Ambu 44: Basel's Rettungsbus mit 13'000 Litern Sauerstoff

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BaselBei mehr als sechs Verletzten rückt Ambu 44 aus

Von der Sanität Basel ist seit August 2022 Ambu 44 im Einsatz. Zwei Sanitäter geben einen Einblick in den ausgebauten BVB-Linienbus.

Der sogenannte Grossraumrettungswagen (GRTW) der Sanität Basel wartet darauf, Menschen in Not zu helfen.

20min

Darum gehts

  • Seit August 2022 ist der Grossraumrettungswagen in Basel im Einsatz.

  • Der umgebaute Linienbus dient als mobile Triagestelle bei grossen Notfällen wie Verkehrsunfälle oder Brände.

  • Mit dem Bus wird gemäss Projektleiter Zeit, Geld und Personal gespart.

«Das längste Krankenauto von Basel», schreibt ein Facebook-User und teilt ein Video, auf dem ein Linienbus in Sanitätsaufmachung an ihm vorbeidüst. 20 Minuten hat sich den «Grossraumrettungswagen» (GRTW) bei der Basler Sanitätszentrale zeigen lassen.

Über siebeneinhalb Tonnen schwer und gelbgrün mit blauen Akzenten ist Ambu 44, wie er auf der Zentrale genannt wird. Er bietet Absaug- und Spritzenpumpen und Defibrillatoren. Der Sanitätsbus sei für Notfälle bestens ausgerüstet, sagt der Leiter Sanität Martin Gabi (54). Gemeinsam mit dem Leiter Projekte und Infrastruktur Jan-Hendrik Stiebeling (51) gibt er Einblicke in das Gefährt, das immer wieder mal für Aufmerksamkeit sorgt. «Wir werden oft beim Vorbeifahren fotografiert», sagt Gabi.

«Er wurde nicht fürs Tagesgeschäft, sondern für ausserordentliche Lagen konzipiert», sagt er zu 20 Minuten. Dies seien meist grössere Verkehrsunfälle oder Wohnungsbrände. Auf der Zentrale spricht man hier von «MANV 6+», also wenn von mehr als sechs Verletzten auszugehen ist. 2025 habe der Grossraumrettungswagen, wie er offiziell heisst, zweimal ausrücken müssen. Im Hinblick auf den ESC im Mai heisst es: «Ambu 44 wurde für Grossanlässe konzipiert und wird im Notfall zur Verfügung stehen.»

Ambu 44 fungiert als Triagestelle

Screenshot aus dem Facebook-Video: Die «Ambu 44» saust durch Basel.
Bei dem Gefährt handelt es sich um einen sogenannten Grossraumrettungswagen (GRTW).
Den Linienbus hat die Sanität 2018 von der BVB gekauft.
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Screenshot aus dem Facebook-Video: Die «Ambu 44» saust durch Basel.

Privat

Auch sei Ambu 44 nicht primär als Patiententransport gedacht. «Der Bus ist schnell vor Ort und fungiert als Triage- und Behandlungsstelle», so Gabi. Entweder werden Patienten nach einer ambulanten Behandlung entlassen oder sie werden von einem weiteren Rettungswagen ins Spital gefahren. «Ziel ist es, mindestens die erste halbe Stunde alleine überbrücken zu können.» Da Grosserereignisse mehrere Stunden oder Tage andauern können, handelt es sich beim Bus nicht um ein Elektrofahrzeug – trotz Stromgenerator.

«Ziel ist es, die erste halbe Stunde alleine überbrücken zu können.»

Martin Gabi

«Falls ein Spital evakuiert werden müsste, haben wir drei Vollintensivplätze», betont Gabi. So könnten notfalls drei Patienten gleichzeitig verlegt werden. Oben drauf können im Bus 16 Personen gleichzeitig mit Sauerstoff versorgt werden – in einer normalen Ambulanz reicht es für drei Personen. Für den Bus bedeutet das: 13'000 Liter Sauerstoff mit an Bord.

Hast du schonmal einen GRTW gesehen?

So habe man vor zwei Jahren, als es beim Dreispitz zu einem Brand und einer starken Rauchentwicklung kam, innerhalb einer Stunde 90 Menschen durchschleusen können.

Eine Million Franken für Rettungskoloss

«Zur Zeit gibt es in Basel nur diesen GRTW, der seit August 2022 im Einsatz ist», sagt Gabi weiter. Ein GRTW wie Ambu 44 koste rund eine Million, ein normaler Krankenwagen 400'000 Franken. Sowohl Bus als auch Wagen seien ab zwei Rettungssanitätern einsatzbereit. «Wenn man das hochrechnet, dann sparen wir mit dem Bus Zeit, Geld und Personal», meint Stiebeling.

«Mit dem Bus sparen wir Zeit, Geld und Personal.»

Jan-Hendrik Stiebeling
Jan-Hendrik Stiebeling, Leiter Projekte und Infrastruktur, hatte die ursprüngliche Idee: «Ich kannte das bereits aus Deutschland.»
Martin Gabi, Leiter Sanität, fährt den GRTW hin und wieder selbst.
13'000 Liter Sauerstoff sind stets mit an Bord.
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Jan-Hendrik Stiebeling, Leiter Projekte und Infrastruktur, hatte die ursprüngliche Idee: «Ich kannte das bereits aus Deutschland.»

20min/Giulia Weber

Basel-Stadt: Erster modularer Sanitätsbus

Die Sanität Basel hat 2018 einen neuen BVB-Linienbus gekauft und ausgebaut. Zu einem Grossteil ist die Projektidee auf Stiebeling zurückzuführen: «Ich dachte, das wäre eine tolle Sache. Ich kannte das bereits aus Deutschland.» Aber auch Schutz und Rettung Zürich haben einen Sanitätsbus, und zwar schon seit zehn Jahren. «Die Kantone Aargau und Bern evaluieren ebenfalls eine Beschaffung», räumt Gabi ein. «Wir haben aber den ersten, den man im Innern modular umbauen kann.»

«Wir haben bis jetzt nur gute Erfahrungen gemacht», sagt Gabi und fasst dabei Holz an. «Die Einsatzzahlen steigen permanent, doch auch der Fachkräftemangel hält an.» Daher müsse man die Fahrzeuge so optimieren, dass sie mit so wenig Personal wie möglich auch bei einem grösseren Ereignis einsatzbereit sind.

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