Projekt BiostasisUS-Militär sucht Pausen-Knopf für Menschenleben
Um die Überlebenschancen verwundeter Soldaten zu erhöhen, hat das US-Militär ein ehrgeiziges Projekt gestartet. Als Vorbild dient das Bärtierchen.
Werden Soldaten auf dem Schlachtfeld verwundet, hängen ihre Überlebenschancen entscheidend davon ab, wie schnell sie medizinisch versorgt werden können. Doch im Gefecht lässt medizinisches Personal oft auf sich warten. Deshalb suchen US-Forscher nach neuen Wegen, um für verletzte Soldaten mehr Zeit zu gewinnen. Dabei lassen sie sich von den winzigen Bärtierchen (Tardigrada) inspirieren, wie Livescience.com schreibt.
Diese weniger als einen Millimeter grossen achtbeinigen Tiere sind wahre Überlebenskünstler. Sie überstehen Kälte, Trockenheit und extreme Strahlung. Das schaffen sie, indem sie in den Zustand der Kryptobiose übergehen. Sämtliche Stoffwechselprozesse werden dabei praktisch angehalten, ohne dass ihre Organe Schaden nehmen.
Programm Biostasis
Diesen Prozess möchte die US-Rüstungsagentur Darpa nun auf den Menschen übertragen. Neue Behandlungsmethoden sollen es künftig erlauben, die Stoffwechselvorgänge so stark zu verlangsamen, dass der Verwundete in einen Kryptobiose-ähnlichen Zustand übertritt. Die Darpa schreibt in einer Mitteilung, Ziel des Programms Biostasis sei es, «Leben zu verlangsamen, um Leben zu retten». Vereinfacht gesagt, soll auf Knopfdruck das Leben pausiert werden.
Laut Programmleiter Tristan McClure-Begley ist das Leben ein ständiger Prozess biochemischer Vorgänge, die von molekularen Maschinen angetrieben werden. «Unser Ziel ist es, diese molekularen Maschinen zu kontrollieren und alle im gleichen Masse abzubremsen, sodass wir das gesamte System sanft verlangsamen können.» Auf diese Weise soll verhindert werden, dass der Organismus Schaden nimmt, wenn der Eingriff rückgängig gemacht wird oder der Effekt nachlässt.
Noch ist das aber Zukunftsmusik. Die Forscher wollen in einer ersten Phase herausfinden, wie sich die biochemischen Vorgänge in den Zellen und im Gewebe verlangsamen lassen. Anschliessend sollen diese Prozesse auf einen ganzen Organismus angewendet werden. Einen Zeitrahmen für das Programm hat die Darpa nicht angegeben.
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