St. Gallen«Die Rattenplage spitzt sich zu»: SVP-Politikerin schlägt Alarm
Auf dem Kornhausplatz tummeln sich immer öfter Ratten – sogar am hellichten Tag. SVP-Politikerin Esther Granitzer ist besorgt und fordert Massnahmen.
Darum gehts
- Die SVP-Politikerin Esther Granitzer warnt vor einer zunehmenden Rattenplage in St. Gallen.
- Sie sieht besonders rund um den Kornhausplatz beim Bahnhof viele Ratten – auch tagsüber.
- Granitzer fordert strengere Abfallkontrollen, Bussen fürs Füttern und moderne Ködersysteme.
- Als beste Lösung schlägt sie Fruchtbarkeitshemmer für Ratten vor.
- Pontera Schädlingshilfe bestätigt: Schlechte Abfallentsorgung und viele Menschen ziehen Ratten an.
- Ratten übertragen selten Krankheiten, können aber für Ekel und Unsicherheit sorgen.
Die St. Galler SVP-Stadtparlamentarierin Esther Granitzer warnt vor einer zunehmenden Rattenplage und fordert Massnahmen vom St. Galler Stadtrat. Der Titel ihres politischen Vorstosses: «Die Rattenplage spitzt sich zu».
Ratten und Weltkulturerbe – das passt nicht zusammen
«Wer als Tourist ankommt und zuerst Ratten sieht, hat einen schlechten ersten Eindruck.» Das schade dem Ansehen der Stadt – besonders, weil sich St. Gallen als Weltkulturerbe-Stadt präsentieren wolle.
Granitzer wurde durch eigene Beobachtungen alarmiert. «Ich sehe immer wieder Ratten auf dem Kornhausplatz beim Bahnhof – sogar tagsüber zwischen den essenden Personen auf den Bänken», sagt sie. Für sie ist das ein Hinweis auf eine stark gewachsene Population.
Anti-Baby-Pille für Ratten
Sie fordert strengere Kontrollen bei der Abfallentsorgung, Bussen für illegale Fütterung und moderne Köderstationen. Die «Anti-Baby-Pille» hält sie für die beste Lösung: «Fruchtbarkeitshemmer sind die ethischste Lösung. Sie verhindern Nachwuchs, ohne die Tiere zu töten.»
Die Rattensituation auf dem Kornhausplatz sei auffällig, bestätigt die Firma «Pontera Schädlingshilfe». «Bahnhofsnahe Orte mit vielen Passanten und schlecht entsorgten Essensresten bieten ideale Bedingungen für Ratten.» Häufen sich Sichtungen, deutet das auf eine höhere Population hin.
Die Stadtpolizei St. Gallen gibt keine Auskunft zur aktuellen Situation. Während der laufenden Interpellation hat das Parlament das erste Informationsrecht.
«Essensreste wirken wie ein Magnet»
Ratten seien zwar nachtaktiv, doch Sichtungen am Tag seien ein Warnzeichen. «Das deutet auf eine Überpopulation oder gestörte Rückzugsorte hin – etwa durch Bauarbeiten», sagt die Schädlingshilfe Pontera.
Als Hauptursachen für vermehrte Rattensichtungen im urbanen Raum gelten unkontrollierte Abfälle, Störungen in der Kanalisation und bei Rückzugsorten, milde Winter, die das Überleben erleichtern, sowie das Füttern von Tieren. «Essensreste wirken wie ein Magnet.»
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Ratten können Krankheiten übertragen
Auch gesundheitlich sieht Granitzer Risiken: «Ratten übertragen Krankheiten und können beissen.» Als Ärztin sei ihr der Schutz der Bevölkerung besonders wichtig.
Ratten können Krankheiten wie Leptospirose, Hantaviren oder Salmonellen übertragen. In der Schweiz seien direkte Übertragungen oder Rattenbisse selten. «Das grösste Risiko liegt im indirekten Kontakt – etwa über verschmutzte Böden oder verunreinigte Lebensmittel», so «Pontera Schädlingshilfe». Auch psychische Belastungen wie Ekel oder ein Gefühl der Unsicherheit seien nicht zu unterschätzen.
Massnahmen:
- Köderstationen mit gesicherten Rodentiziden
- Lebendfallen oder Schnappfallen
- Prävention durch Abdichtung, Abfallmanagement und Aufklärung
Wichtig sei eine Kombination aus Kontrolle, Bekämpfung und baulicher Vorsorge: regelmässige Kontrollen durch Fachleute, Versiegelung von Zugängen (Schächte, Lücken, Müllräume), Aufklärung der Bevölkerung, Koordination mit SBB, Stadt und Reinigungsteams, so die Schädlingshilfe.
Anti-Baby-Pille keine sichere Option
Zur Anti-Baby-Pille für Ratten sagt die Firma: Es gebe solche Ansätze (etwa mit Wirkstoffen wie Contra-Pest). In der Schweiz seien sie aber nicht flächendeckend zugelassen oder verfügbar. Zudem sei die Wirksamkeit in offenen Systemen wie Bahnhöfen schwer kontrollierbar.

Lisa-Marie Käbisch (lmk) arbeitet seit 2024 für 20 Minuten. Sie ist Praktikantin im Ressort Ostschweiz.
