Wurde Jeffrey Epstein doch getötet?

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Hinweise auf MordWurde Jeffrey Epstein doch getötet?

Im August wurde der wegen Missbrauchsvorwürfen inhaftierte Multimilliardär tot in seiner Gefängniszelle gefunden. Ein Gerichtsmediziner bestärkt nun Zweifel am Suizid.

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Sarah Ransome erzählte vor einem Gericht in Manhatten von ihrer Gefangenschaft auf Epsteins Privatinsel Little Saint James.
Sie hatte nach eigenen Angaben versucht, durch das Gewässer, in dem sich auch Haie befinden, zu entkommen.
Weit kam sie aber nicht. Epstein habe auf der ganzen Insel Kameras installiert gehabt. Ein Team sei ausgesandt worden, um die Geflüchtete wieder zurückzubringen.
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Sarah Ransome erzählte vor einem Gericht in Manhatten von ihrer Gefangenschaft auf Epsteins Privatinsel Little Saint James.

AP/Gianfranco Gaglione

Der Tod des Wallstreet-Managers Jeffrey Epstein warf viele Fragen auf. Er soll sich in seiner Zelle erhängt haben. Im Gefängnis sass der Multimilliardär, weil er einen Sexsklavinnenring mit minderjährigen Mädchen betrieben haben soll. Auf einer Insel in der Karibik sollen sich auch mächtige Männer zu Sexpartys getroffen haben.

Doch Epsteins Tod rief kurz nach Bekanntwerden Zweifel auf. So kam die Frage auf, ob es sich wirklich um einen Suizid handelte und weshalb Epstein nicht überwacht worden war. Bereits im Juli soll er versucht haben, sich umzubringen. Der Autopsiebericht bestätigte Berichten zufolge, dass es sich bei Epsteins Tod um Suizid handelte. Ganz überzeugt waren Kritiker jedoch nicht. Ihre Zweifel werden nun bestärkt.

Ungewöhnliche Verletzungen gefunden

Michael Baden ist ehemaliger Gerichtsmediziner von New York City und hat schon an Fällen wie jenen von O. J. Simpson oder John F. Kennedy mitgearbeitet. Er wurde von Epsteins Bruder angeheuert und war bei der Autopsie dabei, wie «Fox & Friends» berichtet. Baden zufolge weisen die gefundenen Male eher auf Mord durch Strangulation hin statt auf Suizid. «Am ersten Tag der Autopsie wurden Hinweise gefunden, die für suizidales Erhängen untypisch sind und eher zu Mord durch Strangulation passen.»

Damit meint er zwei Verletzungen links und rechts des Kehlkopfes sowie eine Verletzung links am Zungenbein, die schon zuvor für Spekulationen gesorgt hatte. «In 50 Jahren habe ich noch nie gesehen, dass so etwas bei einem Fall von suizidalem Erhängen passiert ist», sagt nun auch Baden. Auch Blutungen in Epsteins Augen würden eher für einen Mord sprechen, auch wenn sie bei Suizid nicht ausgeschlossen, dafür aber selten sind.

Wollte jemand Informationen verheimlichen?

Baden glaubt, dass der zuständigen Gerichtsmedizinerin möglicherweise ein Fehler unterlaufen ist. Der Tod Epsteins müsse deshalb genauer untersucht werden.

Die Ermittlungen laufen jedoch noch. Epstein starb durch ein Leintuch, das um seinen Hals gewickelt war. «Wäre er ermordet worden, würden sich auf dem Tuch überall DNA-Spuren des Täters finden lassen», erklärt Baden. Die Testresultate seien noch ausstehend.

Gemäss Baden waren die beiden Gefängniswärter, die Epstein alle 30 Minuten hätten kontrollieren sollen, eingeschlafen. Zudem seien die Überwachungskameras beschädigt gewesen. Sollte es sich um Mord handeln, habe womöglich jemand versucht, zu verhindern, dass Informationen ans Tageslicht kämen. «Epsteins Bruder macht sich Sorgen, dass andere Informanten in Gefahr sein könnten, wenn Epstein tatsächlich ermordet wurde», sagt der Gerichtsmediziner im Interview.

Suizidgedanken? Hier finden Sie Hilfe

Beratung:

Dargebotene Hand, Tel. 143, (143.ch)

Angebot der Pro Juventute: Tel. 147, (147.ch)

Kirchen (Seelsorge.net)

Anlaufstellen für Suizid-Betroffene:

Nebelmeer – Perspektiven nach dem Suizid eines Elternteils (Nebelmeer.net);

Refugium – Geführte Selbsthilfegruppen für Hinterbliebene nach Suizid (Verein-refugium.ch);

Verein Regenbogen Schweiz (Verein-regenbogen.ch).

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