KryptowährungBitcoin-Preis nach Allzeithoch halbiert – die Gründe sind einfach
Die Krypto-Leitwährung Bitcoin ist zuletzt auf knapp über 60'000 Dollar gestürzt. Eine schnelle Erholung ist laut Analysten nicht in Sicht.
Darum gehts
- Der Bitcoin-Preis hat sich seit seinem Allzeithoch im Oktober 2024 halbiert. Er fiel von über 126'000 auf rund 60'000 Dollar, hat sich zuletzt aber wieder ein wenig erholt.
- Eine rasche Rückkehr zu früheren Höchstständen ist gemäss Analysten allerdings unwahrscheinlich.
- Gründe sind Zinsangst und der Rückzug institutioneller Anleger. Auch die Unsicherheit über die US-Geldpolitik belastet den Markt.
Am 6. Oktober 2024 war ein Bitcoin mehr als 126'000 Dollar wert. Letzten Donnerstag waren es zeitweise nur noch knapp über 60'000 Dollar. Danach stabilisierte sich der Bitcoin und notiert derzeit um die 70'000 Dollar. Doch ein rascher Kursanstieg wieder in die Richtung der Höchstmarke im letzten Oktober ist gemäss Analysten unwahrscheinlich.
«Die Zinsangst schwebt wie ein Damoklesschwert über den Köpfen der Anleger, während Sorgen über Liquiditätsknappheit, institutionelle Kapitalabflüsse und eine ausgeprägte Risikoaversion den Markt belasten», fasst Timo Emden von Emden Research gegenüber der «Frankfurter Allgemeine» zusammen.
Spekulanten kalt erwischt
Anleger, die auf steigende Kurse spekulieren, hat der Kurssturz des Bitcoins auf dem falschen Fuss erwischt. Viele mussten zwangsverkaufen. «Es gibt kaum Interesse, sich dieser Entwicklung entgegenzustellen», sagt Rachael Lucas, Analystin von BTC Markets, gegenüber der FAZ. «Insbesondere angesichts der Tatsache, dass der Ausverkauf stark von Liquidationen getrieben war.»
Ein weiterer Grund für den Kurssturz: Institutionelle Anleger ziehen sich derzeit aus dem Bitcoin zurück. Laut einer Analyse der Deutschen Bank geht der Kursrutsch zu einem guten Teil auf Kapitalabzüge von institutionellen Anlegern und aus ETFs zurück, die monatlich Bitcoins im Wert von mehreren Milliarden verkauft hätten. Dass sie schon länger kontinuierlich verkaufen, sei ein Signal, dass traditionelle Investoren das Interesse verlören und der allgemeine Pessimismus gegenüber Kryptowährungen wachse.
Nominierung des neuen FED-Chefs verunsichert
Auch die Nominierung von Kevin Warsh zum neuen Chef der US-Notenbank Federal Reserve (FED) durch Donald Trump spielt eine Rolle. Warsh ist zwar kein Krypto-Gegner, es wird aber erwartet, dass er für eine restriktivere Geldpolitik, also hohe Zinsen, einstehen wird.
Obwohl Donald Trump versprach, die USA zum Kryptoland Nummer 1 zu machen und seine Familie eigene Krypto-Firmen gegründet hat, hilft auch die Unterstützung des US-Präsidenten Krypto derzeit kaum, denn die Deregulierung stockt. Eine wichtige Gesetzesvorlage wurde erst von Binance und wird jetzt von den Banken kritisiert. Und der US-Finanzminister Scott Bessent erklärte erst kürzlich, dass die USA den Bitcoin-Kurs nicht unterstützen werde mit Zukäufen.
«Angst und Unsicherheit sind offensichtlich»
Zu guter Letzt spielt gemäss Analysten auch wachsendes Misstrauen gegen Technologie-Investitionen allgemein eine Rolle. Investoren sind vorsichtiger geworden, weil die Angst vor einer KI-Blase umgeht. «Angst und Unsicherheit am Markt sind offensichtlich. Ohne Käufer mit der Überzeugung, sich gegen den Abwärtsdruck zu stellen, verstärkt jede Welle von ETF-Rückgaben und Liquidationen den Kursverfall», zitiert die Nachrichtenagentur Bloomberg Chris Newhouse, den Chef der Geschäftsentwicklung bei Ergonia.
Daniel Graf (dgr) arbeitet seit 2020 für 20 Minuten. Er ist Leiter des Ressorts News, Wirtschaft & Videoreportagen und seit September 2023 Mitglied der Redaktionsleitung.
