Drastische MassnahmeWegen Langfingern – jetzt packen Händler den Käse in Diebstahlsicherung
Ladendiebstähle häufen sich wegen steigender Preise. Aldi geht nun in England besonders rigoros dagegen vor. Auch in der Schweiz nehmen Diebstähle zu.
Darum gehts
Mit steigenden Preisen nehmen Ladendiebstähle zu. Diebe haben es zunehmend auch auf Lebensmittel abgesehen. Vor allem in England ist das Problem gross. Händler rüsten nun gegen Diebe auf.
Discounter Aldi packt in England Käse im Wert von umgerechnet etwa fünf Franken in Sicherheitsetiketten, die sich nicht von Hand entfernen lassen. Das zeigt ein Foto von Twitter-Nutzerin Tam Herrington.
Beim Fleisch setzt Aldi in England auf Plastikboxen, wie von PC- und Xbox-Games bekannt. Steaks verschliesst der Discounter hinter Vitrinen, wie «Business Insider» schreibt. Auch die britische Kette Sainsbury’s brachte in einem Geschäft auf allen Produkten Sicherheitsetiketten an, von Toilettenartikeln bis Süssigkeiten.
«Diebe stehlen besonders gerne teure Produkte», sagt der Sozial- und Wirtschaftspsychologe Christian Fichter von der Kalaidos Fachhochschule. Vor allem wenn ein hoher Preis als ungerechtfertigt angesehen wird, sinke die Hemmschwelle, etwas zu stehlen. «Wenn der Käse nun viel teurer ist, wird er eher geklaut», so Fichter.
Deshalb sei Diebstahlschutz wichtig. Experten könnten diesen umgehen, aber die normale Kundschaft werde vom Klauen abgeschreckt. «Viele Konsumenten sind sogar froh um einen Diebstahlschutz, damit sie nicht in Versuchung kommen», so Fichter.
Leichter Anstieg in der Schweiz
Auch in der Schweiz gibt es mehr Ladendiebstähle. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Fälle laut BFS um 410 auf 16’752. Lidl Schweiz stellt laut einem Sprecher einen leichten Anstieg fest. Grund zur Sorge gebe es aber noch keinen. «Wir prüfen derzeit verschiedene ergänzende Sicherheitsmassnahmen und haben ein Auge auf die Entwicklungen in diesem Bereich», sagt ein Sprecher.
Hast du schon mal gestohlen?
Bei der Migros sagt ein Sprecher auf Anfrage, dass sich die Diebstahlquote auch seit den Selfcheckout-Kassen nicht signifikant verändert habe. Weil sich die Situation nicht mit England vergleichen lasse, gebe es auch keine Absicht, Produkte besser zu schützen.
Die Migros setzt, wie fast alle Händler, auf Überwachungskameras. «Wir haben fast flächendeckend Videoüberwachung», sagt Gilles Tomasini vom Sicherheitsanbieter Telsec ESS Schweiz. Noch vorwiegend im Ausland kommen Kameras mit künstlicher Intelligenz zum Einsatz (siehe Box).
Kamera alarmiert Detektiv
Während der Covid-Phase hätten professionelle Ladendiebstähle abgenommen, sagt Tomasini. Grund seien die geschlossenen Grenzen gewesen. «Viele Ladendiebe, die den Händlern hohe Kosten verursachen, sind organisierte Banden und kommen aus dem Ausland. Als die Grenzen zu waren, war eine Einreise nur noch erschwert möglich.»
Seither höre er von Händlern, dass Diebstähle wieder zugenommen hätten. Tomasini glaubt aber nicht, dass es in der Schweiz bald Zustände wie in England gibt. «Dort leben Banden von den Diebstählen, das gibt es in der Schweiz zum Glück nicht.» Diese Art von Kriminalität bestehe bedingt nur in grenznahen Regionen, wie in Genf oder Basel.
Auch Schweizer Läden rüsten auf. Swisscom setzt laut Tomasini als einer der einzigen Handy-Händler weltweit auf eine kabellose Gerätesicherung. «Damit kann ich mich frei im Laden bewegen. In gewissen Regionen Englands wäre so etwas nicht möglich, da wäre das Handy gleich weg», so Tomasini.
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