Mutterkühe: Sicherheitstipps nach Angriff in Tarasp

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Tarasp GR«Frau hatte grosses Glück, dass die Kühe aufhörten»

Nach dem schweren Angriff in Tarasp GR gibt ein Experte wertvolle Tipps zum sicheren Umgang mit Mutterkuhherden.

Darum gehts

  • In Tarasp wurde eine 55-jährige Frau schwer verletzt, als sie von Mutterkühen angegriffen wurde, nachdem ihre Hunde in die Herde sprangen.
  • Ein Experte betont die Wichtigkeit, Hunde in der Nähe von Mutterkühen immer an die Leine zu nehmen und sich bei Anzeichen von Unruhe der Kühe langsam zurückzuziehen.
  • Durch Vorsicht und Beachtung der Verhaltensregeln können solche Unfälle vermieden werden.

Am Mittwoch wurde eine 55-jährige Frau gegen 16 Uhr in Tarasp GR von Mutterkühen angegriffen, als ihre Hunde in eine Kuhherde sprangen und sie ihnen folgte. Schwer verletzt wurde sie von Rettungskräften versorgt und ins Kantonsspital Graubünden geflogen. Die Polizei ermittelt nun.

Nach dem tragischen Vorfall in Tarasp stellt sich die Frage, wie man sicher an Mutterkuhherden vorbeigeht und was zu tun ist, wenn man von einer Kuh attackiert wird. Christian Manser, Experte für Rinderverhalten, gibt wertvolle Tipps zum Umgang mit Mutterkühen.

«Die Frau hatte grosses Glück»

Mutterkühe zeigen eher Aggressionen, weil sie ihre Kälber schützen wollen. Sie betrachten Menschen und vor allem Hunde als Bedrohung. Hunde, unabhängig von ihrer Grösse, können durch ihre schnellen Bewegungen Mutterkühe verunsichern und Aggressionen auslösen.

Mutterkühe hören in der Regel erst nach einer gewissen Zeit auf anzugreifen, auch wenn ihr Feind bereits am Boden liegt. Es geht in manchen Fällen bis zu 30 Minuten, bis sich der Hormonspiegel der Kuh wieder gesenkt hat und sie sich wieder beruhigt. «Diese Frau hatte somit grosses Glück, dass die Kühe aufhörten, als sie am Boden lag», meint Christian Manser.

Christian Mansers Verhaltenstipps

  • Vorsicht bei Mutterkuhherden: Sobald man einer Mutterkuhherde begegnet, sollte man aufmerksam bleiben und die Körpersprache der Kühe beobachten. Erste Anzeichen von Nervosität bei den Kühen sind das Aufhören mit dem Fressen, ein erhöhter Kopf, gespitzte Ohren, stechende Augen und Scharren mit dem Vorderfuss.
  • Hunde an die Leine nehmen: Hunde sollten in der Nähe von Kühen immer an die Leine genommen werden, um plötzliche Bewegungen zu vermeiden, die Kühe verunsichern könnten.
  • Rückzug bei Anzeichen von Unruhe: Sobald man Anzeichen von Unruhe bei den Kühen bemerkt, zieht man sich am besten langsam und ruhig zurück.
  • Angriffe vermeiden: Grundsätzlich gilt, man sollte es gar nie erst zu einem Angriff kommen lassen. Kühe sind grundsätzlich Fluchttiere, aber wenn sie angreifen, ist es fast unmöglich, sie wieder beruhigen zu können.

Bist du auch schon in eine unangenehme Situation mit Kühen gekommen?

Was, wenn es doch zu einem Angriff kommt?

Sollte es dennoch zu einem Angriff kommen, ist es wichtig zu wissen, dass wenig Chance besteht, diesen abzuwenden, sobald die Kuh aggressiv ist. «In diesem Falle hilft es nur noch, sich schnellstmöglich in Sicherheit zu bringen, beispielsweise hinter einen Zaun zu springen», sagt Manser.

Ist die Anzahl der Angriffe von Kühen auf Menschen tendenziell steigend?

«Durch intensive Aufklärungsarbeit in den letzten Jahren sind Wanderer und Hundehalter vorsichtiger geworden», so der Experte. Die Zahl schwerer Unfälle konnte dadurch niedrig gehalten werden. Dennoch sollten alle, die in Gebieten mit Mutterkuhherden unterwegs sind, aufmerksam bleiben und die Verhaltensregeln beachten.

Was kann die Mutterkühe zusätzlich verunsichern?

Mit der Zunahme von Mutterkuhherden und der Anwesenheit von Wölfen ist es umso wichtiger, diese Vorsichtsmassnahmen ernst zu nehmen. Mutterkühe können durch Wolfskontakt zusätzlich aufgewühlt werden, was die Gefahr von Angriffen erhöht.

Manser meint ausserdem: «In den letzten paar Jahren ist auch die Anzahl der Wanderer und Biker stark angestiegen.» Trotzdem blieb es bei Ausnahmefällen, wenn es dazu kommt, dass eine Kuh einen Menschen angreift. «Diese Zahl konnte nur deshalb so tief gehalten werden, weil man die Bevölkerung präventiv aufgeklärt hat und die Aufmerksamkeit der Wanderer und Biker in den letzten Jahren gestiegen ist», sagt Manser abschliessend.

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