Mordfall Perugia«Engel mit den eiskalten Augen» ist wieder in Italien
Sie war in Italien in einen jahrelangen Prozess um den Mord an Meredith Kercher verwickelt. Jetzt ist Amanda Knox erstmals in das für sie verhängnisvolle Land zurückgekehrt.
Die US-Amerikanerin Amanda Knox ist erstmals nach ihrem Freispruch im Fall einer ermordeten Austauschstudentin nach Italien zurückgekehrt. Bei ihrer Ankunft auf dem Flughafen in Mailand wurde sie von Journalisten belagert, an denen Knox mit gesenktem Kopf vorbeiging. Von der Polizei und ihren Rechtsanwälten eskortiert, verliess die US-Amerikanerin den Airport, ohne Fragen von Journalisten zu beantworten.
Die 31-Jährige befand sich in Begleitung ihres Freundes Christopher Robinson und ihrer Mutter. Kurz vor ihrem Abflug in Seattle hatte Know auf Instagram ein Foto von sich und Robinson gepostet und dazu geschrieben: «Es geht los...wünscht uns ‹Buon viaggio!›»
Amanda Knox war 2009 wegen Mordes an der britischen Austauschstudentin und ihrer damaligen Mitbewohnerin Meredith Kercher zu einer langen Haftstrafe verurteilt worden. Die Amerikanerin sass in Italien fast vier Jahre im Gefängnis, wurde nach jahrelangem Justizgerangel aber im Jahr 2015 endgültig freigesprochen. Der Fall wurde nie komplett aufgeklärt.
An diesem Samstag tritt Knox bei einem Kongress zu Justizirrtümern in Modena auf. Vor ihrer Ankunft in Mailand hatte sie einen Artikel veröffentlicht, in dem sie die «skrupellosen Medien» kritisierte. Sie schreibt: «Acht Jahre nach meiner Freilassung aus einem italienischen Gefängnis bin ich noch immer die Geschichte von jemand anderem.»
«Es macht mir wirklich Angst»
Bereits im März äusserte Knox die Absicht, zum ersten Mal seit dem Gerichtsprozess wieder nach Italien zurückkehren. Als Grund für die Rückkehr an den für sie verhängnisvollen Ort nannte sie damals den «Verarbeitungsprozess». Sie habe zwar eine tolle Familie und gute Freunde, «aber du musst dich deinen Ängsten schliesslich allein stellen», so Knox. «Ich weiss, dass ich es tun muss – und ich werde es tun –, aber es macht mir wirklich Angst.»