersuchungshaft.
In Matthias Ackerets Roman «Der Magier von Hiva Oa» flüchtet der fiktive Remo Blanko auf eine abgelegene Insel.
Die Geschichte ist inspiriert von Benkos realen Herausforderungen und seiner möglichen Läuterung.
Ackeret plant gar, Benko ein Exemplar seines Romans in dessen Gefängniszelle zu schicken.
Die Geschichte des «Magiers von Hiva Oa» ist so nah – und doch so fern. Während der in der Wiener High Society einst als «Wunderwuzzi» bezeichnete Immobilien-Händler Remo Blanko zunächst in der Zürcher Kronenhalle diniert und im Dolder nächtigt, verschiebt sich die Handlung bald nach Hiva Oa, einer abgelegenen Insel in Französisch-Polynesien. 14'834 Kilometer vom Dolder entfernt.
«Ja, die Insel gibts wirklich», erklärt Autor Matthias Ackeret im Gespräch mit 20 Minuten, dessen Reise in den Pazifik allerdings noch ausstehe. Dass die anfänglich stark an die Biografie von René Benko angelehnte Handlung ausgerechnet auf die Lieblingsinsel der europäischen Jahrhundert-Künstler Paul Gaugin und Jacques Brel fällt, war für Ackeret eine Frage der Zeit: «Ich habe schon oft von der Insel gehört, kenne Bekannte, die da waren – sie ist halt wirklich am Ende der Welt.»

Der Buchumschlag von «Der Magier von Hiva Oa».
Alberto VenzagoLäuterung am Ende der Welt
Dorthin flüchtet Ackerets Benko – Remo Blanko – als sich die Schlinge des gefallenen Immobilienimperiums in Zürich, New York und Hamburg immer enger zuzieht und Blanko seinem Erzwidersacher, dem Fotografen Augusto Venzini, nach Hiva Oa folgt, um dort mit ihm abzurechnen. Schliesslich ist dieser Schuld am Zusammenbruch von Blankos Imperium. Venzini, dessen Figur Ackerets Freund Alberto Venzago gewidmet ist, wird zwar gefunden. Doch anstatt der grossen Abrechnung, der grossen Schuldzuweisung, folgt so etwas wie eine Läuterung.
Ackeret, Verleger des Branchenmagazins «Persönlich»: «Es ist schon gewissermassen eine Läuterung, es passiert halt was mit ihm, er reflektiert, er sieht Dinge ein, er erkennt.» Am Ende der Welt ganz unten ankommen, verdauen, neu anfangen, sich rehabilitieren. Auch ein Modell für Benko? «Vielleicht», sagt Ackeret und verweist auf den «fast schon prophetischen» Charakter des Buches: Der wirkliche Benko lässt sich – wie im Roman vorweggenommen – scheiden und macht, zumindest laut «Kronen Zeitung», in Untersuchungshaft am liebsten Yoga. Ackeret: «Wie mein Remo Blanko im Hotel Dolder Grand.»
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«Habe René Benko ein Exemplar geschickt»
Es drängt sich die Frage auf: Wäre Benko nicht besser auch ans Ende der Welt geflüchtet? «Klar, dann wäre er wohl heute nicht in U-Haft, oder?», entgegnet Ackeret. Ob es für Benko – ähnlich wie für Blanko – nach dem Grössenwahn und der Verblendung eine Möglichkeit zur Rehabilitation gibt, sei schwierig zu sagen. «Ich habe Benko ein Exemplar ins Gefängnis geschickt», so der 61-Jährige, «doch es wurde dort nicht angenommen und kam ungeöffnet zurück.» Er habe inzwischen seinen Anwalt kontaktiert, um ihm seinen Roman zustellen zu können.
Der schnelle («ich bin auch ein Schnellschreiber») und wortwitzige Roman von Matthias Ackeret ist vergangene Woche bereits in seiner zweiten Auflage erschienen. Am Donnerstag, 20. März liest Ackeret daraus im illustren Hotel Krone in Regensberg ZH (19 Uhr, Anmeldungen an diese E-Mail). Etwas näher als Hiva Oa, immerhin.
Matthias Ackeret: Der Magier von Hiva Oa. Münster-Verlag, Zürich 2024. 150 S., Fr. 23.90.
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