Weils schneller gehtZara und Shein fliegen tonnenweise Kleider als Luftfracht herum
Der Flugtransport ist teurer und verursacht 39-mal mehr CO2 als per Schiff. Doch die Fast-Fashion-Giganten wollen die Frequenz mit neuen Kollektionen hoch halten.
Darum gehts
Fast-Fashion-Grössen pfeifen beim Transport auf den Umweltschutz.
Ihre Kleider müssen schnell in die Läden.
Deshalb setzen sie auf den Lufttransport, wie eine NGO aufdeckt.
Die grössten Kleiderhändler Zara und Shein stehen für Ultra-Fast-Fashion. Zara bringt laut Studien 24 Kollektionen pro Jahr heraus. Damit die Mode nicht veraltet ist, wenn sie in den Läden oder bei der Kundschaft ankommt, pfeifen die Kleidergiganten auf den Umweltschutz.
Zara und Shein lassen darum tonnenweise Kleider in der Welt herumfliegen, wie die NGO Public Eye aufdeckt. Shein verschicke unzählige Pakete von China per Flugzeug weltweit. Doch bei keiner anderen Firma fand die NGO so viele Hinweise auf den Flugtransport wie beim Zara-Mutterkonzern Inditex.
Per Flugzeug von Asien nach Spanien und von dort in die Läden
Pro Jahr wurden allein für Inditex, den Mutterkonzern von Zara und viele andere Marken, rund 1600 Cargo-Maschinen am nordspanischen Flughafen Saragossa abgefertigt. Sie kommen laut Public Eye unter anderem von einer der 170 Partnerfabriken in Bangladesh oder aus anderen Produktionsländern in Asien, Nordafrika oder Südamerika.
Jeder Flieger transportiere dabei rund 100 Tonnen Textilien. Nach der Verarbeitung würden die Kleider von Spanien aus erneut quer durch die Welt geflogen, um die Tausenden, zum Inditex-Imperium gehörenden Läden zweimal die Woche mit neuer Ware zu beliefern.
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2022 produzierte Inditex mit 621’244 Tonnen Textilien eine neue Höchstmarke, zehn Prozent mehr als noch im Vorjahr. Saragossa wurde so zur Nummer zwei von Spaniens grössten Frachtflughäfen, 90 Prozent des Volumens entfallen dabei auf Inditex.
Mit dem Schiff würde es zwar deutlich länger dauern, dafür wäre es aber ungleich umweltfreundlicher und auch günstiger (siehe Box). Laut Public Eye verursacht ein Frachtflug auf einer Route von Asien nach Europa 39-mal mehr CO2-Emissionen als ein Containerschiff. Dabei gibt sich Zara gern als Klimaschutzvorreiter mit einer Reihe von Nachhaltigkeitsinitiativen und dem Ziel, bis 2040 netto null Emissionen zu erreichen.
34 Rappen Lohn pro T-Shirt
Seit Wochen demonstrieren Textilfabrik-Angestellte in Bangladesch für fairere Löhne. Der Durchschnittslohn einer Näherin beträgt dort rund 80 Franken pro Monat. Doch die Arbeitgeber blockieren und verweisen auf die niedrigen Einkaufspreise der internationalen Markenfirmen. Ein Zara-Hersteller verrechnet laut Public Eye rund 34 Rappen pro T-Shirt als Lohnkosten. Würden Zara und andere Modegiganten die teure Luftfahrt beenden, wären deutlich höhere Löhne möglich, so die NGO.
Zara verweist oft auf nahe Produktionswege in Europa und nutzt zwischen Polen und Frankreich auch Güterzüge. Doch die Hälfte der Produktion komme aus fernen Ländern und wenn der Transport in Europa nicht innerhalb von 36 Stunden mit dem Lastwagen möglich sei, komme auch hier das Flugzeug zum Einsatz, so Public Eye.
«Der Flugmode-Leader muss seine eigenen Nachhaltigkeitsziele endlich ernst nehmen und auf klimaschädliche Luftfracht verzichten», sagt Public-Eye-Sprecher Oliver Classen. Die NGO fordert dies auch in einer Petition.
Das sagt Zara
Bei der Pressestelle von Inditex heisst es auf Anfrage, dass die Firma hauptsächlich den See- und Strassentransport für die Ein- und Ausfuhr der Kleider nutze. Die Luftfracht sei hauptsächlich für interkontinentale Entfernungen reserviert, wenn andere Alternativen wie Zug- und Strassentransport nicht in Frage kämen.
Die Pressestelle räumt aber auch ein, dass die Seefracht nicht zeitsparend sei. Zara habe aber die Transportemissionen im Vergleich zu 2018 um 13 Prozent gesenkt. 2022 habe Inditex den Einsatz von Luftfracht um 25 Prozent reduziert.
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