Junge Menschen leiden: Diese 11 Wege aus der Quarterlife-Krise gibt es

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Wege aus der KriseDiese 11 Wege aus der Quarterlife-Krise gibt es – und das bringen sie

Junge Erwachsene durchleben häufig eine Identitätskrise, die sogenannte Quarterlife-Krise. Auf verschiedenen Wegen versuchen sie, da herauszukommen. Coaches erklären, wie nachhaltig das ist. 

Auch in der 20-Minuten-Community gibt es Betroffene.

Video: 20min/Janina Schenker

Darum gehts

  • In den sozialen Medien häufen sich Videos von jungen Menschen, die mit einer Quarterlife-Krise kämpfen. 

  • Sie sind verunsichert, auf der Suche nach ihrem Platz im Leben und mit den vielfältigen Möglichkeiten und Verantwortungen überfordert. 

  • Um da wieder herauszukommen, haben sie ganz verschiedene Strategien entwickelt. Nicht alle sind aber erfolgsversprechend, sagen zwei Life Coaches. 

Abgeschlossenes Studium, Ausbildung fertig, ausgezogen – und dann? Junge Erwachsene in ihren 20ern kämpfen häufig mit einer sogenannten Quarterlife-Krise (20 Minuten berichtete). Sie suchen ihren Platz auf der Welt, die eigene Identität – und werden dabei von unrealistischen Vorbildern, hohen Ansprüchen und der Qual endloser Möglichkeiten verunsichert. 

Um aus diesem Tief wieder herauszukommen, haben junge Menschen diverse Strategien, wie eine Flut von Tiktok-Videos zeigt. Zwei Life Coaches, die schon viele Menschen in solchen Situationen begleitet haben, erklären, wie effizient und nachhaltig die verschiedenen Methoden sind.

Einen neuen Job suchen

Angelika Reimer: «Ein beruflicher Wechsel kann in manchen Situationen sinnvoll sein, stellt aber auch eine starke Veränderung dar. Man sollte sich fragen, ob die Unzufriedenheit wirklich durch den Beruf kommt. Dann ist ein Berufswechsel ratsam.»

Anton Schumann: «Karriere bedeutet nicht einfach nur steilen Aufstieg und viel Geld und Macht. Ein Jobwechsel kann sinnvoll sein, wenn der neue Beruf Freude macht und Essen auf den Tisch bringt. Das kann völlig ausreichend sein.»

Heiraten und Kinder kriegen

Reimer: «Das deutet darauf hin, dass ein Mensch nach einer neuen Stabilität sucht. Eine Familie könnte eine gute Quelle von Sinn und Glück sein.»

Schumann: «Wenn es um Heirat und Kinderkriegen geht, sollte dies aus tiefster Überzeugung getrieben sein. Es ist wichtig, nicht von Angst getrieben zu sein.»

Yoga, Meditation und Selbstfindung

Reimer: «Sportliche Aktivitäten können Routine und Halt geben. Dadurch kommt ein Gefühl von Sicherheit auf.» 

Schumann: «Sorge gut für dich selbst und achte auf deine körperliche und mentale Gesundheit. Wege zu finden, um Stress abzubauen und Entspannung zu finden, kann helfen.»

Reisen

Reimer: «Hier kommt es auf die Ausgestaltung an. Wenn man sich während des Reisens Zeit gibt, über die zentralen Fragen nachzudenken, kann es eine gute Art und Weise sein, mit der Krise umzugehen. Durch das Reisen vor den Problemen zu flüchten, ist nicht zielführend.» 

Schumann: «Eine Weltreise mag zwar verlockend sein, hilft jedoch nicht bei der Lösung von Problemen und kann eher eine Form von Prokrastination sein.»

Einer Religion beitreten

Reimer: «Sich einer Religion zuzuwenden, kann dem Leben Sinn geben und dadurch zu mehr Lebenszufriedenheit führen. Jedoch sollte auch immer hinterfragt werden, in welchen Bereichen man unglücklich ist und welche Probleme man gezielt angehen sollte.»

Soziales Engagement

Reimer: «Soziales Engagement bietet viel Sinn, was für Menschen attraktiv sein kann.»

Schumann: «Soziales Engagement und politisches Engagement können nie falsch sein, solange man sich selbst nicht verliert und nicht übertreibt. Es ist wichtig zu betonen, dass soziales Engagement schlussendlich auch sich selbst dient.»

Sie fühlen sich verloren und suchen nach dem Sinn im Leben: Immer mehr junge Menschen haben eine Quarterlife-Crisis.
Um aus diesem Tief wieder herauszukommen, haben junge Menschen diverse Strategien, wie eine Flut von Tiktok-Videos zeigt.
Life Coaches, die schon viele Menschen in solchen Situationen begleitet haben, erklären, wie effizient und nachhaltig die verschiedenen Methoden sind.
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Sie fühlen sich verloren und suchen nach dem Sinn im Leben: Immer mehr junge Menschen haben eine Quarterlife-Crisis.

Getty Images

Aussteigen oder Auswandern

Reimer: «Wenn das Auswandern schon immer ein Traum gewesen ist, sehe ich hier kein Problem. Aber: Die Krise nimmt man mit ins neue Land. Dessen muss man sich bewusst sein.»

Schumann: «Wenn man mit einem Plan und Ziel aussteigen und auswandern möchte, kann das eine gute Option sein – alles andere könnte jedoch eine Form von Flucht darstellen.»

Investieren und das schnelle Geld anstreben

Reimer: «Eine gewisse finanzielle Unabhängigkeit kann Ruhe geben und ist notwendig, um Krisen meistern zu können. Allerdings gibt dies dem Leben nicht unbedingt Sinn.» 

Schumann: «Beim Thema Investitionen empfehle ich, langfristig zu denken und frühzeitig anzufangen. Schnelles Geld zu verdienen, ist selbst für die besten Trader schwierig.»

Zweitausbildung

Reimer: «Wenn die vorherige Ausbildung wirklich nichts ist, kann es sinnvoll sein, eine Zweitausbildung zu machen.» 

Entrepreneurship

Reimer: «Eine Firma aufzuziehen, kann einen mit neuem Sinn erfüllen. Das Gefühl von Selbstwirksamkeit kann einen in der Krise gut weiterbringen.»

Beide Coaches betonen, dass solche Entscheide immer situativ sind. Generell ist laut Schumann wichtig: 

  • «Vermeide Vergleiche mit anderen. Versuche, dich auf dich selbst zu konzentrieren und dein eigenes Tempo zu finden.»

  • «Setze kleine Ziele: Dies kann helfen, das Selbstvertrauen zu stärken und ein Gefühl der Erfüllung zu schaffen.»

  • «Flucht stellt keine Lösung dar. Lauf nicht von einer Quarterlife-Krise weg und verschwende Lebensfreude, Zeit und Geld darauf. Nimm dir Zeit, reflektiere, recherchiere und triff dann eine Entscheidung.» 

Hast du schon mal eine Krise durchlebt?

Hast du oder hat jemand, den du kennst, eine Krise durchlebt?

Hier findest du Hilfe:

Pro Mente Sana, Tel. 0848 800 858

Kinderseele Schweiz, Beratung für psychisch belastete Eltern und ihre Angehörigen

Verein Postpartale Depression, Tel. 044 720 25 55

Angehörige.ch, Beratung und Anlaufstellen

VASK, regionale Vereine für Angehörige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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