Volle Lager trotz coronaWeniger Covid-Tote als erwartet – Bestatter bleiben auf Särgen sitzen
Viele Bestatter wussten zu Beginn der Corona-Pandemie nicht, wie sich diese auf die Schweiz auswirken wird. Viele deckten sich vorsichtshalber mit Särgen ein, auf denen sie nun sitzen bleiben.
Darum gehts
- Viele Bestatter deckten sich zu Beginn der Corona-Pandemie mit Särgen ein.
- Die Produktion von Särgen hat sich seit März fast verdoppelt.
- Nun sitzen einige Bestatter auf ihren Särgen fest.
Zu Beginn der Corona-Krise war für niemanden klar, was für Auswirkungen die Pandemie auf die Schweiz haben würde. Während das Virus in Italien bereits zu Tausenden Todesfällen geführt hatte, bereiteten sich die Bestatter hierzulande ebenfalls auf eine mögliche Todeswelle vor. «Nicht, dass man in dieser schwierigen Zeit noch dem Material nachspringen müsste», sagt der Bestatter Kurt Dänzer von der Trauerhilfe Hasler gegenüber SRF. Das Lager des Bestattungsunternehmens in Düdingen FR ist nun aber voll: 100 anstelle von 60 Särgen stapeln sich dort.
Auch das Lager von Huguenin Bestattungen ist überfüllt. 20 Minuten berichtete im April darüber, dass sich das Unternehmen mit 400 bestellten Särgen auf die Pandemie vorbereitete. «Das ist sehr aussergewöhnlich, normalerweise haben wir nur ungefähr 40 Särge an Lager», sagte Geschäftsführer Kevin Huguenin im Interview.
Diese nun irgendwie loszuwerden, ist laut Bestatter und Sargproduzent Beni Hochuli beinahe unmöglich. «Um diese unterzubringen, braucht man eine ganze Turnhalle», sagt der Berner.
Hamsterkäufe aus Panik?
Die Schweizer Sargindustire reagierte auf die grosse Nachfrage und fuhr die Produktion in den letzten Monaten hoch: Seit März werden fast doppelt so viele Särge hergestellt wie zuvor. «Zu Beginn der Krise habe auch ich die grosse Nachfrage zu spüren bekommen», sagt Hochuli. Dass manche Unternehmen Hunderte Särge aufkauften, hält er für eine Panikreaktion: «Ich fand diese Hamsterkäufe schon damals ein wenig übertrieben», so der Bestatter.
Doch auch Hochuli hatte den Bestand aufgestockt, wenn auch nur minim. «Ich habe den Vorteil, dass ich die Särge im Notfall auch selber produzieren könnte.» Grosse Auswirkungen habe die Pandemie auf sein Geschäft aber nicht gehabt: «Insgesamt hatte ich mit zwei Corona-Fällen zu tun. Mehr habe ich ehrlich gesagt auch nicht erwartet», sagt der Bestatter.
Bestatter wünschen sich, dass das Virus verschwindet
20 Minuten fragte bei weiteren Bestattern im Kanton Bern nach. Viele sagten gegenüber der Zeitung, dass ihr Bestand an Särgen gleich geblieben sei und sie hofften, dass das Virus bald verschwinde. «Seriöse Bestatter lassen sich nicht auf solche Spekulationen ein», sagt ein Unternehmen gegenüber 20 Minuten. Fakt ist, die Fall- und Todeszahlen sinken. Für die Bestatter dürfte also bald wieder die Normalität einkehren.
So funktionieren Bestattungen von Corona-Toten

Der positiv auf Corona getestete Verstorbene wird durch ein Bestattungsunternehmen abgeholt. Die Räumlichkeiten werden meist in voller Schutzausrüstung, also mit Schutzanzügen, Schutzbrillen, Handschuhen und Atemmasken betreten. Im Zimmer wird die verstorbene Person dann in eine Bergungshülle gelegt. Danach wird die Person in den Sarg umgebettet. Der Sarg wird zum Schluss mit Sargschrauben verschlossen. Auf den Sarg wird zusätzlich eine Weisung geheftet, dass dieser nicht geöffnet werden darf.