Qualitäts-Offensive - Familienblogger verbünden sich gegen Fake-Influencer

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Qualitäts-OffensiveFamilienblogger verbünden sich gegen Fake-Influencer

Bloggende Eltern haben sich zu einem Netzwerk zusammengeschlossen. Damit wollten sie verhindern, mit zwielichtigen Bloggern in einen Topf geworfen zu werden, sagt Gründerin Rita Angelone.

Nicht authentische Posts sind einigen Schweizer Familienbloggern ein Dorn im Auge.
Der grösste Teil ihres Contents sei Müll gewesen, weil ehrliche Meinungen aufgrund der Kooperation mit Werbepartnern nicht gefragt seien, verriet die Mommy-Bloggerin Josi Denise.
Über 50 von ihnen haben sich deshalb zum Netzwerk Schweizer Familienblogs zusammengeschlossen.
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Nicht authentische Posts sind einigen Schweizer Familienbloggern ein Dorn im Auge.

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Darum gehts

  • Über 50 Elternblogger organisieren sich im Netzwerk Schweizer Familienblogs.

  • In einem Kodex verpflichten sich die Mitglieder etwa zu Ehrlichkeit und Transparenz.

  • Unredlich arbeitende Influencer gaben den Gründern des Netzwerks den Ausschlag.

  • Eine autonome Bloggerin findet: Ein Netzwerk-Label sei eher nice to have.

Auf frischgebackene Eltern wartet im Netz ein Universum von Tipps, Tests, Rezepten und Ratschlägen. Tausende Mamas haben auf ihren Blogs oder Social-Media-Kanälen für beinahe jede Lebenssituation einer Familie eine Antwort parat. Doch hinter den Beiträgen steckt nicht immer pure Nächstenliebe.

Der grösste Teil ihres Contents sei Müll gewesen, weil ehrliche Meinungen aufgrund der Kooperation mit Werbepartnern nicht gefragt seien, verriet die Mommy-Bloggerin Josi Denise. 2018 hängte die Amerikanerin deshalb ihren beliebten Blog an den Nagel. Nicht authentische Posts sind auch einigen Schweizer Familienbloggern ein Dorn im Auge. Über 50 von ihnen haben sich deshalb zum Netzwerk «Schweizer Familienblogs» zusammengeschlossen. Auf der Plattform aggregieren sie ihre Inhalte und stellen diese dem Zielpublikum zur Verfügung.

«Vorgetäuschte Beliebtheit»

«Vor allem auf Instagram gab es – als wir vor rund zwei Jahren den Familienblogger-Kodex definierten – Influencer, die unredlich arbeiteten», sagt Rita Angelone, die mit Papa-Blogger Jérôme Lacourrège das Netzwerk gegründet hat. Diese versuchten, ihrem Publikum Produkte ohne Werbekennzeichnung anzudrehen und täuschten mit gekauften Followern ihre Beliebtheit vor. Manche Influencer und Blogger handelten zudem inkonsequent. «Zum Beispiel warben sie mal für Nutella und standen zwei Wochen später für ein zuckerfreies Leben ein.»

Die Mitglieder des Netzwerks hingegen garantierten Qualität, sagt Angelone, die selbst den Blog «Die Angelones» betreibt. In einem Familienblogger Kodex (siehe Box) stehen die Mitglieder für Ehrlichkeit, Transparenz und Glaubwürdigkeit ein. «Würde ein Mitglied gegen den Kodex verstossen, fiele dies aufgrund der sozialen Kontrolle durch das Netzwerk rasch auf.»

Nachteil für autonome Blogger?

«Mit dem Netzwerk wollen wir unsere Bloggertätigkeit professionalisieren und verhindern, dass wir mit zwielichtigen Bloggern in einen Topf geworfen werden.» Als Elternblogger sei dies ohnehin ihre Pflicht. «Eltern sollten ein Vorbild für ihre Kinder sein – auch wenn es um das Verhalten im Netz geht.»

Für Familienblogger, die nicht Mitglied des Netzwerks sind, stellt der Zusammenschluss keine Bedrohung dar. Sie denke nicht, dass Familienblogger ohne ein solches Netzwerk bei ihren Konsumentinnen und Konsumenten an Glaubwürdigkeit einbüssten, sagt Elternbloggerin Ellen Girod von «Chez Mama Poule». «Mittlerweile sind Influencer ja kein neues Phänomen und die meisten Leute können die Spreu vom Weizen trennen.»

«Das ist eher nice to have»

Viele Influencer sensibilisieren die eigene Community laut Girod über das Thema Transparenz auch selber. Auch sie kommuniziere sehr offen auf Instagram, in Newsletters und in ihrem Blog über die Finanzierung ihrer Arbeit und dass sie keine bezahlten Posts auf ihrem Blog anbiete.

«Ein Netzwerk-Label ist da eher nice to have», sagt Girod. Ihrer Meinung nach sind die Inhalte selbst die grösste Referenz. «Meine Blogartikel untermauere ich gerne mit wissenschaftlichen Thesen und verlinke auf Bücher. Das ist auch mein klares Markenzeichen.» Daher geniesse sie, deren Blog nach eigenen Angaben bis zu 100’000 Zugriffe pro Monat verzeichnet, bei ihren Leserinnen und Lesern eine hohe Glaubwürdigkeit.

Das verspricht der Kodex

Für das Familiennetzwerk Schweizer Familienblogs können sich Familienblogger bewerben, die eine mindestens sechsmonatige Online-Präsenz vorweisen und regelmässig Beiträge auf einer Website mit vollständigem Impressum posten. Zudem müssen sie sich dem Familienblogger Kodex verpflichten. Dieser beinhaltet folgende Punkte:

Respektvolles Handeln

Die Kinder werden dem Kodex zufolge nicht blossgestellt. Die Autorinnen und Autoren gehen mit ihren Bildern und Erlebnissen achtsam um und respektieren die von ihnen gesetzten Grenzen. «Kinder mit verschmiertem Gesicht, vollen Windeln, auf dem Wickeltisch oder im Babybad abzulichten, ist für uns nicht vertretbar», sagt Rita Angelone, Gründerin des Netzwerks.

Ehrlichkeit

Die Familienbloggerinnen und -blogger verpflichten sich, nur über Themen zu schreiben, die sie auch entsprechend erlebten. Tabu sind gekaufte Follower. Kritische Beiträge sind gefragt.

Transparenz

Werbung und redaktionelle Inhalte werden getrennt. Die Mami- und Papi-Blogger deklarieren bezahlte Kooperationen, Einladungen, Eventteilnahmen, Medienreisen, Gewinnspiele, Produkttests und Advertorials transparent als solche und nennen die Auftraggeber.

Glaubwürdigkeit

Auch über Werbeinhalte berichten die Mitglieder des Netzwerks gemäss Kodex kritisch und authentisch. Dabei übernehmen sie keine Rolle, sondern sind «eigenständige Menschen, Mütter und Väter, die für ihre Sache einstehen».

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