Elektroautos nehmen zu, werden Benziner und Diesel jetzt wertlos?

Kurzfristig wird der Wert von Autos mit Verbrennungsmotoren nicht sinken.

Kurzfristig wird der Wert von Autos mit Verbrennungsmotoren nicht sinken.

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Elektroautos nehmen zuWerden Benziner und Diesel jetzt wertlos?

Die Elektromobilität nimmt immer mehr Fahrt auf. Roberto fragt sich, welche Folgen dies für die Restwerte von Benzin- und Diesel-Fahrzeugen hat.

Markus Peter, AGVS
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Frage von Roberto ans AGVS-Expertenteam:

Erst vor kurzem hat Audi angekündigt, keine Verbrenner mehr herstellen zu wollen, sondern voll auf die Elektromobilität zu setzen. Was bedeutet dies für den Restwert meines Autos? Erhalte ich beim Kauf eines neuen Autos für meinen Diesel noch etwas oder ist er faktisch wertlos?

Antwort:

Lieber Roberto!

Vielen Dank für die spannende Frage. In der Tat ist es so, dass verschiedene Automobilhersteller mitgeteilt haben, sich vom Diesel- und vom Ottomotor zu verabschieden. Du sprichst konkret Audi an, aber auch der Audi-Mutterkonzern Volkswagen hat bereits 2019 angekündigt, die Entwicklung von Verbrennungsmotoren ab 2026 einstellen zu wollen.

Wichtig ist das Wort «Entwicklung»: Verbrenner werden dann bei VW nicht mehr neu entwickelt – produziert und verkauft werden sie jedoch weiter. Experten gehen davon aus, dass Verbrenner bis 2030 produziert und verkauft werden und dass die Restwerte bis dahin ziemlich stabil bleiben. Bei der ganzen Diskussion darf auch nicht vergessen werden, dass in weiten Teilen der Welt die Einführung der Elektromobilität wohl noch länger dauert, da weder Kaufkraft noch Elektrizität mit der Situation in Industrieländern zu vergleichen sind. Zudem liegt das Durchschnittsalter der Personenwagen in der Schweiz bei rund neun Jahren. Anders gesagt: Der bestehende Fahrzeugpark wird wohl noch für längere Zeit von Verbrennungsmotoren dominiert.

Der bestehende Fahrzeugpark wird wohl noch für längere Zeit von Verbrennungsmotoren dominiert.

Markus Peter, AGVS

Aktuell ist es sogar so, dass die Preise von guten Gebrauchtwagen tendenziell eher steigen. Erst die Corona-Pandemie, mit teilweise wochenlangen Werksschliessungen und dann die Chip-Krise haben die Produktion von Neuwagen verlangsamt. Es gibt teilweise lange Lieferfristen, was sich auf den Occasionsmarkt auswirkt. In konkreten Zahlen: Im Juni 2019 kostete ein gebrauchter PKW in der Schweiz laut Marktindex von AutoScout24 durchschnittlich 25'079 Franken. Im Juni 2021 betrug dieser Wert 26'614 Franken, also gut sechs Prozent mehr.

In der kurzen Frist werden die Restwerte von gebrauchten Benzinern und Diesel-Fahrzeugen also eher nicht sinken. Längerfristig werden die Preise für Benzin und Diesel sowie für Strom eine grosse Rolle spielen. Wie sich diese Preise in der Schweiz entwickeln, hängt von zahlreichen Faktoren wie Rohöl-Preis, Steuerbeträge, politische Rahmenbedingungen, Nachfrage etc. ab. Entsprechend schwierig sind zuverlässige Prognosen.

In der kurzen Frist werden die Restwerte von gebrauchten Benzinern und Diesel-Fahrzeugen also eher nicht sinken.

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Fazit: Wir rechnen nicht mit einem plötzlichen Absinken der Restwerte, sondern eher mit einem «Fade-out» des Verbrenners. Die vielen Benziner und Dieselfahrzeuge auf unseren Strassen werden weiterhin genutzt und dann in den nächsten zehn bis 20 Jahren allmählich auslaufen – oder als Oldtimer noch Jahrzehnte erhalten bleiben.

Gute Fahrt!

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