War der F/A-18-Pilot erfahren genug?

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Kampfjet-AbsturzWar der F/A-18-Pilot erfahren genug?

Die Untersuchungen zum F/A-18-Absturz im Sustengebiet sind in vollem Gang: Antworten auf die wichtigsten offenen Fragen.

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Ein Fehler bei der Flugsicherung in Meiringen soll zum F/A-18-Absturz geführt haben.
An diesem Berggrat im Sustengebiet zerschellte der Kampfjet.
Die Skyguide hat dem Piloten eine Flughöhe von 3050 Metern angegeben – nötig wären aber 4360 Meter gewesen.
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Ein Fehler bei der Flugsicherung in Meiringen soll zum F/A-18-Absturz geführt haben.

Skyguide

Ein F/A-18-Jet der Schweizer Luftwaffe zerschellte am Montag bei einer Übung nur vier Minuten nach dem Start im Sustengebiet an einer Krete. An Bord laut «Blick»: der erst 27-jährige Pilot David G.*. Seine Leiche wurde im schwer zugänglichen Gebiet auf 3000 Metern über Meer im Trümmerfeld gefunden.

Die Unfallursache ist noch unklar. Fragen, etwa ob der Pilot das Gebiet kannte oder wie oft er bereits in Meiringen startete, werden derzeit von der Militärjustiz und der Luftwaffe nicht beantwortet. Andere Fragen im Zusammenhang mit dem Unfall lassen sich jedoch bereits beantworten.

Warum sieht man auf Bildern nur einen kleinen Teil der Unfallstelle?

Die Armee liess die Journalisten nur auf einer Seite des Grates filmen und fotografieren – laut Armeesprecher Daniel Reist vor allem aus Pietätsgründen: Aufnahmen von den sterblichen Überresten des Piloten sollten nicht an die Öffentlichkeit geraten.

Was passiert mit den Trümmerteilen?

Sie werden ins Tal geschafft und dort sortiert. Ein Teil der Trümmer aber, Steuerungssysteme und Elektronik, wird an einen gesonderten Ort gebracht und streng bewacht. Grund sind Geheimhaltungsverträge zwischen der Armee und dem Kampfjet-Hersteller: Wenn sensible Details über das elektronische Innenleben in falsche Hände geraten, kann so eine ganze Flotte beispielsweise durch Hacker beeinflusst werden.

Was ist mit der Blackbox?

Laut Militärjustiz-Sprecher Tobias Kühne konnte sie noch nicht gefunden werden. «Es besteht die Möglichkeit, dass die Blackbox beim Aufprall zerstört wurde.» Auch wenn sie nicht gefunden oder ausgewertet werden kann: Es erschwert zwar die Untersuchung zur Unfallursache, aber es gibt eine Vielzahl anderer Daten – wie Radar oder Funkverkehr – die genutzt werden können, um die Daten der Blackbox zu rekonstruieren. Vor allem muss geklärt werden, weshalb der Kampfjet des verunglückten Piloten 1000 Meter zu tief flog. Er hätte in einer Höhe von 4500 Metern sein sollen – der Unfall geschah auf 3500 Metern. Gemäss «10 vor 10» soll die Flugsicherung dem Piloten eine falsche Höhe angegeben haben.

Wie viele Flugstunden hatte der junge Pilot?

Dazu gibt die Militärjustiz noch keine Auskunft. Sprecher Kühne: «Alles, was seine Rolle beim Flug, sprich seine Erfahrung und andere Einflüsse, betrifft, ist – wie auch die anderen Umstände des Fluges – Gegenstand der Untersuchung.»

Gehört man mit 27 Jahren zu den jüngsten Piloten der Luftwaffe?

In den Reihen der Schweizer Luftwaffe gibt es mehrere Piloten, die erst 27 Jahre alt sind. David G. wurde im Januar 2016 brevetiert, gehörte also zu den Unerfahrensten in der Luft. Doch er durchlief wie alle anderen Militärpiloten eine strenge Ausbildung mit einer gnadenlosen Selektion: Von jährlich mehreren hundert Anwärtern schaffen es zuletzt nur rund ein Dutzend bis zu diesem Punkt. In anderen Maschinen sammelte er zuvor etliche Flugstunden. Aviatik-Experte Max Ungricht sagt: «27 ist ein perfektes Alter. Man ist gesundheitlich topfit, wach und lernfähig. Auch wenn er noch nicht so viel Erfahrung hatte: Dafür sind solche Übungen da. Die simulierte Übung gehört zu den Basics eines Kampfjet-Piloten. Dabei führen erfahrene Piloten die ‹Jungen› Schritt für Schritt an das volle Leistungsspektrum heran.»

Der Pilot war in Payerne stationiert – war ihm der Flugplatz Meiringen fremd?

Ungricht: «Sicher nicht, den kennt er von unzähligen Starts und Landungen mit der PC-7 oder der PC-21 und im F/A-18-Doppelsitzer. Die Piloten üben auf jedem Flugplatz der Schweiz.» Klar sei Meiringen anspruchsvoll, weil der Flugplatz in den Bergen liegt, aber dafür werde immer wieder trainiert. «Ausländische Piloten, die sporadisch nach Meiringen kommen, zollen dafür unseren Piloten höchsten Respekt.»

Ab wann darf man sich ins Cockpit einer F/A-18 setzen?

Bis dorthin müssen Piloten einen vorgegebenen Weg einschlagen, der einige Jahre dauert: nach der Rekrutenschule erfolgt die Offiziersschule – jeder muss den Grad des Leutnants abverdienen. Nach Bestehen der fliegerischen Selektion absolvieren die Kandidaten eine halbjährige militärfliegerische Grundausbildung auf PC-7. Anschliessend erfolgt eine einjährige Linienpiloten-Ausbildung an einer zivilen Flugschule. Darauf folgt eine zweijährige fliegerische Weiterbildung – wer zum F/A-18-Piloten ausgebildet wird, fliegt zuerst PC-7 und PC-21. Die Ausbildung für einen Berufsmilitärpiloten dauert heute noch rund 5 Jahre und 4 Monate.

*Name der Redaktion bekannt

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