Fake-Reviews und Plagiat? Kopfhörer löst Wirbel bei Digitec aus

Aktualisiert

Andi be freeDiese Schweizer Kopfhörer sorgen bei Digitec für heisse Diskussionen

Das Schweizer Start-up Andi be free hat seine eigenen Kopfhörer bei Digitec bewertet, der Onlinehändler bloggt öffentlich darüber. Auf Anfrage von 20 Minuten wehrt sich die Firma.

Dieser Kopfhörer der Schweizer Marke Andi be free entfacht heisse Diskussionen auf Digitec.

Dieser Kopfhörer der Schweizer Marke Andi be free entfacht heisse Diskussionen auf Digitec.

Digitec Galaxus, Livia Gamper

Darum gehts

  • Kundinnen und Kunden von Digitec werfen dem Schweizer Start-up Andi be free vor, ein Ladegerät von Aliexpress kopiert und in der Schweiz fünf bis zehn Mal teurer verkauft zu haben.

  • Digitec bloggt öffentlich darüber und lässt auch Co-CEO Jonas Wohler zu Wort kommen.

  • Dort widerspricht er: «Wir haben den Designschutz sowie ein Patent auf die Entwicklung.»

  • Zu 20 Minuten sagt Wohler, Digitec habe die Situation teils nicht korrekt wiedergegeben.

Kopfhörer aus der Schweiz mit bis zu 60 Stunden Akkulaufzeit: Die Firma Tecflower preist das Modell Concert 1 in ihrem Shop an, doch die Kopfhörer gibts auch bei Digitec – dort haben sie nun eine Kontroverse entfacht.

Kundinnen und Kunden des Onlinehändlers werfen der Firma unethisches Verhalten vor. Mitarbeitende und Bekannte von Andi be free sollen Fake-Bewertungen bei Digitec geschrieben haben und das Unternehmen verkaufe unter seiner Marke einen No-name-Wireless-Charger, den es bei Aliexpress viel günstiger gebe.

Digitec hat mittlerweile öffentlich über den Fall gebloggt. Jonas Wohler, der Co-CEO von Andi be free, wehrt sich auf Anfrage von 20 Minuten: Der Onlinehändler habe die Situation im Blog teils nicht korrekt dargestellt.

Digitec löscht Fake-Bewertungen

Andi be free entwickelt seine Kopfhörer in Siebnen, lässt sie aber in China produzieren. Im Hersteller-Shop erhalten sie ausschliesslich 5-Sterne-Bewertungen. Gefälscht seien diese nicht: Man nutze Review.io und es sei damit gar nicht möglich, schlechte Bewertungen herauszufiltern, zitiert Digitec den Co-CEO.

Kennst du die Marke Andi be free?

In seinem eigenen Onlineshop hat Digitec aber Fake-Reviews des Kopfhörers gefunden und auch gelöscht. Eines davon sei vom Nutzer Remostaubli, der laut Digitec nicht nur HSG-Absolvent und Ex-Fussballprofi, sondern auch Investor in Tecflower ist. Sein Review sei klar befangen – und damit unlauter.

Diese Fake-Bewertung hat Digitec mittlerweile gelöscht.

Diese Fake-Bewertung hat Digitec mittlerweile gelöscht.

Screenshot von Digitec, digitec.ch

Auch von zwei anderen Profilen kamen fragwürdige Bewertungen. Digitec kann aber nicht beweisen, dass diese aus dem Umfeld von Andi be free stammen. Bei zwei Reviews sei der Absender hingegen klar: Sie seien von Personen bei Tecflower und Andi be free, eine arbeite in der Geschäftsleitung, die andere im Marketing.

Nach Löschung der positiven Reviews erhält der Kopfhörer im Schnitt nur noch zwei von fünf Sternen.

Nach Löschung der positiven Reviews erhält der Kopfhörer im Schnitt nur noch zwei von fünf Sternen.

Screenshot von Digitec, digitec.ch

Co-CEO Wohler äussert sich dazu wie folgt: «Es gibt einige Andi-be-free-Fans unter unseren rund 20’000 Kundinnen und Kunden, und ich schliesse nicht aus, dass ein paar wenige davon eine Bewertung abgegeben haben.» Auf Anfrage von 20 Minuten sagt Wohler, dass er mit allen Mitarbeitenden gesprochen und sie angehalten habe, die eigenen Produkte auf Plattformen, die Andi be free beliefere, nicht zu bewerten.

Andi be free wehrt sich

Zum Blogbeitrag von Digitec sagt Wohler: «Ich wusste nicht, dass es sich um ein Interview handelt.» Der Onlinehändler habe Andi be free erst über den Blogbeitrag informiert, als er schon online gewesen sei: «Ich ging davon aus, dass es sich um einen Geschäftsaustausch handelt und nicht um ein Interview.»

Digitec habe die Zitate teils aus dem Zusammenhang gerissen und die Situation nicht korrekt dargestellt. Im Blog steht etwa folgendes Zitat: «Ich kann dir versichern, dass wir keine White-Label-Produkte von Alibaba verkaufen.» Diese Aussage habe er aber nur im Kontext zum Ladegerät gemacht, sagt Wohler zu 20 Minuten.

Fake-Bewertungen auch von Swisscom-Mitarbeitenden

Auch Swisscom hat schon falsche Bestnoten vergeben: 2021 tauchten auf Google Dutzende 5-Sterne-Bewertungen zu Localsearch auf – viele von eigenen Mitarbeitenden. Mehr dazu liest du in diesem Artikel.

«Auch wir haben Produkte, welche wir bei Herstellern einkaufen, die so von anderen Marken ebenfalls angeboten werden.» Es handle sich dabei aber bloss um Zubehör und ergänzende Produkte wie Apple-Watch-Armbänder und gewisse Covers und nicht um Kernprodukte wie die Ladestation.

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