Zwei verletzte Asylsuchende in Zürich«Ihnen ist es egal, sich selber und andere in Gefahr zu bringen»
Nach einem Sturz aus einem Fenster sind zwei abgewiesene Asylsuchende in Spitalpflege. Der Kanton übt heftige Kritik.
Darum gehts
- Zwei abgewiesene Asylsuchende sind am Mittwoch bei einem Sprung aus einem Fenster verletzt worden.
- Sie befinden sich in Spitalpflege.
- Der Kanton Zürich kritisiert das Verhalten von einzelnen Asylsuchenden in der Notunterkunft scharf.
An der Lagerstrasse in Zürich ist es am Mittwoch zu einem Rettungseinsatz gekommen. Das Bild eines Leser-Reporters zeigt mehrere Polizeiautos an der Ecke zur Langstrasse. Wie die Kantonspolizei Zürich auf Anfrage mitteilt, sind zwei Asylsuchende offenbar aus einem Fenster geklettert. Sie haben sich beim Sprung verletzt und mussten in Spitalpflege gebracht werden. Aufgrund ihres Verhaltens wurde zudem während dem Polizeieinsatz eine Person festgenommen. Die Ermittlungen laufen.
Der Vorfall ereignete sich im ehemaligen Pflegezentrum Erlenhof. Dieses wurde vom Kanton zu Beginn der Corona-Krise zu einem Notspital umfunktioniert. Dort sind derzeit abgewiesene Asylsuchende in Isolation oder Quarantäne. Insgesamt 16 Asylsuchende waren positiv auf das Coronavirus getestet worden. Zuvor waren sie im Durchgangszentrum Urdorf untergebracht.
20 Minuten konnte mit einem abgewiesenen Asylsuchenden sprechen, der momentan im Erlenhof lebt. «Ich habe geschlafen, als ich plötzlich Schreie hörte», erzählt er. Dann habe er erfahren, dass zwei Personen aus dem Fenster gestürzt sind. «Die beiden Kollegen sind freiwillig aus dem dritten Stock gesprungen, weil sie Angst hatten, wieder nach Urdorf zurückzukommen. Die Zustände dort sind menschenunwürdig. Es ist unser Horrorszenario.» Einer der beiden sei dabei schwer verletzt worden.
Straffällige Asylsuchende
Laut einer Mitteilung der Zürcher Sicherheitsdirektion vom Mittwoch handelt es sich bei den Bewohnern um abgewiesene, straffällige Asylbewerber. Zahlreiche von ihnen hätten zum Teil lange Haftstrafen verbüsst – etwa wegen Raub, Körperverletzung oder Gewalt und Drohung gegen Beamte. Seit sie in der Schweiz sind, seien sie wiederholt dadurch aufgefallen, dass sie sich an keine Regeln halten. Betroffen von gezielten Provokationen seien nicht zuletzt Mitbewohner und Betreuende.
«Dass sich mehrere der betroffenen Personen auch im Erlenhof um grundlegende Regeln und Schutzvorgaben foutieren, ist inakzeptabel», schreibt die Sicherheitsdirektion. Es sei ihnen offensichtlich egal, sich selber und andere in Gefahr zu bringen und im schlimmsten Fall auch Unbeteiligte anzustecken. Aufgrund des Verhaltens mehrerer der abgewiesenen Asylbewerber sei im Erlenhof eine starke Polizeipräsenz nötig.
«Erlenhof ist kein rechtsfreier Raum»
«Die Sicherheitsdirektion verurteilt das Verhalten aufs Schärfste. Der Erlenhof ist kein rechtsfreier Raum», heisst es weiter. Zusammen mit den beteiligten Partnern werde das kantonale Sozialamt dafür sorgen, dass die Schutzmassnahmen von allen Beteiligten eingehalten werden. Im Erlenhof sei die medizinische Versorgung zu jedem Zeitpunkt sichergestellt. Die Bewohner würden professionell betreut und verpflegt.