Parlamentswahl in Grönland: Alle Parteien für Unabhängigkeit

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Wahlen GrönlandParteien wollen Unabhängigkeit – Trump und Dänemark mischen mit

Grönland wählt ein neues Parlament. Das Land steht aktuell im Fokus der USA – im Land selbst werden die Rufe nach Unabhängigkeit von Dänemark immer lauter. Eine neue Regierung könnte einen Wandel bringen. Das musst du dazu wissen.

Kandidaten aus sechs Parteien stellen sich am 11. März zur Wahl für das neue Parlament – unter anderem aus der sozialdemokratische Partei «Siumut».
Grönland ist aktuell Teil des Königreichs Dänemark – im Wahlkampf haben sich aber alle Parteien für die Unabhängigkeit von Dänemark ausgesprochen.
In einer Rede sagte US-Präsident Donald Trump, dass er Grönland für die nationale Sicherheit brauche und es so oder so bekomme.
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Kandidaten aus sechs Parteien stellen sich am 11. März zur Wahl für das neue Parlament – unter anderem aus der sozialdemokratische Partei «Siumut».

AFP

Darum gehts

  • Am 11. März finden in Grönland Parlamentswahlen statt.

  • Kandidaten aus sechs Parteien stellen sich zur Wahl.

  • Aktuell gehört Grönland zu Dänemark – im Wahlkampf sprachen sich jedoch alle Parteien für die Unabhängigkeit Grönlands aus.

  • US-Präsident Trump sieht Grönland als strategisch wichtig und will es selbst für die nationale Sicherheit.

  • Ein Regierungswechsel könnte die Beziehungen zu Dänemark und den USA beeinflussen.

Am 11. März wählt Grönland ein neues Parlament. Wie das funktioniert, welche Auswirkungen das hat und was die USA und Dänemark damit zu tun haben, erfährst du hier.

Wie funktioniert das Parlament in Grönland?

Das Grönländische Parlament, auch Inatsisartut, besteht aus 31 Abgeordneten. Zusammen mit dem Regierungschef und den Ministern bilden sie die Exekutivgewalt des Landes – das sogenannte Naalakkersuisut. Gesprochen wird in Grönland übrigens Grönländisch, offiziell Kalaallisut genannt.

In der Hauptstadt Nuuk tagt das Grönländische Parlament, auch Inatsisartut, besteht aus 31 Abgeordneten.

In der Hauptstadt Nuuk tagt das Grönländische Parlament, auch Inatsisartut, besteht aus 31 Abgeordneten.

Steffen Trumpf/dpa

Wie funktioniert die Wahl?

Wählen darf jeder dänische Staatsbürger nach Erreichen des 18. Lebensjahres, sofern er in den sechs Monaten vor der Wahl dauerhaft in Grönland gewohnt hat. Das Parlament wird für vier Jahre gewählt.

Wer tritt zur Wahl an?

Die fünf jetzigen Parteien treten auch dieses Mal wieder an. Zusätzlich stellen sich auch neue Parteien zur Wahl.

  • Inuit Ataqatigiit, «Gemeinschaft der Inuit»
    Elf Sitze, Regierungspartei: eine demokratisch-sozialistische Partei, die sich für soziale Gerechtigkeit, Umweltthemen sowie eine schrittweise Ablösung von Dänemark stark macht.

  • Siumut, «Vorwärts»
    Zehn Sitze, Regierungspartei: eine sozialdemokratische Partei, die sich für die volle Selbstbestimmung, sofern dies wirtschaftlich möglich ist, und soziale Gerechtigkeit einsetzt.

  • Naleraq, «Peilmarke»
    Fünf Sitze, Opposition: eine zentristische Partei, die eine schnelle Loslösung von Dänemark fordert und den Einfluss ausländischer Interessenten auf die grönländischen Rohstoffe ablehnt.

  • Demokraatit, «Demokraten»
    Drei Sitze, Opposition: eine Zentrumspartei, die sich für die Unabhängigkeit von Dänemark einsetzt.

  • Atassut, «Gemeinsinn»
    Zwei Sitze, Opposition: eine konservative Partei, die sich für den Verbund zwischen Grönland und Dänemark sowie die militärische Präsenz der USA in Grönland ausspricht.

  • Qulleq, «Specklampe»
    Derzeit nicht im Parlament: eine separatistische Partei, die sich für die grönländische Identität und ihre Unabhängigkeit einsetzt.

Die sozialdemokratische Partei «Siumut» hat derzeit zehn Sitze im Parlament.

Die sozialdemokratische Partei «Siumut» hat derzeit zehn Sitze im Parlament.

AFP

Welche Rolle spielt Dänemark?

Bis 1953 war Grönland eine dänische Kolonie. Auch heute ist Grönland noch Teil des Königreichs Dänemark. Der Premierminister von Grönland, Múte Egede, hat sich nun aber für die Unabhängigkeit Grönlands ausgesprochen: «Die Geschichte und die aktuellen Bedingungen haben gezeigt, dass unsere Zusammenarbeit mit dem Königreich Dänemark nicht zu einer vollständigen Gleichberechtigung geführt hat. Es ist an der Zeit, dass wir selbst einen Schritt unternehmen und unsere Zukunft gestalten.»

«Grönland gehört uns», betont der Premierminister von Grönland, Múte Egede.

«Grönland gehört uns», betont der Premierminister von Grönland, Múte Egede.

AFP

Das Land könnte sich auch selbst für unabhängig erklären. In der Gesetzgebung, die 2009 von Dänemark und Grönland erlassen wurde, werden die Grönländerinnen und Grönländer als ein Volk anerkannt. Dazu gehört das Recht auf Selbstbestimmung. Über eine Loslösung von Dänemark müsse aber die grönländische Bevölkerung entscheiden.

Welche Rolle spielen die USA?

Grönland steht aktuell im Fokus von US-Präsident Donald Trump. Das Land ist für ihn zum einen von strategischer Bedeutung – zum anderen gibt es in Grönland wertvolle Rohstoffe wie Öl, Gold oder Uran.

«Wir brauchen Grönland für die Sicherheit», sagt US-Präsident Donald Trump in einer Rede.

«Wir brauchen Grönland für die Sicherheit», sagt US-Präsident Donald Trump in einer Rede.

Getty Images via AFP

In einer Rede betonte Trump: «Wir brauchen Grönland für die Sicherheit (...) und werden es bekommen – auf die eine oder andere Weise.» Darauf erklärte Egede: «Grönland gehört uns. Wir stehen nicht zum Verkauf und werden niemals zum Verkauf stehen.» Auch Umfragen vom Januar zeigen, dass 85 Prozent der Bevölkerung nicht Teil der USA werden will.

Welche Auswirkungen könnte ein Regierungswechsel haben?

Der Wunsch nach Unabhängigkeit bringt Grönland diverse Zielkonflikte: Aufgrund der eigenen knappen Mittel ist das Land auf die Unterstützung von Partnerstaaten angewiesen – will aber nicht von ihnen abhängig sein. Washington und Kopenhagen haben beide Interesse an der Gunst von Grönland und wollen den jeweils anderen möglichst fernhalten.

Die künftige Regierung müsse mit Kopenhagen sowie Washington die Zukunft des Landes möglichst vorteilhaft für Grönland aushandeln.

Die künftige Regierung müsse mit Kopenhagen sowie Washington die Zukunft des Landes möglichst vorteilhaft für Grönland aushandeln.

Steffen Trumpf/dpa

Im Wahlkampf haben sich sämtliche Parteien für die Unabhängigkeit von Grönland ausgesprochen. Streitpunkt ist, wie schnell und zu welchen Bedingungen das geschehen soll. Gleichzeitig hätten die aggressiven Signale aus Washington die Wählerschaft polarisiert, berichtet SRF.

Grönland kann es sich nicht leisten, plötzlich ohne Verbündete dazustehen. Die künftige Regierung müsse demnach mit Kopenhagen sowie Washington die Zukunft des Landes möglichst vorteilhaft für Grönland aushandeln. Wie dies geschieht, ist abhängig vom neuen Parlament, das am 11. März gewählt wird.

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