Offene Stellen: Wer jetzt den Job wechselt, kriegt schnell mehr Lohn

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Offene StellenWer jetzt den Job wechselt, kriegt schnell mehr Lohn

Der Personalmangel in der Schweiz ist so krass, dass Firmen neue Arbeitskräfte mit höheren Löhnen locken. Vor allem, wer in der Gastro arbeitet, kann jetzt davon profitieren.

Köchinnen und Köche sind in der Schweiz so gefragt wie noch nie.
Laut Adecco sind auch Kondukteurinnen und Kondukteure knapp. Die SBB sagt allerdings, dass man noch genug Menschen für dieses Job-Profil finde.
Vor allem die Rekrutierung für handwerkliche Berufe oder Berufe mit Schichtarbeit sei «aufgrund der Akademisierung in der Schweiz» anspruchsvoller geworden, so die SBB.
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Köchinnen und Köche sind in der Schweiz so gefragt wie noch nie.

20min/Celia Nogler

Darum gehts

In der Schweiz gibt es so viele offene Stellen wie noch nie. Wer etwa in der Gastrobranche arbeitet und zur Konkurrenz wechseln will, muss wohl nicht lange suchen. Die hohe Nachfrage führte dazu, dass die Arbeitnehmenden wieder am Drücker sind: Mit etwas Glück kriegen sie beim Jobwechsel schnell mehr Lohn.

500 Franken mehr Lohn nach 2 Wochen

Um Arbeitskräfte kämpfen müssen gerade die Restaurants. Das weiss auch Roland Eng vom Personalvermittler Active Gastro Eng. Er vermittelte kürzlich einen Koch, der zwei Wochen später wieder ging – weil die Konkurrenz 500 Franken mehr Lohn bezahlte.

Vor Corona habe ein Koch (Chef de Partie) oder eine Köchin nach der Ausbildung mit sechs Jahren Berufserfahrung rund 4500 bis 4800 Franken verdient, nun seien es 5000 bis 5500 Franken. Der Verband Gastrosuisse sagt auf Anfrage, dass man keine Echtzeit-Lohndaten erfasse. Der Durchschnittslohn im Gastgewerbe dürfe in den letzten zwölf Monaten aber gestiegen sein – vor allem bei gesuchten Fachkräften im Service und in der Küche.

Tiefe Wertschätzung, weniger Loyalität

Wer es sich leisten könne, bezahle Fachkräften in der Gastrobranche aktuell schnell mal ein paar Hundert Franken mehr (siehe Box). Denn das sei immer noch besser, als die Öffnungszeiten anzupassen, zusätzliche Freitage zu gewähren oder einen Betrieb schliessen zu müssen, sagt Eng. Viele Restaurants könnten sich das aber gar nicht leisten.

Jetzt ist der ideale Zeitpunkt, um mehr Lohn zu fordern

«Lange machen wir das nicht mehr mit» – diese Aussage hört Eng von Restaurant-Betreibenden immer öfters. Das habe auch mit den harten Arbeitsbedingungen zu tun. In der Branche arbeite man teils bis zu 16 Stunden pro Tag. Bei einigen Betrieben sei die Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitenden nicht sehr gross. Vielen sei nicht bewusst, was für ein Kapital die Mitarbeitenden eigentlich seien.

Gastrosuisse empfiehlt den gastgewerblichen Unternehmen, neue Arbeitszeitmodelle zu prüfen. So bieten beispielsweise einige Betriebe mittlerweile die 4-Tage-Woche mit drei freien Wochentagen an.

Forderst du jetzt mehr Lohn?

Nachwuchskräften sei so schwierig zu vermitteln, dass die Gastrobranche eigentlich spannend sei. Denn sie legten viel Wert auf die Work-Life-Balance. Es gebe darum viele Wechsel. Viele Mitarbeitende seien unter anderem in die Logistik, Industrie oder in die Dienstleistungsbranche gegangen.

Wer geht, kommt nicht zurück

Doch gibt es auch Menschen, die wegen höherer Löhne wieder in die Gastrobranche zurückwechseln? «Das habe ich noch nie gehört», sagt der Personalexperte Jörg Buckmann. Viele Menschen, die der Branche den Rücken kehrten, verdienten nun mehr Geld als vorher und kehrten kaum zurück.

«Wer 3500 Franken pro Monat bezahlt, muss sich nicht wundern, wenn er Arbeitskräfte verliert», sagt Buckmann. Sogar Lidl bezahle ungelernten Mitarbeitenden im Vollzeitpensum 13 mal 4360 Franken pro Monat, bei Aldi liege der Mindestlohn bei 4600 Franken für 13 Monatslöhne. 

Nicht alle zahlen mehr Lohn

Allerdings haben nicht alle Branchen mit Personalnot den Lohn seit Ausbruch der Pandemie stark erhöht. 2022 seien «einige Mindestlöhne» um 30 Franken pro Monat gestiegen, teilt etwa der Verband Schweizer Coiffeurgeschäfte auf Anfrage mit. Ab 2023 gebe es zudem eine Beteiligung an der Teuerung der Lebenshaltungskosten von 50 Franken auf alle Löhne.

Die SBB sagt auf Anfrage, dass sie ihre Löhne seit Ausbruch der Pandemie nicht strukturell erhöht habe. «Wir erhalten immer noch viele Bewerbungen, allerdings nimmt auch der Bedarf an Mitarbeitenden zu.» Vor allem die Rekrutierung für handwerkliche Berufe oder Berufe mit Schichtarbeit sei «aufgrund der Akademisierung in der Schweiz» anspruchsvoller geworden.

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