Schlecht informiertDeutschschweizer sind für Waldbrände im Tessin verantwortlich
65 Waldbrände gab es im Tessin im letzten Jahr. Die meisten davon wurden von Menschen verursacht, die die lokalen Bestimmungen nicht kannten.
Darum gehts
Weil es zu wenig Niederschläge gab, herrscht im Tessin derzeit eine grosse Dürre.
Viele Touristinnen und Touristen sind mit den lokal geltenden Regelungen nicht vertraut und verursachen so ungewollt einen Waldbrand.
Der Kanton will nun eine umfangreiche Informationskampagne starten.
Seit mehreren Wochen herrscht im Tessin eine Dürre. Deshalb gilt zurzeit ein absolutes Feuerverbot im Freien. Die Waldbrandgefahr wird laut Naturgefahren.ch im Nord- und Zentraltessin als «mässig» eingestuft, im Südtessin als «erheblich».
Die Zeitungen der CH Media schreiben, dass es im Schweizer Südkanton im vergangenen Jahr zu 65 Waldbränden gekommen sei. Verantwortlich dafür seien hauptsächlich Touristinnen und Touristen aus der Deutschschweiz gewesen, die über die kantonalen Verbote nicht informiert gewesen seien.
«Sie kannten nicht mal unsere Feuerwehr-Notrufnummer»
Die Zeitung schildert den jüngsten Vorfall, der sich gegen Anfang März ereignet hat. Der Feuerwehrkommandant von Locarno, Alain Zamboni, erzählt gegenüber der CH Media, dass drei junge Deutschschweizer mit dem Zug ins Tessin reisten, um dort im Gebiet oberhalb von Ronco sopra Ascona zu wandern. «Am Abend entfachten sie ein Feuer und tranken ein paar Bier. Dies, obwohl im ganzen Kanton ein striktes Feuerverbot gilt.» Jemand aus dem Dorf hat den Feuerschein gesehen und Alarm geschlagen. Die Feuerwehr und die Polizei konnten das Feuer rechtzeitig löschen.
Weniger glimpflich ging ein Waldbrand im vergangenen Jahr aus. Ende Januar 2022 brach auf dem Monte Gambarogno im Kanton Tessin ein grosser Waldbrand aus. Mehrere Personen mussten evakuiert und ein grosses Kontingent an Rettungskräften aktiviert werden. Erst nach mehreren Tagen konnte die Feuerwehr das Schlimmste der Flammen unter Kontrolle bringen. Es entstand ein Sachschaden in Millionenhöhe. Im Zusammenhang mit dem Waldbrand wurden zwei Männer im Alter von 26 und 28 Jahren aus dem Kanton Schwyz verhaftet. Die beiden verzögerten den Einsatz der Löschkräfte zunächst zusätzlich. Sie googelten «Feuerwehr Tessin» – und riefen dann im norddeutschen Ort Tessin an. «Sie kannten nicht mal unsere Feuerwehr-Notrufnummer 118», sagt Zamboni gegenüber der Zeitungen der CH Media.
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48 von 65 Waldbränden von Menschen verursacht
Der Feuerwehrkommandant sieht nicht nur Deutschschweizer als Verursacher. Er stellt fest, dass manchen Auswärtigen das Wissen fehlt, wie man sich bei Trockenheit zu verhalten habe. Die Einwohnerinnen und Einwohner im Tessin erhielten diese Infos praktisch jeden Tag, wenn im Radio und Fernsehen auf das geltende Feuerverbot im Freien aufmerksam gemacht werde. Dies bestätigt auch ein Forstchef: «Letztes Jahr gab es 65 Waldbrände in unserem Kanton, kleinere und grössere. 17 wurden von Blitzen verursacht, also natürlichen Ursprungs. 48 wurden von Menschen verursacht.» Viele von ihnen seien aus Ortschaften ausserhalb des Südkantons.
Der Kanton will deshalb eine Informationskampagne starten. Alle Besitzer von Ferienhäusern im Tessin sollen bald ein Merkblatt zum Feuerverbot erhalten. Auch mit zusätzlichen Tafeln an Hauptstrassen, Autobahnausfahrten und an Bahnhöfen will der Kanton auf das Feuerverbot hinweisen. Informationen zur aktuellen Gefahrenlage gibt es auch unter Waldbrandgefahr.ch und der Warn-App Alert Swiss.
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