Allianz fordert 18 Wochen für beide Elternteile

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Familienzeit-InitiativeAllianz fordert 18 Wochen für beide Elternteile

Mütter und Väter sollen je 18 Wochen an Familienzeit beziehen können. Das verlangt eine Initiative, die im Frühling offiziell lanciert wird. Während SP und Arbeitgeber-Verband abwarten, erteilen FDP und SVP dem Anliegen eine Abfuhr.

Heute hat «Alliance F» die Eckwerte für eine Eidgenössische Volksinitiative präsentiert: Die Familienzeit soll auf 18 Wochen ausgebaut werden – pro Elternteil. (Symbolbild)
Das Volksbegehren wird von einer breiten Allianz aus Mitgliedern der GLP, Grüne, Mitte, EVP und des Arbeitnehmerverbands unterstützt. (Symbolbild)
Den Initianten gehe es auch um die Gleichstellung: Die heutige Gesetzgebung fördere «stereotypische Geschlechterrollen» und werde der «gesellschaftlichen Realität» nicht gerecht. (Symbolbild)
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Heute hat «Alliance F» die Eckwerte für eine Eidgenössische Volksinitiative präsentiert: Die Familienzeit soll auf 18 Wochen ausgebaut werden – pro Elternteil. (Symbolbild)

Tamedia/Urs Jaudas

Darum gehts

  • Eine neue Initiative will den heute 14-wöchigen Mutterschaftsurlaub und zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub massiv ausbauen.

  • Eine breite Allianz aus GLP, Grüne, Mitte, Alliance F und Travail Suisse fordern, dass in Zukunft beide Elternteile je 18 Wochen als Familienzeit erhalten.

  • Während die SP und Arbeitgeberverband noch keine offizielle Position haben, lehnen Politiker der SVP und FDP das Anliegen klar ab.

Nach der Geburt eines Kindes haben Mütter Anspruch auf eine Auszeit von 14 Wochen. Deutlich kürzer ist sie für Väter mit zwei Wochen. Einer breiten Allianz aus Mitgliedern der GLP, Grüne, Mitte, EVP, Alliance F und dem Arbeitnehmendenverband Travail Suisse ist das zu wenig. Sie will die Familienzeit nun deutlich ausbauen auf 18 Wochen – pro Elternteil.

Am Donnerstag präsentierte die Allianz die Eckwerte ihrer Initiative. Mit dem Sammeln von Unterschriften will sie aber erst im Frühling starten. Die Forderung ist eine Reaktion auf die rekordverdächtig tiefe Geburtenrate von 1,3 Kinder pro Frau und den Fachkräftemangel, der sich in vielen Branchen verschärfe.

Die mittlere Generation finanziere die Sozialwerke, ziehe die nächste Generation gross und betreue pflegebedürftige Angehörige: «Die Eltern schultern sehr viel in diesem Land. Es braucht ein Generationenwerk, das ihnen gute Rahmenbedingungen bietet, damit sie die gesamte Gesellschaft tragen können. Mit der Familienzeit schaffen wir dieses Generationenwerk», so Dominik Blunschy, Nationalrat der Mitte.

Gegen «stereotypische Rollen»

Den Initianten geht es auch um die Gleichstellung: «Die heutige Gesetzgebung fördert stereotypische Rollen und wird der gesellschaftlichen Realität nicht gerecht», so Lisa Mazzone, Präsidentin der Grünen. Es brauche eine faire, gleich lange Familienzeit für beide Elternteile.

Grünen-Parteichefin Lisa Mazzone unterstützt die Familienzeit-Initiative: «Die heutige Gesetzgebung fördert stereotypische Rollen und wird der gesellschaftlichen Realität nicht gerecht.» (Archivbild)

Grünen-Parteichefin Lisa Mazzone unterstützt die Familienzeit-Initiative: «Die heutige Gesetzgebung fördert stereotypische Rollen und wird der gesellschaftlichen Realität nicht gerecht.» (Archivbild)

20min/Monika Flueckiger

Die 18 Wochen sollen nicht übertragbar sein und sollten nacheinander bezogen werden, wobei vier Wochen gleichzeitig sein könnten. Bei den niedrigsten Löhnen sollen die Betroffenen nicht 80, sondern 100 Prozent des Erwerbsersatz erhalten.

Die Initianten argumentieren, die Familienzeit sei für KMU ein Vorteil im Wettbewerb um Fachkräfte. «Sie ist so ausgestaltet, dass sie einen positiven Effekt auf die Erwerbstätigkeit der Eltern und insbesondere der Mütter hat, indem sie ihnen einen schnelleren Wiedereinstieg in Erwerbsleben zu höheren Pensen ermöglicht.»

Wo bleibt die SP?

Laut einer Studie, welche die Allianz bei der Firma Ecoplan in Auftrag gab, zahlt sich die Familienzeit auch für den Staat und die Steuerzahlerinnen aus: Demnach würden jedes Jahr 2500 Vollzeitbeschäftigte mehr im Arbeitsmarkt tätig sein.

Bist du für eine Elternzeit von je 18 Wochen?

SP-Nationalrätin Min Li Marti bestätigt auf Anfrage, dass wohl auch die SP das Volksbegehren unterstützen werde – offiziell entschieden werde am Parteitag im Februar: «Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir das am Parteitag ablehnen», betont die Zürcherin.

SVP und FDP dagegen, Verband wartet zu

Der Schweizerische Arbeitgeberverband möchte mit seinem Urteil noch zuwarten, bis die konkrete Ausgestaltung der Initiative bekannt ist. «Prinzipiell ist ein ‹Elternurlaub› aber nur eine kurzfristige Lösung für die eigentliche Herausforderung: nämlich die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.» Entsprechend hält der Verband «langfristige Massnahmen» – etwa flexible Arbeitsformen oder ausgebaute Drittbetreuungsangebote – für zielführender.

Nationalrat Andri Silberschmidt (FDP) ist werdender Vater und hält wenig von der geplanten Familienzeit-Initiative: «Entscheidend sind nicht einfach die ersten Wochen, sondern, dass man in den nächsten 20 Jahren genug Zeit hat für die Kinder.» (Archivbild)

Nationalrat Andri Silberschmidt (FDP) ist werdender Vater und hält wenig von der geplanten Familienzeit-Initiative: «Entscheidend sind nicht einfach die ersten Wochen, sondern, dass man in den nächsten 20 Jahren genug Zeit hat für die Kinder.» (Archivbild)

20min/Matthias Spicher

«Klar übertrieben», findet FDP-Nationalrat Andri Silberschmidt die zweimal 18 Wochen. Für KMU sei das eine enorme finanzielle und personelle Belastung. Zudem glaube er nicht, dass alleine deswegen mehr Väter und Mütter in hohen Pensen arbeiten würden: «Entscheidend sind nicht einfach die ersten Wochen, sondern, dass man in den nächsten 20 Jahren genug Zeit hat für die Kinder», sagt der werdende Vater.

Auch SVP-Nationalrat Rémy Wyssmann will die Initiative ablehnen. Diese werde die Steuerzahler und die Wirtschaft Milliarden von Franken kosten und der Wirtschaft Arbeitskräfte entziehen. Weiter werde die Initiative die Inflation anheizen und zu einer Flucht der KMU ins Ausland führen: «Argentinien lässt grüssen. Wer weniger arbeiten will, kann dies gerne tun, aber bitte nicht auf Kosten der anderen!»

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