Online-HandelZalando will Kleider von H&M und Zara verkaufen
Zalando möchte künftig nicht nur ein Online-Händler sein. Das Unternehmen plant, zu einer Plattform für Konzerne wie H&M oder Zara zu werden.
Der grösste Online-Modehändler Europas ist Zalando bereits. Doch das Unternehmen will künftig viel mehr sein als ein Online-Händler. Der Konzern möchte zu einer eigentlichen digitalen Einkaufsstrasse werden. Dazu beitragen soll der Einbezug von Konsumenten, Bloggern und Marken.
Die Vision der Zalando-Macher sieht vor, dass die Firma zu einer Plattform wird, wo Einzelhändler eigene digitale Shops betreiben können. Das Unternehmen wolle «zur digitalen Strategie von unseren Markenpartnern werden», erklärte Co-Gründer David Schneider gemäss der Nachrichtenagentur DPA im Rahmen der Generalversammlung diese Woche in Berlin.
Vorläufig keine H&M-Produkte
Auch andere Modehändler sollen künftig über Zalando ihre Waren verkaufen. Geht es nach den Plänen des deutschen Online-Händlers, können bei Zalando langfristig auch Produkte von Konzernen wie H&M oder Zara bestellt werden. Der schwedische Textil-Gigant will davon aber nichts wissen: «Wir haben von den Absichten von Zalando gehört, es gibt jedoch keine Pläne, künftig H&M-Produkte auf Zalando zu verkaufen», heisst es auf Anfrage von 20 Minuten.
Trotz dieser vorläufigen Absage hält es Malte Polzin, Partner bei der Beratungsfirma Carpathia, durchaus für realistisch, dass dereinst tatsächlich auch Produkte von H&M oder Zara über Zalando verkauft werden. «Viele Marken konnten sich nur schwer vorstellen, ihre Produkte über Online-Marktplätze zu verkaufen», erklärt Polzin. Mittlerweile sei das normal.
Auf der chinesischen Plattform Tmall, die zum Alibaba-Konzern gehört, habe gar der US-Konkurrent Amazon einen eigenen Shop, da der US-Konzern in China alleine nicht genug Reichweite erzielen konnte. «Nicht jede Handelsmarke kann erfolgreich eine eigene Online-Plattform betreiben», so Polzin zu 20 Minuten.
400 Millionen Franken Umsatz in der Schweiz
In der Schweiz eröffnete H&M erst im Oktober 2015 einen eigenen Online-Shop, der im Vergleich zu anderen Sites eher rudimentär gestaltet ist. Bewertungen und Rezensionen von anderen Kunden für die Kleidungsstücke fehlen beispielsweise, und bezahlt werden kann ausschliesslich mit Visa- und Mastercard-Kreditkarten. Der spanische Konkurrent Zara verfügt hierzulande bereits seit einigen Jahren über einen eigenen Webshop.
Laut dem Marktforschungsunternehmen GfK wurden 2015 in der Schweiz insgesamt gut 9,4 Milliarden Franken im Bereich Mode umgesetzt, wobei die Umsätze in den vergangenen Jahren deutlich rückläufig waren. Klar gestiegen ist dabei der Anteil, der online erwirtschaftet wird. Laut GfK beträgt er rund 1,4 Milliarden Franken. Allein Zalando hat gemäss Schätzungen von Carpathia 400 Millonen Franken umgesetzt.