Bund übernimmt KostenWer verdient eigentlich Geld mit den Massentests?
Die ersten Kantone haben ihr Programm für Massentests an Schulen gestartet. Der Bund übernimmt die Kosten. Der grosse Gewinner dürfte aber der Pharma-Konzern Roche sein – nicht die Labors, die die Analysen durchführen.
Darum gehts
Der Bund zahlt den Kantonen die Massentests an Schulen und in Unternehmen.
Das verursacht Kosten in Millionenhöhe.
In der Regel führen Drittanbieter die Tests im Auftrag der Kantone durch.
Die Margen dürften aber nicht besonders hoch sein.
Hingegen profitiert Roche, da der Konzern die benötigte Ausrüstung herstellt.
Mit Massentests in Schulen und anderen Organisationen will der Bund asymptomatische Covid-Infektionen aufdecken. Das soll helfen, die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Die Kosten für die Tests übernimmt der Bund, solange die Kantone ein entsprechendes Konzept vorlegen.
Mittlerweile haben laut dem Bundesamt für Gesundheit 22 Kantone ein solches Konzept eingereicht. Viele von ihnen haben aber noch keine Teststrategie angekündigt. Bei der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren heisst es auf Anfrage, die Umsetzung der Teststrategie des Bunds brauche Zeit: «Die Etablierung, Organisation und Administration von gezielten und repetitiven Tests in Unternehmen, Schulen und anderen Institutionen ist eine Herkulesaufgabe für die bereits stark mit anderen Aspekten der Pandemiebewältigung belasteten Kantone.»
14 Millionen Franken für 1,3 Millionen Tests
Bei einigen Kantonen laufen die Tests hingegen bereits. In den Kantonen Graubünden, Baselland und Zug wird schon seit Februar an Schulen getestet. Der Kanton Freiburg kündigte Anfang März ebenfalls eine Pilotphase für Tests in Unternehmen, Pflegeheimen und Schulen an.
Das Ganze kommt den Bund teuer zu stehen: Der Kanton Zug rechnet allein für die Reihenuntersuchungen an Primarschulen mit wöchentlichen Laborkosten von bis zu 400’000 Franken. Baselland geht von einem Bruttoaufwand von 14 Millionen Franken für 1,3 Millionen Tests bis Ende Juli aus. Inklusive Personalkosten sind das rund 11 Franken pro Test.
Bund gibt Maximaltarif vor
Laut Bund dürfen die Tests sogar noch etwas mehr kosten: Bei den Massentests in Schulen beträgt der Maximaltarif 18.50 Franken für die Probeentnahme und bis zu 232 Franken für die Laboranalyse. Dabei ist zu bedenken, dass bei der verwendeten Methode nur eine Analyse für mehrere Proben nötig ist – wenn etwa eine Schulklasse mit 20 Personen in einem Pool getestet wird, kostet die Analyse pro Person rund 12 Franken.
Doch wohin fliesst dieses Geld? Die meisten Kantone arbeiten mit Partnerfirmen zusammen, die die Tests für sie abwickeln. So kündigte etwa Hirslanden vor wenigen Tagen an, dass man die Massentests in Schwyz und Zürich durchführen werde. Der Kanton Freiburg arbeitet mit dem Labor des Swiss Integrative Center für Human Health.
Die Vergütung richte sich nach den Tarifen des Bundes, heisst es etwa beim Labor Dr. Risch, das für den Kanton Zug Tests durchführt. Keines der angefragten Unternehmen wollte verraten, ob sie bei diesen Tarifen etwas an den Tests verdienen.
Keine Ausschreibung für Massentests
Bei den angefragten Kantonen wurde für Massentests keine öffentliche Ausschreibung durchgeführt. «Eine Direktbeauftragung an eine externe Organisation ist einerseits aufgrund der Dringlichkeit und andererseits zum Schutz von Leben und Gesundheit in speziellen Situationen erlaubt», erklärt eine Sprecherin des Kantons Basel-Landschaft. Pharma-Experte Salvatore Volante gibt zu bedenken, dass es in der Schweiz auch eine Kapazitätsfrage sei: «Die Massentests fordern die Logistik eines Labors bis ans Maximum.» Auch die Zahl an Labors, die die nötigen Untersuchungen durchführen können, sei beschränkt. Die Kantone arbeiten oft nicht nur mit einem, sondern gleich mit mehreren Anbietern, um die hohe Zahl der Tests bewältigen zu können.
Die Marge für Labors, involvierte Ärzte und Apotheker dürfte bei den Tarifen des Bunds eher klein sein, glaubt Pharma-Experte Salvatore Volante vom Beratungsunternehmen Mmconsult. Man müsse sich bewusst sein, dass gerade die molekularbiologische Analyse teure Ausrüstung und Fachwissen voraussetze.
Wesentlich sei, dass aktuell die für Tests benötigten Laborroboter von Roche Diagnostic stammen. «Es kommt kein einziger PCR-Test an den Laborrobotern von Roche vorbei.» Sowohl die Laboranbieter als auch die meisten Universitäts- und Kantonsspitäler seien mit Geräten des Pharma-Konzerns ausgerüstet.
Doppelte Nachfrage bei Roche
Konkret geht es um die Hochdurchsatzinstrumente Cobas 6800 und 8800 für PCR-Tests. Sie werden in Rotkreuz ZG hergestellt und die Nachfrage ist laut Roche sehr hoch. Bereits 2020 wurde die Zahl der weltweit installierten Geräte um 42 Prozent gesteigert. Der Hersteller rechnet damit, dass es bereits Mitte 2021 doppelt so viele sein werden wie zu Beginn des Vorjahres.
Wie gross die Nachfrage speziell in der Schweiz ist, will das Unternehmen nicht verraten. Details zur Nachfrage auf Länderebene gebe man grundsätzlich nicht bekannt. Auch wie viel der Pharma-Konzern mit dem Verkauf der Maschinen verdient, bleibt unbeantwortet.
600 Mio. Fr. investiert
Aber es scheint sich zu lohnen, denn Roche baut aus: «Um Gesundheitssystemen weltweit den PCR-Test bereitstellen zu können, investieren wir über 600 Millionen Franken in den Ausbau unserer Produktionskapazitäten», sagt eine Sprecherin zu 20 Minuten. Insgesamt habe man 90 zusätzliche Produktionslinien für 18 Produkte aufgebaut. Das beinhaltet nicht nur Instrumente, sondern auch Verbrauchsmaterialien wie etwa Plastikpipetten.
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