Künstliche IntelligenzGoogle Bard ist hier – das macht der Chatbot anders als ChatGPT
Vier Monate nach dem Start in den USA und Grossbritannien ist Bard, der KI-Textroboter von Google, jetzt auch in der Schweiz angekommen. Für die Verzögerung hatten auch die strengen europäischen Datenschutzregeln gesorgt.
Google Bard: Darum gehts
Googles Chatbot kann jetzt auch in der Schweiz genutzt werden.
Im Gegensatz zu ChatGPT kann Bard für seine Antworten auf das Internet zugreifen und ist so aktueller.
Bard soll vor allem als Informationslieferant dienen und ist laut eigener Aussage nicht so kreativ wie ChatGPT.
Wie ChatGPT kann auch Bard sogenannt «halluzinieren», also faktisch falsche Antworten liefern.
Der Chatbot Bard von Google kann nun auch ganz offiziell in der Schweiz und ganz Europa genutzt werden. Der Internet-Konzern entfernte am Donnerstag die Blockaden für Nutzerinnen und Nutzer in ganz Europa und Brasilien. «Bard ist jetzt in den meisten Ländern der Welt verfügbar», sagte Google-Manager Jack Krawczyk.
Das kann Bard
Google hat Bard in erster Linie entwickelt, um die Google-Suchmaschine zu verbessern. Der Chatbot kann wie andere Chatbots auf Kommando Texte erstellen, Computercodes schreiben oder Daten auswerten. Dabei nutzt Bard auch die vielfältige Palette an Google-Produkten beziehungsweise -Plattformen. Mit dem Release in Europa kann der Chatbot neu auch:
Antworten vorlesen: Sich geschriebenen Text vorlesen zu lassen, ist an sich keine technologische Neuerung. Bei Bard könnte die Möglichkeit, die Antworten auslesen zu lassen, aber ein erster Schritt zu einem rein sprachgesteuerten Chat-Assistenten sein. So ist es laut dem «Tages-Anzeiger» nur eine Frage der Zeit, bis der Google Assistant mit Bard verbunden wird.
Export in Gmail: Statt mühsame E-Mails selber zu tippen, können Chatbots hier leicht Abhilfe schaffen. Im Gegensatz zu Modellen wie ChatGPT ist es bei Bard aber möglich, Texte direkt in Googles Mailprogramm Gmail abzufüllen.
Export in Docs: Was mit Mails geht, klappt auch mit Zusammenfassungen oder anderen Texten, die man sich vom Chatbot erstellen lässt. Mit dem Export in die Word-Alternative von Google lassen sich Texte leicht formatieren und optimieren.
Bard kann Bilder in Kombination mit Texteingaben verarbeiten. Das Programm analysiert dafür das Foto, und liefert Textvorschläge, etwa wenn man sich für ein Geschenk bedanken möchte. Dieser Dienst ist vorerst nur auf Englisch verfügbar.
Das Tool kann in 20 Programmiersprachen, darunter C++, Go, Java, Javascript, Python und Typescript, programmieren.
Chats teilen: Derzeit ist diese Neuerung noch etwas undurchsichtig – künftig soll sie es aber erlauben, Konversationen des Bots mit anderen Personen zu teilen. Ob die Personen damit auch aktiv am Gespräch teilnehmen werden oder lediglich den von der KI generierten Text lesen werden können, ist derzeit noch unklar. Konkurrent ChatGPT verfügt bereits seit einiger Zeit über die Funktion, mit anderen Usern ein generiertes Gespräch zu teilen – allerdings auch ohne Mitbearbeitung.
Bard greift, anders als ChatGPT, auf das Internet zu und ist deshalb aktueller als der Chatbot von Open AI, der nur mit Daten bis September 2021 gefüttert worden ist. Bard generiert für seine Antworten zudem mehrere Vorschläge, sogenannte «Entwürfe», aus denen man auswählen kann, und liefert Quellenangaben für seine Antworten, wenn er ausführlich aus einer Webseite zitiert.
Das kann Bard nicht
Bard liegt nicht immer richtig. Wie bei allen Chatbots gilt derzeit noch: Die Antworten mögen zwar plausibel klingen, können jedoch faktisch falsch sein. Google sagt deshalb: «Bard ist experimentell, und einige der Antworten können ungenau sein. Überprüfe daher die Informationen in den Antworten von Bard.» Google arbeitet wie auch Open AI daran, das sogenannte «Halluzinieren» der Chatbots zu vermindern. Dazu wird die Künstliche Intelligenz mit menschlichem Feedback trainiert, was sich Reinforcement Learning from Human Feedback, kurz RLHF, nennt.
Das sagt Bard zu seiner Konkurrenz
Auf die Frage, ob Bard besser sei als der Konkurrent von OpenAI, antwortet der Chatbot höchst diplomatisch: «ChatGPT und ich sind beide grosse Sprachmodelle, aber wir haben unterschiedliche Stärken und Schwächen.» ChatGPT sei besser darin, kreative Textformate zu generieren, während es die Stärke von Bard sei, Fragen auf informative Weise zu beantworten. Letztendlich hänge es von der Absicht des Users ab.
Nutzt du Chatbots wie ChatGPT und Bard?
Mit diesen Daten solltest du Bard nicht füttern
Hinter dem Chatbot steht Google und damit eine der datenhungrigsten Techfirmen überhaupt. Zwar impliziert die Freischaltung für Europa, dass sich Bard auch an die hier geltenden datenschutzrechtlichen Gesetze hält. Doch die Konversationen sowie Metadaten wie Standort, IP-Adresse und Google-Konto werden aufgezeichnet und für 18 Monate gespeichert. Zwar lässt sich diese Speicherung minimieren – 72 Stunden bleiben die Konversationen, die man mit Bard hat, aber trotzdem auf Google-Servern. Dem Chatbot deine tiefsten Geheimnisse und persönliche Daten anzuvertrauen, ist also wohl nicht die beste Idee.
Darum kommt Bard erst jetzt zu uns
Google hatte zunächst nur sehr zögerlich auf den Vorstoss des kalifornischen Start-ups OpenAI reagiert. Zum Start wurde Bard Mitte März nur auf Englisch in den USA und in Grossbritannien gestartet. Auf der neuen Liste von 180 freigeschalteten Ländern fehlten dann alle 28 Länder der Europäischen Union, weil zuvor noch Absprachen mit Regulierern getroffen und Anpassungen vorgenommen werden mussten. Das ist nun offenbar passiert.
So hat Bard Deutsch gelernt
Das Unternehmen hat die Monate seit dem Start von Bard aber nicht nur für den Dialog mit den Behörden genutzt, sondern in der Zeit auch etliche Hausaufgaben erledigt, um Bard quasi weltweit anbieten zu können. Dem KI-System Bard die deutsche Sprache beizubringen, fiel Google dabei noch sehr leicht. «Das Modell wird anhand von öffentlich zugänglichen Informationen aus dem Internet trainiert», erläuterte Google-Manager Krawczyk. «Die gute Nachricht ist: Es gibt eine Menge hochwertiger öffentlicher Informationen, die dem Modell helfen.»
Mit Material der DPA
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