Rücksende-PortoZara will Geld bei Retouren – «jetzt werden andere Händler nachziehen»
Kleider und Schuhe in mehreren Grössen bestellen und was nicht passt gratis zurückschicken – bei Zara geht das nicht mehr. Die Grünen fordern, dass Gebühren für Retouren verpflichtend werden.
Darum gehts
Die Post lieferte 2021 erstmals über 200 Millionen Päckli aus. Einen grossen Anteil der Päckli-Flut machen Retouren aus. Schweizerinnen und Schweizer sind laut einer Studie des Kurierdiensts DPD mit einer Quote von 27,1 Prozent Europameister beim Waren retournieren. Je nach Segment liegt der Retouren-Anteil höher, bei Fashion bis zu 60 Prozent, wie ZHAW-E-Commerce-Experte Darius Zumstein zu 20 Minuten sagt.
Zalando habe die Kundschaft mit den Gratis-Retouren dazu sozialisiert, Kleider in mehreren Grössen zu bestellen und das Unpassende zurückzuschicken. Umweltschützer kritisieren solche Geschäftsmodelle schon lange. Doch jetzt findet ein Wandel statt. Kleiderhändler Zara verlangt neu eine Gebühr für Retouren, wie die «Sonntagszeitung» schreibt.
2.95 Franken pro Päckli
Nur wer die Ware selber in den Laden von Zara zurück bringt, muss keine Gebühr in Höhe von 2.95 Franken zahlen. Dieser Betrag deckt die Kosten fürs Päckli aber nicht. Laut Zumstein zahlen Firmen zwischen zehn bis 20 Franken für die Bearbeitung von Retouren inklusive Prüfen und Neuaufbereiten oder Vernichten der Ware. Würden die Händler aber zehn Franken verlangen, ginge die Kundschaft zur Konkurrenz ohne Gebühren.
Mit den knapp drei Franken pro Retoure könne Zara aber zumindest einen Teil der Kosten decken. Das werde immer wichtiger, denn viele Händler hätten das Problem, dass die Ausgaben wegen der hohen Energiepreise steigen und gleichzeitig der Boom im Onlinehandel durch die Corona-Pandemie mittlerweile abgeflacht sei, so Zumstein.
«Wenn einer anfängt, ziehen die anderen mit»
Noch zeichnen sich laut Bericht bei Zalando (siehe Box) oder C&A keine solchen Gebühren ab. Doch der E-Commerce-Experte ist sich sicher, dass bald weitere Händler bei Produkten mit tiefer Marge mit neuen Gebühren fürs Retournieren nachziehen werden. «Wenn einer anfängt, ziehen die anderen mit. So wälzen sie die höheren Kosten unter dem Deckmantel des Umweltschutzes auf die Kundschaft ab», sagt Zumstein.
Zalando setzt auf Body Scans
Der Luzerner Grüne-Nationalrat Michael Töngi fordert in einer hängigen Motion, dass Händler zu genau so einer Gebühr verpflichtet werden. Entsprechend froh ist er über den Schritt von Zara. «Um unnötige Transporte und Retouren zu vermeiden, ist eine Rücksendegebühr der wichtigste Schritt», sagt Töngi zu 20 Minuten. Deshalb brauche es eine gesetzliche Vorschrift für alle Händler.
Höhe der Gebühr ist nicht entscheidend
Gratis sei die Retoure ohnehin nicht, da die Händler diese im Preis einberechneten. Zara sei mit den knapp drei Franken zwar am unteren Ende der Gebührenskala. Doch die Gebühr werde trotzdem Wirkung zeigen, weil die Höhe zweitrangig sei, wie Untersuchungen gezeigt hätten. So seien in Deutschland bei einer Gebühr von drei Euro die Rücksendungen um etwa 16 Prozent zurückgegangen, so Töngi.
Bei der NGO Public Eye ist man zufrieden über den Schritt, sieht das Rücksendeporto aber nur als Anfang, weil die Wurzel des Problems tiefer liege. Solange Händler wie Zara und Zalando von Fast Fashion statt langlebiger Mode leben, sei es kein Wunder, dass viele Käuferinnen und Käufer genauso wenig nachhaltig seien wie die retournierten Produkte, sagt David Hachfeld von der Clean Clothes Campaign der NGO.