Schlechte Note: Junge Migranten erzählen, wie ihre Eltern darauf reagierten.

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BlickwechselNotenstress: «Meinen Eltern war eine gute Leistung sehr wichtig»

Mit dem Ende des Schuljahres kommen auch die Zeugnisse. Viele junge Erwachsene mit Migrationshintergrund berichten von Leistungsdruck und den hohen Erwartungen ihrer Eltern. Eine Erziehungsexpertin erklärt, was der Grund dafür ist.

20 Minuten hat junge Menschen mit Migrationshintergrund gefragt, wie ihre Eltern auf schlechte Noten reagiert haben.

20min/Sara Aduse

Darum gehts

  • Am 14. Juli beginnen in Zürich offiziell die Sommerferien. Die Schülerinnen und Schüler bekommen an diesem Tag ihre Zeugnisse.

  • Manche sehen sich mit einer schlechten Note konfrontiert, die sie noch ihren Eltern beichten müssen.

  • 20 Minuten hat bei jungen Erwachsenen mit Migrationshintergrund nachgefragt, wie ihre Eltern auf schlechte Noten reagiert haben. Für die meisten gab es einen gewissen Leistungsdruck.

  • Laut Erziehungsexpertin Maren Tromm rührt der Druck daher, dass diese Eltern ihren Kindern eine gute Zukunft wünschen und gute Noten dabei eine grosse Rolle spielen.

Das Schuljahr ist vorbei, die Prüfungen geschrieben und die Noten stehen fest. Für diejenigen, die die eine oder andere schlechte Note kassiert haben, wartet noch die Konfrontation mit den Eltern. Wir haben deshalb bei jungen Migrantinnen und Migranten nachgefragt, wie ihre Eltern die schlechte Note aufgenommen haben und ob sie einen gewissen Leistungsdruck verspürten.

«Gute Noten waren wichtig»

«Meine Eltern sind da sehr streng. Ihnen waren die Noten sehr wichtig. Sie sind aus einem fremden Land hierher gekommen und wollen, dass wir ein besseres Leben haben», sagt die 24-jährige Valbona aus dem Kosovo. Auch Tuana (22) aus der Türkei kennt es nicht anders. «Meine Mutter hat sehr viel investiert, damit ich gute Noten heimbringe.» Bei Adiam (21) aus Eritrea war es anders: «Ich war ziemlich gut in der Schule, deshalb waren meine Eltern nicht so streng. Sie wollten nur, dass ich mir bei Prüfungen viel Mühe gebe.»

Dilakshan (27) aus Sri Lanka hat immer gute Leistung erbringen müssen. Daher habe er Druck gespürt, empfand ihn aber als etwas Positives: «Ich finde die Strenge meiner Eltern gut so. Sonst wäre ich nicht da, wo ich heute bin.» Was andere Migranten sagen, kannst du im Video sehen.

Was ist Blickwechsel?

Im Format Blickwechsel beleuchten wir unterschiedliche Themen, die junge Erwachsene mit Migrationshintergrund bewegen und die sie selbst erleben.

Sorge um die Zukunft des Kindes

Laut Erziehungsexpertin Maren Tromm können schlechte Noten sowohl bei Eltern als auch bei den Kindern eine Reaktion auslösen. «Die meisten Kinder werden durch die negativen Rückmeldungen entmutigt, sie zweifeln an ihren Fähigkeiten und fühlen sich vielleicht auch wertlos», sagt Tromm. Viele hätten zusätzlich Angst vor der elterlichen Reaktion.

Denn: «Eltern antworten häufig mit Sorge, Enttäuschung und Frustration, denn sie machen sich Sorgen um die Zukunft ihres Kindes.» In Familien mit Migrationshintergrund hätten Eltern zudem eine höhere Erwartung, weil sie nicht aus dem Land kämen und daher vielleicht das Gefühl haben, mehr leisten zu müssen, um sich hier zu etablieren.

Adiam (21) aus Eritrea: «Meine Eltern waren da nicht so streng. Sie wollten nur, dass ich mir bei der nächsten Prüfung mehr Mühe gebe.»
Dilakshan (27) aus Sri Lanka: «Es hat mich schon unter Druck gesetzt, dass ich immer Leistung erbringen musste, aber ich finde es gut so. Sonst wäre ich nicht da, wo ich heute bin.»
Valbona (24) aus dem Kosovo: «Meinen Eltern waren die Noten sehr wichtig. Sie sind aus einem fremden Land hierher gekommen und wollen, dass wir ein besseres Leben haben.»
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Adiam (21) aus Eritrea: «Meine Eltern waren da nicht so streng. Sie wollten nur, dass ich mir bei der nächsten Prüfung mehr Mühe gebe.»

20min/mam

«Leistungsdruck ist kein gesunder Ansporn»

Zudem wollen sie ihren Kinder ein besseres Leben garantieren, wobei gute Noten von grosser Wichtigkeit sind. «Sie fühlen sich möglicherweise auch selbst als Versager, weil sie glauben, nicht genug für ihr Kind getan zu haben», so die Expertin. Aber es sei wichtig, sich als Elternteil bewusst zu machen, dass man nun nichts mehr an diesen Noten ändern könne, an der eigenen Reaktion aber schon.

Die Frage, ob der Leistungsdruck ein guter beziehungsweise gesunder Ansporn für Kinder sei, beantwortet Tromm mit einem klaren Nein. «Kein Mensch lernt gerne und gut unter Druck. Kinder, die spüren, dass man an sie glaubt und, dass sie gut sind, so wie sie sind, können am besten lernen.» Kinder, die das Gefühl haben, eine gewisse Leistung erbringen zu müssen, lernen meist nur, um die Eltern nicht zu enttäuschen.

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