29 Geflüchtete meistern Berufslehre in Graubünden

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Graubünden«Geht nicht, gibts nicht»: Geflüchteter besteht Lehrabschluss

29 Geflüchtete konnten ihre Berufsausbildung in Graubünden erfolgreich abschliessen. Einer von ihnen, Ziyaoddin Mirzaii, erzählt von seinen Erfahrungen.

Mirzaii Ziyaoddin ist 2015 aus Afghanistan in die Schweiz geflüchtet und schloss in diesem Sommer erfolgreich seine Berufsausbildung als Karosseriespengler EFZ ab.
Er ist einer der 29 geflüchteten Personen, die von der Fachstelle Integration Graubünden während der Lehrzeit erfolgreich bis zum Bestehen der Abschlussprüfung begleitet wurden. (Symbolbild)
Die Personen schlossen ihre berufliche Grundbildung in den Berufsfeldern Handwerk, Gebäudetechnik, Gastronomie und Pflege ab. (Symbolbild)
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Mirzaii Ziyaoddin ist 2015 aus Afghanistan in die Schweiz geflüchtet und schloss in diesem Sommer erfolgreich seine Berufsausbildung als Karosseriespengler EFZ ab.

Privat

Darum gehts

  • Im Kanton Graubünden haben im Sommer 29 geflüchtete Personen in Begleitung durch die kantonale Fachstelle Integration ihre Berufslehre erfolgreich absolviert.

  • Einer der Lehrabgänger spricht über die überwundenen Hindernisse und wie es bei ihm nun weitergeht.

  • Seine Ausbildungsfirma und die Fachstelle Integration Graubünden erfreuen sich an der Erfolgsstory.

Im Kanton Graubünden schlossen kürzlich 29 Geflüchtete erfolgreich eine Berufslehre ab, wie das Amt für Migration und Zivilrecht Graubünden mitteilte.

Die 20 Männer und die neun Frauen schlossen ihre berufliche Grundbildung in den Berufsfeldern Handwerk, Gebäudetechnik, Gastronomie und Pflege ab. Während ihrer Ausbildung wurden sie von der Fachstelle Integration begleitet.

Das sagt einer der Lehrabgänger

Einer der Lehrabgänger ist Mirzaii Ziyaoddin. Der 30-jährige Iraner ist 2015 von Afghanistan aus in die Schweiz geflüchtet und hat im Sommer erfolgreich die Ausbildung Karosseriespengler EFZ absolviert.

«Ich fühle mich sehr gut und freue mich riesig, dass es geklappt hat», sagt er zu 20 Minuten. Er könne nun alle Aufgaben als Karosseriespengler selbst erledigen und habe schon grosse Verantwortung im Lehrbetrieb übernehmen dürfen.

«Ich wollte unbedingt diese Ausbildung fertig machen»

Während der Ausbildungszeit wurde Mirzaii mit vielen Herausforderungen konfrontiert: «Am Anfang hatte ich in der Schule wegen der Sprache Schwierigkeiten.» Vor allem Fachbegriffe stellten ein grösseres Problem für den Lehrabgänger dar, «aber da hatten auch gebürtige Schweizer Mühe», sagt er. Trotzdem habe er einiges nach dem Unterricht zu Hause nachholen müssen.

Es war aber nicht nur sein eigener Schulstoff, um den er sich nach dem Unterricht kümmern musste. Mirzaii hat gemeinsam mit seiner Frau, ebenfalls Iranerin, eine achtjährige Tochter, welche in der Schweiz geboren ist. Es sei nicht immer einfach gewesen, genügend Zeit mit seiner Tochter zu verbringen und danach spät am Abend noch seine eigenen Hausaufgaben zu erledigen, doch er sei stets motiviert gewesen. «Ich wollte unbedingt diese Ausbildung fertig machen», sagt er. Und weiter: «Ich sagte mir darum, ‹geht nicht, gibt es nicht›.»

Nach diesem Motto hätten er und seine Frau auch die Finanzen bewältigt. «Mit dem Lehrlingslohn war es schon kompliziert, aber wir haben immer unser Budget überprüft, um schuldenfrei zu bleiben.»

Mirzaii Ziyaoddin hat während seiner Ausbildung mehrere Hürden überwinden müssen, kann sich nun aber stolz Karosseriespengler EFZ nennen.

Mirzaii Ziyaoddin hat während seiner Ausbildung mehrere Hürden überwinden müssen, kann sich nun aber stolz Karosseriespengler EFZ nennen.

Privat

«Es steht jedem offen, schnuppern zu kommen»

Natalie Oberli, Geschäftsleiterin seines Lehrbetriebs, der Karosserie Ludwig, findet nur lobende Worte für den gebürtigen Iraner. «Er ist ganz anständig und hat sich gut integriert.» Sie glaubt, dass Mirzaii als Familienvater einen zusätzlichen Antrieb hatte, die Lehre positiv zu bestehen. Da ihm dies auch gelungen ist, hat ihm die Karosserie im Anschluss eine Festanstellung angeboten.

Auf die Frage, wieso die Wahl des Lehrlings auf Mirzaii gefallen sei, antwortet Oberli: «Wir suchen immer Lernende und es steht jedem offen, bei uns schnuppern zu kommen.» Der 30-Jährige habe schlussendlich die Verantwortlichen mit seiner Art und seinem Können überzeugt. Zudem habe der Bereichsleiter der Karosserie eingewilligt, sich für den Neuling Zeit zu nehmen.

Für die Geschäftsführerin sei es immer schön, wenn sie jemandem eine Chance geben könne. «Je mehr Möglichkeiten man Flüchtlingen gibt, umso besser können sie sich integrieren.» Zudem tragen laut Oberli die Betreuer der Flüchtlinge, mit denen im engen Kontakt zusammengearbeitet wird, zu einer gelungenen Integration bei.

Hattest du eine schöne Ausbildungszeit?

«Die Leistungen der jungen Erwachsenen sind beeindruckend»

Felix Birchler, Leiter Fachstelle Integration Graubünden, erfreut sich ebenfalls an den positiven Resultaten. «Die Leistungen der jungen Erwachsenen sind beeindruckend.»

Er sagt zudem, dass sie nicht nur die fachlichen Anforderungen ihrer Berufe erfüllen konnten, sondern auch die notwendigen Sprachkenntnisse erworben und sich in der schweizerischen Arbeitskultur eingelebt haben.

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