Arbeiten in den BergenWallis will Zürich und Basel die Talente wegschnappen
Der Bergkanton wirbt neu für sich als Wohn- und Arbeitsort. Damit streift das Wallis sein Image als reiner Ferienort ab und nimmt den Kampf um Fachkräfte mit Kantonen wie Zürich und Basel auf.
Darum gehts
Im Wallis sind Wohnungen günstig, es gibt viele Start-ups sowie Chemie- und Pharma-Firmen.
Neu wirbt das Wallis für sich als Wohn- und Arbeitsort.
Der Alpenkanton nimmt so den Kampf um Fachkräfte mit Kantonen wie Zürich und Basel auf.
Nach dem Feierabend kurz auf die Skipiste oder in der Mittagspause eine Velotour über den Berg machen: Statt für Touristinnen und Touristen wirbt das Wallis neu um Bewohnerinnen und Bewohner. In einer Medienmitteilung zählt der Südschweizer Kanton zehn Gründe auf, warum das Wallis der perfekte Wohn- und Arbeitsort ist.
So gehören die Wohnungsmieten im Bergkanton zu den günstigsten in der Schweiz. Zudem weist die Region am meisten Krippen pro 1000 Kinder auf. Auch für Start-ups ist das Wallis interessant: Geht es um die Anzahl an Jungunternehmen steht der Kanton auf dem vierten Platz. Am meisten Start-ups gibts in Zürich.
Im Bereich Chemie, Pharmazie und Biotechnologie steht das Wallis sogar an zweiter Stelle nach Basel. «Die Nähe zur Natur ist eine ideale Voraussetzung, um sich hier niederzulassen», sagt eine Sprecherin der Tourismus Organisation Valais/Wallis Promotion zu 20 Minuten.
Dass das Wallis gerade jetzt für sich als Wohn- und Arbeitsort wirbt, hat auch mit der Corona-Krise zu tun. Denn die Pandemie habe das Bedürfnis nach frischer Luft und Platz verstärkt – und das Wallis bietet genau das an, so die Sprecherin.
Das Freizeitangebot direkt vor der Haustür
Corona habe Wohnorte in Bergkantonen allgemein attraktiver gemacht, erklärt Tourismus-Professor Urs Wagenseil von der Hochschule Luzern (HSLU). «So haben etliche Hotels oder auch Gemeinden Büroräumlichkeiten und Co-Working-Places geschaffen.»
Geht es um die Work-Life-Balance sind Ferienregionen besonders interessant: «Dort hat man das perfekte Freizeitangebot und die pure Natur gleich vor der Haustür», so Wagenseil. Dadurch seien Berggemeinden zum Wohnen häufig attraktiver als manche Mittelland-Gemeinden.
Allerdings fehle es gerade in bekannten Ferienorten an günstigem Wohnraum. «Wohnungen in Orten wie Zermatt, Gstaad, Lenzerheide, Flims, Verbier etc. sind wegen des grossartigen touristischen Angebotes und gleichzeitig beschränkten Wohnraums teuer», so Wagenseil.
Aber für alle, die bereit seien, einige Minuten Autofahrt zum nächsten Skilift in Kauf zu nehmen, könne das Wallis oder andere touristische Bergkantone ein interessanter und alternativer Wohnort sein.
In Konkurrenz um Fachkräfte mit Welsch- und Deutschschweiz
«Das Wallis möchte mit der Aktion sicher auch sein Image als Ferienkanton anpassen», sagt Marcus Roller, Co-Leiter Forschungsstelle Tourismus Uni Bern. Denn in den Köpfen vieler sei das Wallis ein Ort zum Skifahren, Wandern und Biken – mehr nicht.
Doch der Tourismus macht laut Roller nur knapp 14,5 Prozent der Bruttowertschöpfung des Kantons aus. Das heisst, das meiste Geld wird in anderen Branchen verdient. «Das Wallis will zeigen, dass es als Arbeitsort genauso interessant ist wie Basel und Zürich», sagt Roller.
Oft verlassen nämlich junge Leute Bergkantone für die Ausbildung und kehren nicht mehr zurück. Dabei habe es das Wallis besonders schwer: «Geht es um Fachkräfte, konkurriert das Wallis als zweisprachiger Kanton sowohl mit der Welsch- als auch der Deutschschweiz», so Roller.
Das ist das Wallis:
Das Wallis ist auf die Fläche bezogen der drittgrösste Kanton der Schweiz und liegt vollständig im Gebiet der Alpen. Ende letztes Jahr zählte der Kanton 348'503 Einwohnerinnen und Einwohner. Sitten ist die Kantonshauptstadt. Der Kanton steht in der Schweiz an erster Stelle in der Forschung und Produktion von Aluminium. Mit seinen 46 Stauseen ist das Wallis das Energiezentrum der Schweiz und produziert mehr als ein Viertel der im Land verbrauchten Wasserkraft. Zudem sind mehrere Orte autofrei: In Zermatt, Saas-Fee, auf der Riederalp, Bettmeralp und in Blatten-Belalp zum Beispiel fahren nur Elektrofahrzeuge.
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