«Wir haben die Partytouristen zu früh reingelassen»

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Balearen bald auf Risikoliste?«Wir haben die Partytouristen zu früh reingelassen»

Die Fallzahlen auf Mallorca explodieren. Auf der Ferieninsel wächst die Angst, bald als Risikogebiet zu gelten.

Die Corona-Fallzahlen sind auf den Balearen gemäss offiziellen Angaben stark angestiegen.  Auf der Ferieninsel Mallorca ist man daher derzeit in Sorge, dass sie auf die Quarantäneliste des Bundes kommt.
So etwa Mirjam Wagner (52). Die gebürtige Glarnerin ist ausgebildete Osteopathin und Yogalehrerin und lebt schon seit 16 Jahren auf Mallorca.
«Man hat die Partytouristen zu früh reingelassen», findet sie. Im Juli mussten die Behörden etwa die Bars am Ballermann schliessen, weil diese von Feiernden überrannt wurden.
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Die Corona-Fallzahlen sind auf den Balearen gemäss offiziellen Angaben stark angestiegen. Auf der Ferieninsel Mallorca ist man daher derzeit in Sorge, dass sie auf die Quarantäneliste des Bundes kommt.

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Darum gehts

  • Mallorca könnte bald als Risikogebiet gelten, weil die Fallzahlen steigen.
  • Die Lage sei angespannt, sagt die Auslandschweizerin Mirjam Wagner.
  • Betroffen wären auf der Insel vor allem ärmere Leute, die mit Tourismus Geld verdienen.
  • Für die mallorquinische Wirtschaft hätte dies brutale Folgen, sagt auch Katja Wöhr.

Die Corona-Fallzahlen sind auf den Balearen gemäss offiziellen Angaben stark angestiegen: 264 Neuinfektionen an nur einem Tag wurden am Donnerstag gemeldet. Die Ferieninseln haben bereits 111 Neuansteckungen pro 100’000 Einwohner innert 14 Tagen. Laut der «Mallorca Zeitung» betont die balearische Regionalregierung, dass weit mehr als früher getestet werde.

Obwohl der Bund erst vor wenigen Tagen die Balearen von der Quarantäneliste ausgenommen hat, dürften sie daher bald auf die Liste kommen. Doch nicht nur in der Schweiz, auch in Deutschland macht man sich darüber Gedanken: Dort gelten 50 Neuinfektionen auf 100’000 Einwohner innert einer Woche als Schwelle, während es in der Schweiz 60 Fälle innert zwei Wochen sind. Auf der Ferieninsel Mallorca ist man daher derzeit in Sorge. Das sagen Auslandschweizer, die vor Ort leben.

«Partytouristen zu früh reingelassen»

Etwa Mirjam Wagner (52). Die gebürtige Glarnerin ist ausgebildete Osteopathin und Yogalehrerin und lebt schon seit 16 Jahren auf Mallorca. «Es ist schon eine angespannte Lage hier», sagt sie zu 20 Minuten. «Aber seit die Grenzen aufgemacht wurden, kommen auch die Touristen, und das Virus wird wieder mehr verbreitet.»

Im öffentlichen Raum gilt in Mallorca Maskenpflicht, für Strände wird auf der Ferieninsel aber eine Ausnahme gemacht. Wie das «Mallorca Magazin» berichtet, gehen die neuen Fälle auf den Inseln laut der Gesundheitsdirektorin zumeist von Treffen in Räumlichkeiten und unter freiem Himmel aus. Auch viele jüngere Personen seien betroffen.

Laut Wagner besteht die Gefahr, dass sich gerade auch Partytouristen weniger an diese Massnahmen halten, wenn sie von einem Land mit lockeren Regeln einreisen. «Man hat die Partytouristen zu früh reingelassen», findet sie. Im Juli mussten die Behörden etwa die Bars am Ballermann schliessen, weil sie von Feiernden überrannt wurden. «Die Partyhungrigen versuchen aber dennoch, manchmal diese Regeln irgendwie zu umgehen», so Miriam Wagner. «Es gibt aber auch viele Touristen, die die Massnahmen mit sehr viel Respekt einhalten.»

Angst vor zweitem Lockdown

Wagner spürt auf der balearischen Insel eine grosse Unsicherheit: «Café-, Restaurant- oder Ladenbetreiber werden durch den sinkenden Tourismus hart getroffen.» Die Mehrheit kommt nur knapp über die Runden, einige müssen sogar ganz schliessen. «Wenn Mallorca dann auch noch auf eine Quarantäneliste gesetzt würde, würde das hier sehr kritisch.»

Betroffen wären auf der Insel vor allem ärmere Leute, die mit dem Tourismus Geld verdienen. «Wenn die sich irgendwann nichts mehr leisten können und kaum mehr was zum Leben haben, könnte die Kriminalität ansteigen.»

«Brutale Folgen für mallorquinische Wirtschaft»

Auch Katja Wöhr (53) spürt auf der Insel momentan eine grosse Besorgnis wegen der Quarantäneregelungen. «Es wäre verheerend, wenn die Balearen auf die Risikoliste der Schweiz oder Deutschlands gesetzt werden würden», sagt die Teeproduzentin, die seit 18 Jahren auf Mallorca lebt. «Dies würde auch heissen, dass viele Leute wegen der abschreckenden Wirkung ihre Reise ganz abblasen.» Der Tourismus sei dieses Jahr ohnehin schon stark zurückgegangen. «Wenn die wenigen Touristen dieses Jahr auch noch fehlen, hätte das für die mallorquinische Wirtschaft noch brutalere Folgen als ohnehin schon.»

Laut Wöhr haben die grossen Hotels im Sommer gar nicht erst aufgemacht, weil sie die Fixkosten nicht mehr tragen könnten. «Man ist zudem sehr verunsichert darüber, wie die spanische Regierung weiter verfahren wird. Auf der Insel herrscht angesichts der aktuellen Lage grosse Angst vor einem zweiten Lockdown.» Die derzeitigen Massnahmen findet die 53-Jährige aber «paradox». «Wir müssen auf der Strasse eine Maske tragen, jedoch nicht an den Stränden. Die kleinen Buchten auf der mallorquinischen Insel sind überfüllt, und an manchen Stränden sitzen die Menschen wie Sardinen aufeinander.»

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