50 Prozent höhere PreiseBio-Lebensmittel sind der Mehrheit der Schweizer zu teuer
Viele Schweizerinnen und Schweizer wollen nachhaltig essen. Doch Bio-Lebensmittel sind den meisten zu teuer. Denn es ist nicht klar, warum Bio so viel mehr kostet.
Darum gehts
Nur jeder Fünfte ist bereit, den Aufpreis für Bio-Esswaren zu zahlen.
Obwohl die Mehrheit der Leute nachhaltig essen möchte.
Es braucht mehr Aufklärung bei den Preisen, sagt ein Marketingexperte.
Nachhaltiges Essen ist den meisten Schweizerinnen und Schweizern wichtig. Doch das kann teuer werden. Denn Bio-Lebensmittel kosten über alle Kategorien hinweg knapp 50 Prozent mehr als konventionell angebaute Produkte (siehe Box). Diese Mehrkosten wollen aber die Wenigsten bezahlen.
So ist nur jeder Fünfte in der Schweiz bereit, 50 Prozent mehr für Bio-Lebensmittel zu bezahlen. Das zeigt eine Umfrage der Beratungsfirma Deloitte, wie die «NZZ am Sonntag» schreibt. Bio ist der Mehrheit der Kundschaft also schlicht zu teuer.
So viel teurer sind Bio-Produkte:
Das Bundesamt für Landwirtschaft BLW vergleicht jeden Monat die Preisunterschiede zwischen konventionell und nach Biostandard hergestellten Lebensmitteln. Im Juni 2021 kosteten Bio-Esswaren über alle Produktionskategorien hinweg 48,4 Prozent mehr. Am geringsten war der Unterschied bei der Milch: In Bioqualität kostet diese rund ein Drittel mehr. Beim Gemüse ist der Preisunterschied mit 77 Prozent um einiges höher.
Dabei sagen vier von fünf Personen hierzulande, dass Nachhaltigkeit einen Einfluss auf ihre Essgewohnheit habe. Sie würden also auch Bio-Produkte kaufen. Trotz hohen Interesses bleibt der Preis dafür aber seit 2014 unverändert.
Das liegt wohl unter anderem daran, dass Bio-Lebensmittel in der Produktion mehr kosten. Allerdings macht diese laut Studien nur zehn bis 30 Prozent aus. Für den weiteren Preisaufschlag sind wohl die Margen der Händlerinnen und Händler verantwortlich. Die Detailhändlerinnen und Detailhändler streiten das aber ab.
Es entstehen auf allen Stufen der Bioproduktion Zusatzkosten, sagt etwa Coop gegenüber der NZZ am Sonntag. Aldi versichert, dass kein Unterschied bei der Preisgestaltung zwischen Bio und konventionellen Lebensmitteln gemacht werde.
Migros verweist auf Alnatura: Dort seien die Preise nur unwesentlich höher als jene von Nichtbioprodukten. Die Detailhändlerin verrät als Einzige, wie hoch der Marktanteil der Bioprodukte am Gesamtumsatz ist: Es sind rund zwölf Prozent.
Kunden müssen höhere Preise nachvollziehen können
Dass Schweizerinnen und Schweizer bei Bio-Produkten knausrig sind, kann laut Marketingexperten Stefan Vogler auch am direkten Preisvergleich liegen: «Im Supermarkt stehen konventionelle und Bio-Lebensmittel oft nebeneinander. Da realisieren die Leute den grossen Preisunterschied und greifen schnell zum günstigeren Produkt.»
Darum braucht es laut Vogler Aufklärung. Die Kundschaft müsse nachvollziehen können, warum Bio-Lebensmittel so viel mehr kosten. «Es müsste bei jedem Lebensmittel deutlich dargestellt werden, welche Produktionsschritte wie viel kosten und warum», sagt Vogler.
Auch müsse den Menschen aufgezeigt werden, dass sie mit dem Kauf von Bio-Lebensmittel einen positiven Einfluss auf die Umwelt haben. Damit schlussendlich mehr Menschen Bio einkaufen, führe aber mittelfristig nichts an einem Preisabschlag vorbei.
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