Rossbollen vor der Tür«Ich muss das Geschäft meines Hundes auch beseitigen»
Ein Hundebesitzer regt sich über liegengelassenen Pferdemist vor seinem Haus auf. Während Hundekot aufgenommen werden muss, fehlen für Pferde vielerorts klare Regeln.

Darum gehts
- Ein Hundebesitzer ärgert sich über Pferdemist vor seinem Haus.
- Hundehalter müssen den Kot ihrer Tiere entfernen, für Pferde gibt es vielerorts keine Regeln.
- Die Verantwortung für die Regelung liegt bei den Kantonen und Gemeinden.
- Pferdemist wurde historisch als Dünger geschätzt, Hundekot hingegen ist gefährlich für Nutztiere.
«Da kommst du nach Hause und findest das vor», schreibt ein Mann aus dem Kanton Aargau auf Facebook zu einem Bild, das er offenbar vor seiner Haustür aufgenommen hat. Mitten auf der asphaltierten Strasse liegen mehrere Haufen Pferdeäpfel.
«Wenn mein Hund sein ‹Geschäft› verrichtet, bin ich gesetzlich verpflichtet, es zu entfernen und korrekt zu entsorgen. Doch wenn ein Pferd vor mein Haus macht, scheint es dem Halter buchstäblich sche***egal zu sein», heisst es weiter.
Offenbar gelten – je nach Tierkot – unterschiedliche Regeln. 20 Minuten hat sich erkundigt, woran das liegt.

Regeln sind Sache der Kantone und Gemeinden
Welche Tiere ihren Kot aufgelesen bekommen müssen, entscheiden die Kantone und Gemeinden. Auf Bundesebene gibt es keine Vorschrift zur Entfernung von Hunde- oder Pferdekot im öffentlichen Raum. Das teilt das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) auf Anfrage von 20 Minuten mit.
Im Aargau schreibt die «Verordnung zum Hundegesetz» vor: In Siedlungen, auf Wegen und in Landwirtschaftsgebieten muss Hundekot aufgenommen und entsorgt werden. Eine entsprechende Regelung für Pferdekot gibt es aber nicht.

Im Oberen Fricktal muss man putzen
«Es gibt aber Gemeinden, welche die Beseitigung von Pferdemist explizit in ihren Polizeireglementen regeln», heisst es vom zuständigen Departement des Kantons Aargau auf Anfrage von 20 Minuten.
So ist beispielsweise im Polizeireglement der Regionalpolizei Oberes Fricktal festgehalten, dass Reiter und Halter von Pferden verpflichtet sind, «den anfallenden Pferdemist einzusammeln und vorschriftsgemäss zu entsorgen.»
«Es ist schwierig, Halter ausfindig zu machen»
Ein grosses Problem scheinen Rossbollen dort aber nicht zu sein: «Wir hatten bis jetzt nicht viele Meldungen über liegengebliebenen Pferdemist», sagt Daniel Meier, Polizeichef-Stellvertreter der Regionalpolizei Oberes Fricktal, zu 20 Minuten.
«Würden wir jemanden erwischen, hätten wir die Möglichkeit, den Pferdehalter mit einer Ordnungsbusse zu belegen.» Stelle man Pferdemist irgendwo fest, sei es schwierig, den entsprechenden Halter im Nachhinein ausfindig zu machen, so Meier.
«Pferdekot ist ein ausgezeichneter Pflanzendünger»
Im Nachbarkanton Solothurn äussert sich das Amt für Landwirtschaft klar:
«Hundekot ist im öffentlichen Raum immer aufzunehmen und fachgerecht zu entsorgen.» Für Pferde gibt es hingegen keine Empfehlung oder Regel des Kantons.

Die unterschiedlichen Regeln lassen sich wahrscheinlich auch historisch begründen: «Pferdekot ist ein ausgezeichneter Pflanzendünger», sagt Chantal Ritter, Kantonstierärztin des Kantons Solothurn, zu 20 Minuten. Deshalb sei liegengebliebener Mist nie ein Problem gewesen.
«Die Rosenbesitzer waren dankbar für Pferdemist vor der Haustüre.» Habe ein Pferd sein Geschäft auf der Strasse verrichtet, seien die Leute mit der Schaufel gekommen und haben den Mist in ihren Garten gebracht. Deshalb blieb dieser nicht auf der Strasse liegen.
Regst du dich über Rossbollen auf der Strasse auf?
Hundekot kann Nutztiere krank machen
Hinzu kommt auch der gesundheitliche Aspekt: Nutztiere werden – im Gegensatz zu Hundekot – nicht krank, wenn Pferdemist im Futtergras liegt. Die Landwirte düngen zudem ihre Wiesen mit Pferdemist. «Hundekot hingegen riecht stark und verschmutzt die Wiesen», so Ritter.
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Anina Schutz (aus) arbeitet seit 2025 für 20 Minuten. Sie ist Praktikantin im Ressort Bern.
