Zürcher Start-up will mit Würmern Geld verdienen

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Abfall-RecyclingZürcher Start-up will mit Würmern Geld verdienen

Abfälle recyceln statt wegwerfen ist das Ziel von Wormup. Das Start-up hat dafür einen Wurm-Komposter für zu Hause entwickelt. Schon bald soll er in die Geschäfte kommen.

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Diese Tonne dient dem Kompostieren von Küchenabfällen. Entwickelt hat sie das Start-up Wormup.
So sieht die Tonne aus, wenn sie mit frischen Abfällen gefüllt ist.
Die Abfälle sind ein Festessen für die Würmer, die sie zu Dünger zersetzen.
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Diese Tonne dient dem Kompostieren von Küchenabfällen. Entwickelt hat sie das Start-up Wormup.

Wormup

Die Schweizer sind oft stolz auf ihr Recycling-Verhalten. Ob Flaschen oder Dosen, viele Wertstoffe werden hierzulande wiederverwertet. Trotzdem landen jedes Jahr über 500'000 Tonnen Bioabfall in den Mülltonnen der Haushalte. Das Problem: Viele Gemeinden bieten keine separate Abfuhr für Grünabfälle an. Gerade in urbanen Gegenden bleibt daher oft nichts anderes übrig, als den Abfall normal zu entsorgen.

Das Zürcher Start-up Wormup sagt dieser Verschwendung nun mit einem eigens entwickelten Wurmkompostier-System für den Haushalt den Kampf an. Der Bioabfall wird mit Hilfe von Regenwürmern zu einem mineralisch reichhaltigen Biodünger recycelt. Dieser kann dann für die eigenen Pflanzen auf dem Balkon oder im Innenhof verwendet werden und hilft diesen beim Wachstum.

Würmer übernehmen die Arbeit

Die Funktionsweise des Systems ist simpel. Organische Küchenabfälle wie Rüebli-, Kartoffel- oder Eierschalen sowie zum Beispiel Kaffeesatz werden in eine kleine Kompostiertonne gegeben. Nicht erlaubt ist beispielsweise Fleisch.

Die eigentliche Arbeit übernehmen dann die Würmer der Art Eisenia fetida. Sie sind auch unter dem Namen Kompost-, Mist- oder Stinkwurm bekannt und sind eine der in Europa am weitesten verbreiteten Arten der Regenwürmer. In der Natur findet man sie häufig unter verrottenden Pflanzen oder in Wiesenböden.

Tonne aus drei Etagen

Die Kompostiertonne, in der die Würmer leben, ist aus Ton und besteht aus drei separaten Kompostieretagen, einem Boden- und einem Deckelelement. Sie ist 35 Zentimeter hoch und hat einen Durchmesser von 40 Zentimetern. Innerhalb der Tonne wandern die Würmer immer in Richtung des frischen Abfalls.

Die Würmer fressen den Abfall und wandeln ihn geruchlos zum hochwertigen Dünger für die Balkon-Pflanzen um. Rund zwei bis drei Monate dauert das jeweils. Da die Tonne aus drei Etagen besteht, kann die unterste nach der Leerung einfach wieder oben aufgesetzt und mit neuem Abfall befüllt werden.

Im Schnitt werden die Würmer dabei zwei Jahre alt. Sie vermehren sich immer nur bis zur Erreichung der perfekten Bevölkerungsdichte des Systems – dies hält sich dann durch Absterben und Nachwuchs in der Balance. Eine Überpopulation verhindert sich auf natürliche Weise selbst.

Vier Personen stehen hinter Start-up

Hinter Wormup steht ein vierköpfiges Team aus drei Männern und einer Frau. Sarah Steiner ist verantwortlich für die strategische Ausrichtung des Start-ups und erklärt, dass das Kompostieren mit Würmern an sich nichts Neues sei und in vielen Ländern praktiziert werde. «Neu ist, dass wir ein System aus natürlichen Materialien entwickelt haben, das aufgrund seines ansprechenden Designs das Kompostieren auch im urbanen Haushalt salonfähig macht», so Steiner.

Um nach erfolgreicher Entwicklungphase nun die Produktion zu starten, haben die Jungunternehmer eine Crowdfunding-Kampagne auf Wemakeit.ch gestartet. 22 Tage vor Ablauf haben sie bereits 70'000 Franken gesammelt. Das Ziel von 32'000 Franken haben sie damit längst übertroffen, die erste Lieferung von 210 Wurmkompostern ist bereits ausverkauft. Im Rahmen dieser Aktion kostet ein Komposter mit Würmern 230 Franken.

Ziel sei es, die Komposter bis Ende Jahr im eigenen Online-Shop regulär verkaufen zu können. Das Starter-Kit Würmer gibt es dort bereits jetzt zu bestellen. Anfang 2017 sollen die Behälter auch in Geschäften erhältlich sein.

Die genaue Funktionsweise des Komposters zeigt folgendes Video:

WormUp wemakeit campaign from Erich on Vimeo.

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