15 Länder legen Beschwerde gegen Tiktok ein – auch die Schweiz

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Mangelnder Jugendschutz15 Länder legen Beschwerde gegen Tiktok ein – auch die Schweiz

Zu viel Werbung und unsichere Inhalte: Verbraucherschutzverbände aus mehreren europäischen Ländern haben sich zusammengetan und zum Schutz von Minderjährigen eine Beschwerde gegen die Social-Media-Firma Tiktok eingelegt.

Verbraucherschutzverbände haben ein Problem mit Tiktok.
Auf der Plattform herrsche ein mangelnder Kinder- und Jugendschutz, finden sie.
Deshalb haben Verbraucherschutzverbände aus 15 Ländern in Europa bei der EU-Kommission eine Beschwerde gegen Tiktok eingereicht.
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Verbraucherschutzverbände haben ein Problem mit Tiktok.

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Darum gehts

  • Verbraucherschutzverbände aus 15 Ländern in Europa haben bei der EU-Kommission eine Beschwerde gegen Tiktok eingereicht.

  • Grund dafür sei ein mangelnder Kinder- und Jugendschutz auf der Plattform.

  • So seien Kinder auf Tiktok ständig Schleichwerbung und nicht jugendfreien Inhalten ausgesetzt.

  • Das müsse sich nun ändern.

Die Kurz-Clip-App Tiktok ist insbesondere bei einem jungen Publikum äusserst beliebt. Das zieht aber grosse Probleme nach sich, findet der Europäische Verbraucherverband BEUC, eine Dachorganisation von 44 europäischen Verbraucherschutzorganisationen. Denn auf der Plattform befinde sich eine ganze Reihe an Schleichwerbung, die Kinder und Jugendliche unangemessenen Inhalten aussetzen. Deshalb hat der BEUC bei der EU-Kommission eine Beschwerde gegen Tiktok eingereicht, wie Heise.de berichtet.

In dieser Beschwerde werden schwerwiegende Vorwürfe aufgelistet. Darunter befinden sich beispielsweise Irreführung, Täuschung, Verstösse gegen das Urheber- und Datenschutzrecht und einige weitere Verstösse gegen Kinderschutzgesetze im europäischen Raum. Der BEUC verlangt nun eine umfassende Untersuchung aller zuständigen Justizbehörden.

«Eindringliche Schleichwerbung»

«Wir wollen nicht, dass unsere Jüngsten eindringlicher Schleichwerbung ausgesetzt sind und ohne ihr Wissen zu Werbeflächen werden, während sie doch nur Spass haben wollen», sagt Monique Goyens, Director General des Verbraucherdachverbands BEUC, zu Heise.de.

Konkret bemängelt Goyens vier Punkte, in welchen Tiktok gegen die geltenden Regeln verstosse: So müssen Nutzerinnen und Nutzer von Tiktok beispielsweise «unfairen Geschäftsbedingungen» zustimmen. Denn ihnen werde jegliches Recht an ihren Posts unwiderruflich entzogen. Ausserdem setze Tiktok Kinder und Jugendliche gezielt Werbung aus, die oft sogar absichtlich versteckt werde. Dazu gehören beispielsweise gebrandete Challenges, hinter denen Marken stehen, die Influencer dafür bezahlen, die Challenges zu verbreiten.

Tödliche Challenge

Dass dies sogar gefährlich werden kann, zeigt das Beispiel einer zehnjährigen Userin in Italien. Das Mädchen ist mutmasslich aufgrund einer Tiktok-Challenge ums Leben gekommen. Es handelte sich dabei um die sogenannte «Blackout-Challenge», bei welcher sich Personen absichtlich strangulieren und dabei filmen. Zwar handelte es sich dabei nicht um eine gesponserte Challenge, der Fall zeigt aber die Gefahren auf, die sich ergeben können, wenn Minderjährige über Plattformen wie Tiktok zu einem gewissen Verhalten angestiftet werden.

Ein weiterer Kritikpunkt für Goyens stellen die virtuellen Münzen dar, die auf Tiktok gekauft werden können. Diese können als Geschenke an andere Tiktok Nutzer wie beispielsweise Influencerinnen und Influencer weiter geschickt werden. Das Problem hierbei sei allerdings, dass Tiktok sich heraus nehme, den Wechselkurs für die Münzen zu jeder Zeit selbst anpassen zu können. Zuletzt kritisiert Goyens, dass Kinder bei Tiktok ständig Videos vorgespielt bekämen, die nicht jugendfrei sind.

Tiktok wünscht Treffen

An der Beschwerde bei der EU-Kommission beteiligen sich Verbände aus mehreren Ländern inklusive der Schweiz. Ausserdem gehören die Länder Belgien, Zypern, die Tschechische Republik, Dänemark, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Italien, die Niederlande, Norwegen, die Slowakei, Slowenien, Schweden und Spanien dazu. Eine komplette Sperrung von Tiktok in Europa werde nicht angestrebt, sehr wohl müssten aber die Kerninhalte auf der Plattform besser reguliert werden, so die Organisationen.

Eine Sprecherin von Tiktok äussert sich dazu: «Die Sicherheit unserer Community, insbesondere unserer jüngeren Nutzerinnen und Nutzer, und die Einhaltung der Gesetze der Länder, in denen wir tätig sind, ist eine Verantwortung, die wir unglaublich ernst nehmen. Wir arbeiten jeden Tag hart daran, unsere Community zu schützen. Deshalb haben wir eine Reihe von wichtigen Schritten unternommen, darunter auch, dass alle Konten von Nutzerinnen und Nutzern unter 16 Jahren standardmässig auf privat gesetzt sind.»

Man habe man eine In-App-Zusammenfassung der Datenschutzrichtlinien mit einem Vokabular entwickelt, das es Teenagern leichter macht, den Datenschutz-Ansatz zu verstehen. «Wir haben immer ein offenes Ohr um zu erfahren, wie wir uns verbessern können. Wir haben den Europäischen Verbraucherverband (BEUC) kontaktiert und würden ein Treffen begrüssen, um ihre Bedenken anzuhören», so das Unternehmen.

Digital-Push

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So gehts: Installiere die neuste Version der 20-Minuten-App. Tippe unten rechts auf «Cockpit», dann «Einstellungen» und schliesslich auf «Push-Mitteilungen». Beim Punkt «Themen» tippst du «Digital» an – et voilà!

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