VorsichtFür Igel sind Halloween-Kürbisse ein echter Horror
Kunstvoll geschnitzte Kürbisse sind die ultimativen Vorboten von Halloween. Doch sie verbreiten nicht nur freudvollen Grusel, sondern können auch den Tod bringen.
Darum gehts
- Rund um Halloween trifft man draussen neben Schnitzkürbissen auch Igel an.
- Kürbisse sind für Igel ungesund. Sie könnten diese fressen und verhungern.
- Deshalb raten Fachleute, die beliebte Halloween-Deko ausser Reichweite der Tiere aufzustellen.
Für viele Menschen bedeutet Halloween das Schnitzen von Kürbissen und das Hochfahren der alljährlichen Kürbissuppen-Produktion. Für die Kleinen unter uns ist es vor allem das Verkleiden und der Ausruf «Süsses oder Saures». Für Igel dagegen beginnt in diesen Tagen und Wochen der Kampf ums Überleben.
Die kleinen Säuger müssen sich im Oktober auf ihren Winterschlaf vorbereiten, den sie zwischen November und März halten. Das heisst: Sie müssen sich in dieser Zeit Winterspeck anfuttern, von dem sie während der Zeit im selbstgebauten Nest zehren. Die von den Menschen auf Terrassen und vor Haustüren aufgestellten Kürbisse können da zum Problem werden.
Warum sind Halloween-Kürbisse für Igel ein Problem?
Igel können von den aufgeschnittenen und ausgehöhlten Kürbissen angelockt und von ihrer eigentlichen Nahrung abgelenkt werden. Denn die stacheligen Wildtiere sind keine Vegetarier. Sie brauchen tierisches Eiweiss. Auf ihrem Menü stehen Käfer, Larven, Schmetterlingsraupen, Heuschrecken, Ohr- und Regenwürmer sowie Tausendfüsser. Hin und wieder futtern sie auch Schnecken. Mitunter machen sie sich auch über Aas und Eier von bodenbrütenden Vögeln oder andere tierische Kost her.
Pflanzliches steht bei Igeln nicht auf dem Plan. Das können sie nämlich aufgrund der Kürze ihres Darms nicht richtig verwerten. Sie ziehen keinerlei Kalorien daraus und können ihr für den Winterschlaf wichtiges Fettdepot nicht auffüllen, teilt der Info-Account «Igel & Co’s nachhaltig unterstützen» auf Facebook mit. Das Ergebnis sei unschön: «Sie haben einen gefüllten Magen und sind satt, sie verhungern mit vollem Bäuchlein, da sie dann nichts anderes mehr futtern.»
Auch Kerzen in den Kürbissen werden als problematisch beschrieben. Warum?
Laut den Account-Verantwortlichen können die Schnäuzchen der Igel bei einer Annäherung «schnell in Flammen aufgehen und der ganze Igel brennt lichterloh.» Julika Fitzi, Leiterin Fachstellen Tierversuche und Tierärztliche Beratungsstelle beim Schweizer Tierschutz STS, sieht diese Gefahr indes nicht: «Ob ein Igel tatsächlich an einen Kürbis geht, in dem eine Kerze steckt, die ja Wärme absondert und sich dann die Nase verbrennt oder gar lichterloh in Flammen aufgeht, das kann ich mir nicht gut vorstellen.» Ausschliessen, dass das schon einmal vorgekommen sei, möchte sie aber auch nicht. Fitzi betont, dass die Gefahr durch die Kürbisse selbst grösser sei.
Wie bekomme ich Kürbisdeko und Igel-Überleben unter einen Hut?
Wer die Igel schützen möchte, muss auf Kürbisdeko nicht verzichten: Die geschnitzten Werke sollten einfach so platziert werden, dass die Tiere nicht daran kommen. Also in der Höhe. Das löst auch das potenzielle Kerzenproblem.
Was kann ich tun, wenn ich Igel vor dem Winterschlaf unterstützen möchte?
Dann solltest du eine igelfreundliche Umgebung schaffen, empfiehlt Fitzi. Dann finden sie Futter und Versteckmöglichkeiten. Die Umgebung sollte laut Igelzentrum.ch kleinräumig und abwechslungsreich sein. In der Regel bedeutet das, für mehr Natur rund ums Haus zu sorgen. Das heisst zum Beispiel: Das Laub im Herbst nicht entfernen, sondern es in einer Ecke zu einem Haufen aufgeschichtet liegen lassen. Das Gleiche gilt für Totholz. Auf der Terrasse bieten sich Töpfe mit Wildblumen an.
Wer einen Garten hat, sollte auf möglichst viele einheimische Strauch- und Baumsorten achten, auf Insektizide sowie auf sogenannten englischen Rasen verzichten und stattdessen einen bunten Blumenrasen wachsen lassen. Ebenfalls positiv wirkt sich das Ausschalten von unnötiger nächtlicher Beleuchtung rund ums Haus aus. Zudem sollte auf Laubbläser und Mähroboter verzichtet werden. «Sie sind die grössten Feinde von Igeln», erklärt Fitzi. Ebenfalls verzichten sollte man auf den Einsatz von Schneckenkörnern.
Warum sollte man keinen Futternapf rausstellen?
Igel sollten nur im Ausnahmefall gefüttert werden. Denn was vom Menschen gut gemeint ist, könnte bei den Tieren zu Problemen führen, wie das Igelzentrum schreibt:
- Im Spätherbst und im Winter gefütterte Igel gehen eventuell nicht in den Winterschlaf. Der Winterschlaf ist wichtig, er gehört zum normalen Zyklus unserer heimischen Igel.
- Unsachgemäss eingerichtete Futterstellen ziehen Füchse, Katzen, Ratten und Mäuse an.
- Verschmutzte Futterstellen sind ein Risiko für die Übertragung von Krankheiten von Igel zu Igel.
- Kein Ersatzfutter ist für Igel so bekömmlich wie seine natürlichen Beutetiere. So eignet sich auch Katzenfutter nur für eine kurzfristige Fütterung. Wird Ersatznahrung längerfristig à discrétion zur Verfügung gestellt, kann es bei diesen Tieren mit der Zeit zu grossen gesundheitlichen Störungen kommen. Mögliche Folgen sind Verdauungsstörungen, Pankreas-, Leber- und Nierenerkrankungen, Adipositas oder Zahnsteinbildung (mit allenfalls vollständigem Zahnverlust).
Hast du dieses Jahr schon einen Kürbis geschnitzt?
Wissen-Push
Keine News mehr verpassen
Erhalte das Wichtigste kurz und knapp täglich direkt in dein Postfach.
Fee Anabelle Riebeling (fee) arbeitet seit 2014 für 20 Minuten. Sie ist stv. Leiterin Wissen/AI, Data und Leiterin des Fachgremiums Faktencheck & Verifikation.
