Fragwürdige TherapieDrogenpilze sollen beim Rauchstopp helfen
Trotz gutem Willen fällt es vielen schwer, die Finger dauerhaft von Zigis zu lassen. Nun melden Forscher, dass der halluzinogene Stoff der Magic Mushrooms Abhilfe schaffen könnte.
Schon zwei oder drei Erfahrungen mit Magic Mushrooms hälfen Rauchern, ihre Sucht aufzugeben. Das berichten Forscher der Johns Hopkins Universität in Baltimore im «Journal of Psychopharmacology».
Für ihre Studie hatte das Team um Matthew Johnson Freiwilligen dreimal eine Tablette mit Psilocybin verabreicht, dem halluzinogenen Stoff, der auch in Magic Mushrooms enthalten ist. Alle Teilnehmer waren um 50 Jahre alt und rauchten seit mehr als 30 Jahren rund 20 Zigaretten täglich. Weitere Gemeinsamkeit: Alle hatten mindestens sechsmal versucht, vom Nikotin loszukommen.
Halluzinogene Kombi-Therapie
Bekamen die Teilnehmer beim ersten Mal eine moderate Dose des berauschenden Stoffs (20mg/70 kg Körpergewicht), erhielten sie die beiden weiteren Male eine etwas höhere Dosis (30mg/70kg Körpergewicht). Die Abstände zwischen den Sitzungen betrugen jeweils acht Wochen.
Zusätzlich nahmen die Teilnehmer an einer kognitiven Verhaltenstherapie teil, die ihnen helfen sollte, das Rauchen aufzugeben. Dazu gehörten Eins-zu-eins-Sitzungen. Ausserdem wurden sie dazu angehalten, ein Tagebuch zu führen, in dem sie notieren sollten, in welchen Situationen ihnen besonders nach einer Zigarette war.
Forscher warnen vor Selbsttherapie
Nach sechs Monaten hatten 80 Prozent der Teilnehmer von den Glimmstängeln Abstand genommen - und damit deutlich mehr als bei anderen Therapieformen. Ob die Probanden ihren Erfolg aber tatsächlich dem halluzinogenen Wirkstoff verdanken, ist unklar. Denn eine Kontrollgruppe habe es nicht gegeben. Zudem handele es sich um eine vergleichsweise kleine Studie, so die Forscher in einer Mitteilung. Deshalb brauche es weitere Studien, um zu einem finalen Urteil kommen zu können.
Raucher, die aufhören wollten, sollten sich deshalb nicht auf die Suche nach Magic Mushrooms machen und versuchen, sich selbst zu therapieren. Denn die richtige Dosierung sei schwierig. Zudem fällt Psyilocybin in vielen Ländern - darunter auch in der Schweiz - unter das Betäubungsmittelgesetz. Hierzulande sind der Handel, die Lagerung, die Aufzucht und der Besitz verboten.