Angst vor der Arbeit: So kannst du damit umgehen

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Experten erklärenAngst vor der Arbeit: So kannst du damit umgehen

Je näher der Montag rückt, umso mehr macht sich ein mulmiges Gefühl im Magen breit. Zwei Experten erklären, woher die Arbeitsangst kommt und was man dagegen machen kann.

Eine Studie zeigt: Rund sieben Prozent der Arbeitnehmenden in Deutschland leiden unter der sogenannten Arbeitsangst.
Allein der Gedanke an die Arbeit kann dabei zu einer grossen Belastung führen.
Viele Menschen leiden dabei auch unter körperlichen Beschwerden wie Kopf- oder Nackenschmerzen, Schlafstörungen oder auch Panikattacken.
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Eine Studie zeigt: Rund sieben Prozent der Arbeitnehmenden in Deutschland leiden unter der sogenannten Arbeitsangst.

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Darum gehts

  • Eine Studie zeigt: Rund sieben Prozent der Arbeitnehmenden in Deutschland leiden unter der sogenannten Arbeitsangst.

  • Auch in der 20-Minuten-Community leiden viele darunter. Einige erzählen von Panikattacken oder anderen körperlichen und psychischen Beschwerden.

  • Psychotherapeutin Romina Reginold erklärt, dass die Arbeitsangst oft durch mehrere Faktoren bedingt ist.

  • Laut Arbeitspsychologin Hildegard Nibel müssen Betroffene eine genaue Situationsanalyse machen, um mit der Angst umgehen zu können.

Was ist Arbeitsangst?

Laut Romina Reginold, Psychotherapeutin und Teil des Aepsy-Teams, bezeichnet Arbeitsangst ein Gefühl der Furcht oder Sorge im Zusammenhang mit den beruflichen Verpflichtungen. «Menschen mit Arbeitsangst tendieren oft dazu, bestimmte berufliche Situationen oder Aufgaben zu meiden, die ihre Angst auslösen können», so die Expertin. Dies könne sich in einer verminderten Leistungsfähigkeit äussern und zu  häufigeren Fehlern führen.

Gemäss Arbeitspsychologin Hildegard Nibel wird Angst als ein negatives Gefühl bewertet. «Angst vor Arbeit bedeutet also, dass Arbeit negativ empfunden wird.» Sie betont jedoch, dass die wenigsten Beschäftigten Angst vor der Arbeitsaufgabe an sich haben, sondern vor der negativen Bewertung anderer. Eigene Betroffenheit könne man daran erkennen, dass man vor Beginn der kommenden Arbeitswoche schlecht gelaunt ist, sich unwohl fühlt, schlecht schläft und sich am Ende der Arbeitswoche erleichtert fühlt.

Wodurch wird sie ausgelöst?

«Arbeitsangst hat mehrere Auslöser. Konflikte am Arbeitsplatz und eine feindselige Umgebung können die Angst erhöhen», sagt Reginold. Zudem könne Stress zu einem Gefühl der Überlastung führen. «Auch soziale Ängste und persönliche Faktoren wie ein geringes Selbstwertgefühl und Selbstzweifel sind Ursachen.»

Auch Nibel bestätigt, dass Arbeitsangst durch eine Vielzahl von Faktoren beeinflusst werden kann und dass eine ganzheitliche Betrachtung notwendig ist, um die Arbeitsangst als solche zu erkennen.

So bemerkst du Arbeitsangst: schlechte Laune vor Beginn der kommenden Arbeitswoche, sich unwohl fühlen, schlecht schlafen, sich am Ende der Arbeitswoche erleichtert fühlen.

So bemerkst du Arbeitsangst: schlechte Laune vor Beginn der kommenden Arbeitswoche, sich unwohl fühlen, schlecht schlafen, sich am Ende der Arbeitswoche erleichtert fühlen.

Photo by Tim Gouw on Unsplash

Was sind die Symptome?

«Auf körperlicher Ebene kann sich Arbeitsangst durch Herzklopfen, Atemprobleme, Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden und Muskelverspannungen zeigen», so Reginold. Psychisch treten Symptome wie Nervosität, Selbstzweifel, Reizbarkeit und Konzentrationsprobleme auf. «Emotional reagieren Betroffene meist mit Angst, Panik, Frustration, Wut oder sogar Hilflosigkeit.»

Nibel fügt noch hinzu: «Auch Schweissausbrüche, erhöhter Blutdruck, Schlafstörungen, Zittern, Übelkeit und Sodbrennen können auftreten. Die Angst hat viele Gesichter» Im schlechtesten Fall komme es auch zu einem Übergebrauch von psychoaktiven Substanzen wie Alkohol, Nikotin oder Schmerz- und Beruhigungsmittel.

Leidest du auch unter Arbeitsangst?

Wie können Betroffene damit umgehen?

Reginold betont, dass der erste Schritt darin besteht, sich dieser bewusst zu werden. «Es gibt verschiedene Techniken und Methoden, um damit umzugehen. Dazu gehören Entspannungsübungen, Atemtechniken und Methoden für das Stressmanagement.» Diese würden helfen, die körperliche und emotionale Belastung zu reduzieren und die Symptome besser zu bewältigen.

«Sobald man merkt, dass man nicht mehr gerne arbeiten geht, sollte man eine genaue Situationsanalyse machen und sich fragen, was einen am meisten bedrückt», sagt Nibel. Dann könne man versuchen, etwas an der Situation zu ändern, etwa das Team zu wechseln, andere Aufgaben zu übernehmen oder eine Auszeit zu nehmen. «Idealerweise hat man hilfsbereite Freundinnen und Freunde, Verwandte oder Nachbarn, mit denen man die Situation analysieren kann.» Beide Experten empfehlen, sich durch eine Psychotherapie unterstützen zu lassen.

Sollte man bei Arbeitsangst kündigen?

«Bevor man einfach kündigt, ist es wichtig, zumindest den Versuch zu unternehmen, sich seiner Angst zu stellen», so Reginold. «Andernfalls besteht die Gefahr, dass sich die gleichen Probleme an einem neuen Arbeitsplatz wiederholen.»

Nibel rät ebenfalls von einer Kündigung ab. «Diese entspricht einem passiven Vermeidungsverhalten, was langfristig eher schadet.» Vielmehr solle man zuerst wieder gesund werden, also seelisch stabil und belastbar. «Dann kann man sich immer noch überlegen, ob es vielleicht doch eine bessere Stelle gibt.»

Laut Nibel verbirgt sich hinter der Aussage, man hätte keine Lust zu arbeiten, auch Angst, die man aber nicht zugeben will.

Laut Nibel verbirgt sich hinter der Aussage, man hätte keine Lust zu arbeiten, auch Angst, die man aber nicht zugeben will.

IMAGO/Westend61

Leidet jeder Mensch bis zu einem Grad an Arbeitsangst?

«Ja, denn Arbeitsangst kann eine natürliche Reaktion auf Herausforderungen, Veränderungen oder Stress am Arbeitsplatz sein», sagt Reginold. Angst könne dabei sogar leistungssteigernd wirken, indem sie als Motivator dient, um Ziele zu erreichen oder Aufgaben zu bewältigen. «Allerdings wird Arbeitsangst als Krankheit zu einem Problem, wenn sie übermässig ist, lange anhält und das tägliche Leben beeinträchtigt», betont die Expertin.

Arbeitspsychologin Nibel sieht das genauso. «Es gibt sicher immer wieder Zeiten im Arbeitsleben, wenn man mehr oder weniger viel Angst hat, etwa bei Konflikten oder bei Beurteilungen.» Auch hinter der Aussage, man hätte keine Lust zu arbeiten, verberge sich Angst, die man aber nicht zugeben will. «Es ist cooler zu behaupten, man habe keine Lust zu arbeiten, statt zu sagen: Ich habe Angst vor der nächsten Herausforderung», so die Expertin.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, eine psychische Erkrankung?

Hier findest du Hilfe:

Pro Mente Sana, Tel. 0848 800 858

Kinderseele Schweiz, Beratung für psychisch belastete Eltern und ihre Angehörigen

Verein Postpartale Depression, Tel. 044 720 25 55

Angehörige.ch, Beratung und Anlaufstellen

Stand by you Schweiz, Helpline für Angehörige, Tel. 0800 840 400

Psyfinder, qualifizierte Fachpersonen in deiner Nähe

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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