Winterthur: 28’000 Franken für «Circuit Flow» – jetzt sprechen die Künstlerinnen Stefanie und Maureen Kägi

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Winterthur28’000 Franken für «Krakel-Debakel» – Jetzt sprechen die Künstlerinnen

Das Kunstwerk im Clublokal des FC Tössfeld ist auf viel Kritik gestossen. Die Künstlerinnen sprechen von «einem Shitstorm grösseren Ausmasses».

Die Wand- und Deckenmalerei im Bistro des FC Tössfeld ist das Werk der Künstlerinnen Maureen und Stefanie Kägi. 
Mit ihrem Werk erlangten die Künstlerinnen Aufmerksamkeit bis über die Landesgrenzen hinaus, mussten aber auch viel harsche Kritik einstecken. 
Blaue Linienzeichnungen, welche sich über die Wand und die Decke des Bistros ziehen – so wurde der Stadt Winterthur das Projekt visualisiert.
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Die Wand- und Deckenmalerei im Bistro des FC Tössfeld ist das Werk der Künstlerinnen Maureen und Stefanie Kägi. 

Tamedia/Marc Dahinden

Darum gehts

  • Die Künstlerinnen des umstrittenen Kunstwerks im Bistro des FC Tössfeld, Maureen und Stefanie Kägi, nehmen erstmals Stellung.

  • Die Frauen sind laut eigenen Angaben einem Shitstorm und Hasspostings ausgesetzt.

  • Gegenüber dem «Landbote» erklärten die Künstlerinnen die Idee und den Entstehungsprozess ihres Werkes. 

  • Maureen und Stefanie Kägi betonen, dass die Wand- und Deckenmalerei noch nicht fertiggestellt ist. 

«Ist das Kunst oder kann das weg?» – diese Frage stellten sich so manche, welche das Werk «Circuit Flow» im neuen Bistro des FC Tössfeld beäugten. Die Wand- und Deckenmalerei erinnerte Kritikerinnen und Kritiker an Kinderzeichnungen – und zwar an sehr teure, zumal die Dekoration in Blau rund 28’000 Franken gekostet hat. So umstritten das Kunstwerk ist, so viel Aufmerksamkeit zog es in den vergangenen Tagen auf sich – Medien berichteten darüber bis über die Landesgrenzen hinaus.

Entstanden ist der «Circuit Flow» durch die Hände der Künstlerinnen Maureen und Stefanie Kägi, welche sich nun zu Wort melden. Gegenüber dem «Landbote» erklärten die Schwestern, welche Gedanken und Ziele hinter ihrer Projektidee stecken. Ein Foto von sich würden die Frauen nicht in der Zeitung sehen wollen, da sie «einem Shitstorm grösseren Ausmasses» ausgesetzt seien und mit Hasspostings und sexistischen Äusserungen zu leben hätten.

Arbeit noch nicht fertiggestellt

Konfrontiert mit der Kritik des Vereins, welcher das Werk ablehnt, sagen die Künstlerinnen: «Sollten die Fussballer des FC Tössfeld unsere Arbeit nicht mögen, bedauern wir das natürlich.» Doch hätten die Künstlerinnen während ihrer Arbeit viel Besuch von Jugendlichen bekommen, welche positives Feedback abgegeben hätten.

«Bedenklich» fänden Kägi und Kägi, wie ihre – noch nicht fertiggestellte Arbeit – bereits von den Medien beurteilt worden sei. So fehle noch der Boden, ebenso das Mobiliar und die Clubutensilien. «Nach der Fertigstellung des Bistros sind wir für Kritik offen und arbeiten gern an gemeinsamen Lösungen mit», so die Künstlerinnen.

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Kunstwerk soll Debatten zu Sport und Kunst anregen

Ihrer Ansicht nach ist die Arbeit in vielen Aspekten einem Fussballspiel nicht unähnlich. «Strategie, Taktik und Spielplan stehen in einem Verhältnis zu Improvisation, Spontaneität und Strategiewechsel.» Die Motive seien teilweise an Comiczeichnungen oder Graffiti-Tags angelehnt und «pendeln zwischen Abstraktion und Figuration». Die Wahl einer niederschwelligen Bildsprache ermögliche jeder Betrachterin und jedem Betrachter, sich zu äussern und eine Meinung zu formulieren.

So wie Kägi und Kägi erklären, seien die Linien des «Circuit Flow» spontan im Prozess entstanden. Sie hätten dabei auf der Baustelle gearbeitet, «daher sind Kommentare der Handwerkerinnen und Handwerker und Fussballerinnen und Fussballer, die uns beobachtet haben, direkt eingeflossen». Ebenso Bestandteil der Arbeit seien die Energie und Dynamik der Spieler und Fans, welche die Künstlerinnen auf dem Platz beobachtet hätten. Das Werk sei «ein Versuch, den Fussball in seiner Gesamtheit, als universellen Körper, darzustellen». Ausserdem solle es Debatten zu Sport und Kunst anregen – ein Vorhaben, das, wie der mediale Aufschrei zeigt, die Künstlerinnen auch erreicht zu haben scheinen. 

Visualisierung zum Projekt im Voraus vorgelegt

Wie die Stadt Winterthur gegenüber 20 Minuten sagt, hätten die Künstlerinnen ihre Idee zur Ausgestaltung des Raums in einem Projektbeschrieb der Stadt vorgelegt. Im Projektbeschrieb vorhanden sind auch Visualisierungen. Diese zeigen blaue Linienzeichnungen an Decke- und Wand, ähnlich wie in der bisherigen Umsetzung.

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