«Die Ohrfeige brennt mir noch auf der Backe»

Aktualisiert

Minarett-Verbot«Die Ohrfeige brennt mir noch auf der Backe»

Gerade für die jungen Schweizer Muslime ist das gestrige Abstimmungsresultat eine herbe Enttäuschung. Stellvertretend für die im Land geborene und aufgewachsene Generation äusserte sich Soulsängerin Emel im Gespräch mit 20 Minuten Online.

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20 Minuten Online: Emel, als junge Muslimin betrifft dich das Abstimmungsresultat wohl stärker als andere. Wie ist deine Reaktion auf die Annahme der Stopp-Minarett-Initiative?

Emel: Ich bin total frustriert. Ich rechnete fest damit, dass sie abgelehnt wird. Diese Ohrfeige brennt mir immer noch auf der Backe. Dabei ging es gar nicht um Minarette, sondern um das Ansehen der Leute. Für die in der Schweiz lebenden Muslime, die sich integriert haben, ist das Abstimmungsresultat eine krasse Ohrfeige. Und den Extremisten wiederum – all den Radikalkonservativen und Hetzern – denen wurde jetzt ein weiterer Grund geliefert, dass sie sagen können: «Seht nun, wie der Westen uns behandelt!» Ich bin wahrhaft enttäuscht von der Schweiz und frage mich nun, ob die humanitäre Tradition in der Schweiz offenbar passé ist. All die Werte, die mein Vater an der Schweiz liebte, die ihn motivierten, sich gänzlich zu integrieren, diese Werte werden nun in Frage gestellt. Nun darf sich die Schweiz wahrlich nicht mehr anmassen, mit dem Finger auf andere zu zeigen.

Ziehst du unmittelbare Konsequenzen?

Ich frage mich, ob die erbrachten Integrationsbemühungen von den in der Schweiz lebenden Muslimen nicht wahrgenommen werden. Es ist enttäuschend, dass so viele den Lügen der Initianten Glauben geschenkt haben. Eine Ablehnung der Initiative wäre ein schönes Zeichen gewesen, den Graben etwas zu verkleinern.

Was würdest du denen sagen, die «Ja» gestimmt haben?

Aber die sollen das selbst im Gebet mit Gott ausmachen, ob sie richtig gehandelt haben oder nicht. Es wäre auf jeden Fall ein Akt der Menschlichkeit gewesen, die Initiative abzulehnen.

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