Gebürtiger AlbanerTiktok-Star Artan: «Werde täglich auf der Strasse angesprochen»
Artan ist auf Tiktok mit lustigen Videos bekannt geworden. Der gebürtige Albaner ist aber auch leidenschaftlicher Musiker. Im Interview spricht er über Viralität, seine Kindheit und Hater.
Darum gehts
- Artan ist durch seine Comedyvideos auf Tiktok bekannt geworden und hat über 20'000 Fans.
- Sein Format «Nöd Mis Business» ist besonders beliebt und erfordert nur wenige Minuten Vorbereitung.
- Artan nutzt Tiktok auch zur Promotion seiner Musik, die er auf Albanisch veröffentlicht.
Dank seiner Comedyvideos ist Artan auf Tiktok zu einem Star geworden. «Ich werde mittlerweile täglich auf der Strasse angesprochen und nach Fotos gefragt», erzählt er im Interview mit 20 Minuten. Der 22-Jährige wollte schon immer auf der Bühne stehen. Seine Leidenschaft: Musik. Den ersten Song nahm er vor drei Jahren auf. «Ich habe ein Ventil gebraucht, um meine angestauten Gefühle rauszulassen», erinnert sich der Künstler.
Damals nutzte Artan Tiktok als Promo-Tool für seine Musik. «Der Content hat aber nicht wirklich funktioniert. Ich merkte, dass ich die Leute auf der App anders erreichen muss», erzählt er. So entstand im Februar 2024 sein erstes virales Video, in dem er diverse Dinge aufzählte, die ihn nicht interessieren. Das «Nöd Mis Business»-Format ist heute eines der beliebtesten auf seinem Account. «Pro Video brauche ich höchstens ein paar Minuten. Ich rede einfach frei in die Kamera und poste es direkt», meint er.
Artan fühlt sich dank Tiktok verstanden
Unterdessen hat er auf der App über 20 Tausend Fans, die ihn für seine ehrliche Art und unter anderem Kooperationen mit Coop feiern. «Zum ersten Mal wurde ich an einer Tankstelle erkannt. Da habe ich realisiert, dass hinter den Zahlen auf meinen Videos echte Menschen stecken», erinnert er sich. Anfangs war es ein ungewohntes Gefühl: «Plötzlich hatte ich den Eindruck, ständig unter Beobachtung zu stehen – als wäre ein Scheinwerfer auf mich gerichtet.» Mittlerweile freut er sich aber immer, wenn ihn Leute aus seiner Community ansprechen.
Von seinen Zuschauerinnen und Zuschauern fühle er sich verstanden. «Ich bin ein extrem mitteilungsbedürftiger Mensch. Dank Tiktok bekam ich das Gefühl, dass mir Leute endlich zuhören», so der Content Creator. Während sich andere durch Fame verlieren, hatte er bei Artan den gegenteiligen Effekt: «Ich konnte mich endlich so zeigen wie ich bin. Ich war noch nie so fest ich selbst wie jetzt, weil ich mich nun bestätigt in meiner Art fühle.» In seiner Kindheit habe er sich stattdessen oft unverstanden gefühlt.

Artan hatte schon immer eine kreative Ader. In der Schulzeit stand er gerne im Rampenlicht: «Ich war der Klassenclown und wurde oft vor die Türe geschickt. Das war mir aber egal, solange ich Leute zum Lachen bringen konnte.» Obwohl er sich mit den meisten Mitschülerinnen und Mitschülern gut verstand, hatte er Probleme damit, sich zu öffnen. «Ich glaube, das kommt von meiner Herkunft. Unter Albanern ist es sehr wichtig, dass man nach aussen ein perfektes Bild abgibt und nicht aus der Reihe tanzt.»
«Meine Mutter redet so viel wie ich und von meinem Vater habe ich den Sinn für Humor.»
Von seiner Familie wurde er aber stets unterstützt. «Ich bin selten sprachlos. Meine Mutter redet so viel wie ich und von meinem Vater habe ich den Sinn für Humor», meint Artan. Und auch sonst bekomme er fast ausschliesslich positives Feedback für seinen Content. «Haterkommentare blockiere ich konsequent. Auf meinem Profil gelten schliesslich meine Hausregeln.»
Obwohl der gebürtige Albaner unterdessen dank Kooperationen auf Social Media Geld verdient, setzt er auch weiterhin auf seine Musik. «Ich bin kein Fan von Schubladen und sehe mich weder als Musiker, Influencer noch als Tiktoker. Ich bin einfach Künstler», meint er.
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Bald möchte Artan seine erste EP releasen
Zuletzt releaste er das Lied «Nu ke pas faj» (deutsch: «Du bist nicht Schuld»). «Der Song thematisiert eine zerbrochene Liebesbeziehung – den inneren Konflikt zwischen dem Wunsch, die Liebe zurückzugewinnen, und dem eigenen Stolz, der dem im Weg steht», verrät er. Anders als auf Tiktok, könne er in seinen Texten seine Gefühle verarbeiten. «Viele auf Tiktok wissen gar nicht, dass ich Musik mache», fügt er an. Einen Grund dafür sehe er in der Sprache.
Artans Songs sind auf Albanisch, seine Fans auf Tiktok verstehen die Texte zu einem Grossteil nicht. Vielleicht werde er einmal einen Schweizerdeutschen Song releasen: «Ich habe bereits Schweizerdeutsche Lieder geschrieben. Spätestens nächstes Jahr will ich meine erste EP herausbringen. Dabei hilft mir mein Producer Nasty Music, der gleichzeitig mein musikalischer Mentor ist.»
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Leonie Projer (pro), Jahrgang 1997, ist stellvertretende Leiterin im Ressort People. Ihre ersten journalistischen Erfahrungen sammelte sie bei Tele M1 und «ArgoviaToday».
